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Community Development (CD)

Geschrieben von Silvio Markewitz am .

Gemeinwesenarbeit auf der Grundlage von Partizipation und Konsens

Was ist Community Development?

Häufig wird für das Synonym Community Development in verschiedenen theoretischen Darstellungen auch der Begriff Locality Development benutzt (Rothmann, 1974, S.23). In diesem Ansatz handelt es sich um Aktivitäten zur Herbeiführung materieller und/oder sozialer Verbesserungen der Lebensverhältnisse in der » Community. Es ist oberste Prämisse, diese Fortschritte mit einem Höchstmaß an Partizipation, möglichst aller Community - Angehöriger zu erreichen. Ursprünglich diente Community Development speziell zum Aufbau von Dörfern und Städten in Dritte-Welt-Ländern. In der darauf folgenden Zeit hat sich das Konzept aber auch immer mehr in ländlichen und innerstädtischen Community`s in industrialisierten Ländern, die erhebliche soziale, ökonomische und infrastrukturelle Defizite aufweisen, durchgesetzt.
"Community Development erscheint über einen längeren Zeitraum hin als eine relativ selten und nun mehr oder weniger zufällig gebrauchte Redewendung ohne jede speziellere Bedeutung" (Vogel/Oel, 1966, S. 46). Eine häufigere Benutzung vom Begriff Community Development deutet sich in den dreißiger Jahren an, so dass angenommen werden kann, dass sich zu diesem Zeitpunkt bestimmte Absichten damit verbanden, die jedoch noch keineswegs ausdrücklich genannt oder niedergeschrieben wurden. Eben diese Zusammenhänge, hatten zur Folge, dass im Jahre 1948 die Bezeichnung Community Development, auch ohne jegliche begriffliche Durchdringung und Formulierung, schlagartig zu einem weltweiten Symbol wurde (Vogel/Oel, 1966, S. 48). In diesem Jahr fand eine Veranstaltung statt, die zugleich zwei bedeutende Wege eröffnete, auf denen Community Development vom partiellen und unklaren amerikanischen Sprachgebrauch zur universellen Formel wurde. In der englischen Stadt Cambridge wurde eine Konferenz abgehalten die das Thema "Die Unterstützung von Initiativen in der afrikanischen Gesellschaft", zur Beratung stellte. Als Ergebnis wurden unter der thematischen Neufassung "Mass Education – Community Development" alle älteren Bestandteile des Ansatzes von den amerikanischen Erfahrungen neu geordnet. Mass Education ist eine Technik, die entworfen wurde, um ein besseres Leben der ganzen Gemeinschaft zu fördern, mit aktiver Teilnahme und wenn möglich in Eigeninitiative aller Teilnehmer der Community. Die Techniken tragen dazu bei, die Bewohner aufzurütteln und zu stimulieren, um eine aktive Auseinandersetzung mit der Gemeinschaft sicher zu stellen. Auf dieser Konferenz kamen jedoch nicht nur amerikanische Erfahrungen mit Community Development, sondern auch die Bemühungen der Vereinten Nationen zum selben Thema zur Sprache. Ziel war ein erweiterter Erfahrungsaustausch mit amerikanischen und englischen Community Development – Träger, um eine Weiterentwicklung des Ansatzes voran zutreiben.

Idee

Der Ansatz Community Development konzentrierte sich meist auf pädagogische Einrichtungen, besonders auf Colleges und Universitäten in landwirtschaftlichen orientierten Gebieten der Vereinigten Staaten. (Vogel/Oel, 1966, S. 46) Die Institutionen übernahmen eine besondere pädagogische Funktion im Zusammenhang mit bestimmten Förderungsprogrammen der Regierung. Teils waren jene Einzelprogramme wirtschaftlich, teils aber auch pädagogisch motiviert, mit dem Ziel, eine Belebung des wirtschaftlichen und sozialen Community – Lebens unter Einbeziehung der zahllosen privaten Colleges voranzutreiben. Oel und Vogel führen weiterhin aus, dass sich in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts zwar zunehmend des Ausdrucks Community Development bedient wurde, dass sich aber alle Ausführungen über diesen Ansatz mit Begrifflichkeiten von Community Organizing bestreiten lassen. Folglich liegt die Vermutung nahe, dass Community Development in dieser Entwicklungsphase Bestandteil der besonderen Ausdrucks- und Redeweise ist, die den Kreisen der ländlichen Colleges und Universitäten entstanden, aber inhaltlich nichts anderes ausdrücken will, als eine spezielle, an landwirtschaftliche Bedingungen gebundene Anwendung dessen, was gemeinhin unter dem Begriff  » Community Organizing verstanden wurde. Sanderson beschreibt Community Development dann lediglich als einen allgemeinen Entwicklungsstand und nicht einen bestimmten gearteten Zustand, den er in den Begriff Community Organizing fasst (Sanderson in Vogel/Oel, 1966, S. 123)
Für eine Differenzierung von Community Organizing und Community Development ist es wichtig, die Struktur beider zu vergleichen. Auch wenn wie oben genannt Community Development ein Begriff ist, der häufig unreflektiert blieb, wird davon ausgegangen, dass CD sich eher mit der Struktur der ländlichen Community`s befasst. Demgegenüber legt Community Organizing eine stärkere Akzentuierung auf städtische und großstädtische Verhältnisse. Community Development definiert sich dann als planende Zusammenordnung der wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Bedingungen im "community life".

Gesellschaftliche Situation

Die dreißiger Jahre in den USA waren gekennzeichnet durch die Weltwirtschaftskrise. Der Zusammenbruch der Börse hatte verheerende Folgen. 1933 betrug der Wert der in New York gehandelten Aktien nur noch ein Fünftel des Wertes von 1929. Geschäfte und Fabriken schlossen, Banken waren zahlungsunfähig. Das Einkommen auf Farmen sank auf die Hälfte. Im Jahr 1932 war etwa ein Viertel aller Amerikaner arbeitslos. Das Grundproblem war die immense Ungleichheit zwischen der Produktionskapazität und der Möglichkeit der Amerikaner zu konsumieren. Große Erfindungen in der Erzeugungstechnik während und nach dem Krieg hoben die Produktion über die Kaufkraft von Bauern und Lohnempfängern hinaus. Um dem entgegenzuwirken konzipierte, der damalige Präsident Franklin D. Roosevelt ein Entwurf für mehr soziale Gerechtigkeit, der unter dem Namen "New Deal" bekannt wurde. Dieses Programm führte grundlegende soziale und wirtschaftliche Reformen ein. Wirklich bemerkenswert am New Deal war allerdings die Geschwindigkeit, mit der Sachen erreicht wurden, die zuvor Generationen gedauert hatten. Innerhalb von drei Monaten setzte Roosevelt eine große Zahl von Gesetzen zum Wiederaufbau der Wirtschaft um. Stellen wurden geschaffen durch den Bau neuer Straßen, Brücken, Flughäfen, Parks und öffentlichen Gebäuden. Das Agricultural Adjustment Act (AAA) war ein Gesetz, das 1933 vom amerikanischen Kongress verabschiedet wurde, um Farmern wirtschaftliche Unterstützung zu geben und das Einkommen anzuheben. Beachtliche Steigerungen in Produktion und Preisen wurden erreicht, aber er beendete nicht die Wirtschaftskrise. Aufgrund des Druckes von rechten wie linken Gruppen unterstützte Präsident Roosevelt eine weitere Reihe wirtschaftlicher und sozialer Maßnahmen (Second New Deal), darunter solche zur Bekämpfung von Armut, Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit durch Arbeitsangebote und die Entwicklung eines sozialen Netzes. Hauptbestandteil war ein Programm, Arbeit statt Sozialhilfe anzubieten. Der Eckpfeiler des New Deal war aber der Social Security Act aus dem Jahr 1935. Er schaffte ein Versicherungssystem, basierend auf Abgaben von Arbeitnehmer und -geber, für Rentner, Arbeitslose und Behinderten. Durch diese sozialen Innovationen wurde Präsident Roosevelt 1936 von der amerikanischen Bevölkerung wieder zum Staatsoberhaupt gewählt.

Leitbilder

Community wird häufig als ein Subsystem des Gesamtsystems Gesellschaft begriffen und deren Abhängigkeit zueinander. Soziale Probleme werden aus dieser wechselseitigen Beziehung als Negativerscheinungen von defizitärer Anpassung der Community an das Gesamtsystem mit seinen Anforderungen und Regeln gedeutet.
Grundsätzlich versucht Community Development die Fähigkeiten einer Community aufzubauen und gemeinschaftliche Probleme gemeinschaftlich zu lösen. Dies setzt prinzipiell eine möglichst breite Beteiligung aller Bewohner am Prozess voraus. CD richtet den Fokus auf die Community in Ihrer Gesamtheit, mit allen unterschiedlichen involvierten Gruppen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Status, Einkommen und Herkunft.
Cary zeigt in verschiedenen Partizipationsstudien, dass soziale Teilhabe in den Community`s fast nie gleichmäßig verteilt ist, vielmehr konzentriert sich die Entscheidungsfindung auf kleinere Gruppen von Bewohnern in der Community (Cary, in Mohrlok u.a., 1970, S. 155). Einzelinteressen dominieren also häufig über das Gemeinwohl, so dass die Mehrheit der Bewohner nicht in Entscheidungsprozesse eingebunden wird. Oberste Priorität im CD – Prozess ist es daher, Strukturen zu schaffen die eine möglichst umfassende Partizipation ermöglichen. Dies lässt sich nur durch eine repräsentative Beteiligung verwirklichen, vor allem in sehr großen Community`s wie in innerstädtischen Slums in Großstädten. Die zwei unmittelbarsten Schritte sind die Identifizierung der wichtigsten Gruppen im Stadtteil und deren Verwicklung im CD – Prozess zu beleuchten (Cary in Mohrlok u.a., S. 158, 1970).
Die Bedeutung der Integration der Community und aller ihrer Gruppen und Strukturen spielt im Modell des Community Development eine entscheidende Rolle, gerade im Hinblick auf die breite Partizipation an Entscheidungsprozessen und die darauf folgenden kollektiven Aktionen. Soziale Integration ist vor allem an der Qualität zwischenmenschlicher und geschäftlicher Beziehungen und an der Kommunikation der Individuen und Gruppen untereinander abzulesen (Porter/Peters in Mohrlok u.a., 1981, S. 161). Genau an dieser Stelle liegt der Ansatzpunkt für die professionelle Fachkraft, die diese notwendige Interaktion fördert bzw. die Community – Angehörigen dazu erst befähigt.
Soziale Integration im Community Development bezieht sich aber nicht nur auf die Bewohner eines Stadtteiles, sondern auch auf formelle Gruppen des Gemeinwesens, also auf Organisationen, Institutionen sowie Einrichtungen verschiedenster Art, die das Erscheinungsbild der Community prägen und mit Hilfe unterschiedlicher Ressourcen dazu beitragen können, wesentliche Veränderungen in der Community voranzutreiben.
Durch diesen ganzheitlichen Ansatz, alle Gruppen am Prozess der gemeinschaftlichen Problemdefinition und Problemlösung zu beteiligen, ist Community Development auf den Konsens (Konsensus Strategie) zwischen den verschiedenen Beteiligten angewiesen, das heißt Konflikte müssen im CD – Prozess unbedingt vermieden werden um so Geschäftsleute wie Arbeitslose, Hausbesitzer wie Obdachlose, Weiße wie Schwarze, Jung wie Alt zur langfristigen Zusammenarbeit zu bewegen. Themen und Probleme der Community können also nur dann aufgegriffen werden, wenn sie die Interessen aller oder zumindest der allermeisten tangieren und so vermutet werden kann, dass zur Lösung dieser Probleme Einigkeit erzielt werden kann. Gerade der klassische Konflikt zwischen Besitzenden und Besitzlosen muss vermieden werden, da beide Parteien Teil der Community sind und somit auch am Problemlösungsprozess beteiligt sind. Der Einfluss der Vermögenden soll im Interesse der Gesamt – Community genutzt werden. Durch diese breite Konsensus – Strategie ist es nicht möglich, brisante Themen zu problematisieren. Vielmehr sind es allgemeine Inhalte, die für Community Development in Betracht kommen, die weder Wertvorstellungen noch materielle oder sonstige Interessen einzelner Bewohner negativ berühren. Der Handlungsspielraum der Professionellen ist daher in diesem Ansatz sehr eingeschränkt.

Ziele

Im Mittelpunkt des Ansatzes von Community Development steht die Aktivierung der Selbsthilfefähigkeit der Community, d.h. die Befähigung zu vermitteln, vorhandene gemeinschaftliche Probleme auch gemeinschaftlich zu lösen. Ein einzelnes Problem dient häufig als Anlass für eine Intervention einer professionellen Fachkraft, deren Ziel ist es aber dann, einen Prozess in Gang zu setzen, der langfristig auf den Aufbau dieser Problemlösungsfähigkeit angelegt ist. Die Lösung des eigentlichen Problems ist für die Fachkraft meist nur sekundär (Mohrlok u.a., 1993, S.72). Strukturell kann man aber häufig feststellen, dass Einzelinteressen der Bewohner Einfluss auf den Zustand der gesamten Gemeinschaft nehmen, so dass die Mehrheit der Involvierten nicht in Entscheidungsprozesse eingebunden wird. Ein weiteres erklärtes Ziel im CD – Programm ist es daher, Grundlagen, die eine möglichst umfassende Partizipation ermöglichen, zu schaffen.

Umsetzung

Community Development ist eine Technik zur integrierten und angepassten Entwicklung ländlicher Gebiete ohne Ausübung von Zwang und unter Beibehaltung sozio-kultureller Eigenheiten. Über das Programm wird angestrebt, ein doppeltes Motivierungssystem zu schaffen, in dem der individuelle Erfolg jedes Einzelnen und die Verwirklichung gemeinsamer Ziele in der Community einen sich gegenseitig verstärkenden Prozess in Gang setzen. Die Aufgabe der Professionellen oder Entwicklungsbeamten in so einem Programm besteht vor allem darin, die Unsicherheiten der Bewohner zu reduzieren. Der Erfolg von CD hängt also entscheidend von der Qualifikation der Verwaltung und deren Fähigkeiten ab. Die Vermittlung von lokalen Verbesserungsvorschlägen muss den jeweiligen regionalen Standortbedingungen optimal angepasst werden. Der anschließende Erfolg solcher Interventionen von außen soll dann die Community – Mitglieder im günstigsten Fall zur Gestaltung weiterer Aufgaben animieren. Die so erreichte Form der Entwicklung ist meist nur auf die Gruppen konzentriert, die ohne Existenzängste auch Veränderungen in der Community in Kauf nehmen und deren Verwirklichung unterstützen.
Asset-Based Community Development (ABCD) kann man als einen Denk- und Handlungsansatz zur Entwicklung von Community`s auf der Grundlage der Fähigkeiten und Talente, die in ihr vorhanden sind, verstehen. Ausgangspunkt für diesen Ansatz ist die Arbeit von John Kretzmann und John McKnight an der Northwestern University in Chicago, die sich 1993 in dem Buch "Building Communities from Inside Out" nieder geschlagen hat. Dabei wird versucht Grundelemente von Community Organizing mit ganzheitlichen Ansätzen der Gemeinwesenarbeit in Verbindung zu bringen. Anders als bei CO wird demzufolge in der Gemeinde nicht so stark zwischen » Leadern und den anderen Menschen unterschieden, vielmehr werden die Einzelnen und informellen wie formellen Gruppen der Nachbarschaft unmittelbar angesprochen auf ihre Ressourcen und die Möglichkeit der Verknüpfung dieser Ressourcen. Informelle Gruppen sind in diesem Zusammenhang die Bewohner eines Stadtteils und formelle Gruppen sind Institutionen die sich in der unmittelbaren Nachbarschaft befinden. Gerade den Randgruppen in der Community, den Außenseitern, Behinderten, Schwachen, Alten und Jungen gilt die besondere Aufmerksamkeit, ohne jedoch eine Zielgruppe zu favorisieren.

Fünf Elemente kennzeichnen das Modell:

  • Erforscht werden die "Success-Stories", die gelungenen Ansätze um die Stärken der Community zu mobilisieren.
  • Verändert wird die "Landkarte im Kopf" durch den Blick auf die Stärken statt die Fixierung auf Probleme. (Siehe Abb. 1 und 2)
  • Methodisch eruiert und miteinander in Verbindung gebracht werden die Potenziale der Einzelnen, der Gruppen und der Institutionen.
  • Es wird mit den Stärken der Schwachen gearbeitet, statt in Schwache und Starke zu sortieren.
  • Die Entwicklung geht immer von Innen nach Außen, nicht umgekehrt. Das bedeutet keine Absage an die Unterstützung von außen, aber auf der Grundlage einer selbstbewussten Position der Community.

Kretzmann und Mc Knight gehen grundsätzlich davon aus, dass alle Bewohner eines Stadtteiles eher die negativen Aspekte, welche die Community prägen, aussprechen (Kretzmann/McKnight in http://rothschuh.bei.t-online.de/CO_11_ABCD.htm).
Sie nennen Gesichtspunkte wie Armut, Müllhaufen auf der Straße, Arbeitslosigkeit, Gewalt in den Familien, Wände beschmiert, Ausländerfeindlichkeit, Kriminalität, Jugendbanden, Rechtsradikalismus etc.. Grundlegend weiß jeder Beteiligte, dass mehr Jugendzentren, Straßensozialarbeiter, Angebote für Arbeitslose, solchen sozialen Missständen entgegenwirken. Dafür braucht es Geld von der Stadt, dem Staat, der Europäischen Union. Kretzmann und Mc Knight fassen all diese Aspekte in einer Landkarte der Bedürfnisse und Probleme zusammen.

Abb. 1 Landkarte der Probleme und Bedürfnisse


Quelle: http://rothschuh.bei.t-online.de/CO_11_ABCD.htm

Demgegenüber gibt es eine Landkarte der Aktivposten eines Stadtteiles. Kretzmann und Mc Knight beschreiben das unter dem Begriff "assets", denn auch in diesen Stadtteilen haben die Menschen Talente, Wissen, Kraft, Mut sowie Kompetenzen. Ebenso gibt es Vereine und informelle Gruppen, gibt es kulturelle Aktivitäten und lokale Institutionen und Geschäfte.

Abb.2 Landkarte der Aktivposten


Quelle: http://rothschuh.bei.t-online.de/CO_11_ABCD.htm

Von diesen zwei Landkarten ausgehend, ist es nun notwendig, durch Aktivierung der Menschen im Stadtteil Veränderungen hervorzurufen. Hauptsächlich geht es darum, die Kapazitäten der Individuen freizusetzen, um dann die örtlichen formellen und informellen Vereinigungen sowie die lokalen Institutionen, für den Aufbau der Community zu gewinnen. Der Weg der Entwicklung basiert auf den Aktiva oder Ressourcen der Stadtteile und Menschen, welcher nach innen fokussiert ist. der Motor der Entwicklungen sind die Beziehungen zwischen den Menschen, vorwiegend one-to-one- Beziehungen. Solche Veränderungen können nur erreicht werden, wenn die menschlichen Kapazitäten der Individuen und die der der lokalen Vereinigungen erkannt und für alle Beteiligten sichtbar gemacht werden. Diese "Inventur" der individuellen Fähigkeiten ist der erste Schritt eines geplanten Prozesses, der dann zur Verknüpfung der Kapazitäten führen soll. Der zweite Schritt ist die Eruierung potenzieller Ansprechpersonen, und diesem folgt die Verbindung von Partnern, indem Beziehungen geknüpft werden. So entsteht ein lebendiges Netz von eins – zu – eins-, also one – to – one – Beziehungen.
Der Wiederaufbau der lokalen Ökonomie ist nicht das eigentliche Ziel, sondern ein Bestandteil des Aufbaus einer lebendigen, starken Community. CD ist kein Arbeitsbeschaffungsprogramm, aber Arbeit und Einkommen können und sollen auch in diesem Prozess entstehen. Die lokalen Institutionen und Organisationen haben oft keine ökonomischen Zielsetzungen, wohl aber ökonomische Möglichkeiten und Zwänge. Sie können im Stadtteil ihre Materialien und Dienstleistungen einkaufen, sie können Menschen aus dem Viertel ausbilden, trainieren und einstellen und somit die physischen Ressourcen der Community verbessern. Daneben gibt es herkömmliche Kreditinstitutionen im Stadtteil und schließlich die Chance, physische Aktivposten zu entdecken und nutzbar zu machen, wie z.B. ungenutzte Räume und Gebäude. So können z.B. neue Wohnmöglichkeiten und Spielflächen entstehen. Im der folgenden Abbildung sollen teilweise Verknüpfungen der individuellen Kapazitäten und die Kapazitäten der lokalen Vereinigungen ganzheitlich dargestellt werden.

Abb. 3 Lokale Partnerschaften


Quelle: http://rothschuh.bei.t-online.de/CO_11_ABCD.htm

Aus dem Herausfiltern der "Assets" und Knüpfen von vielfältigen lebendigen Beziehungen und der Aktivierung von ungenutzten Potenzialen resultiert die Mobilisierung der ganzen Community. Und diese Mobilisierung ist der Hebel, um Außenressourcen zu beschaffen, welche die lokal angetriebene Entwicklung unterstützen können, denn externe Leistungen sind insbesondere in Stadtteilen mit niedrigem Einkommen essentiell für den Erneuerungsprozess. Dabei ist das Vorhandensein der inneren Kapazität notwendig, ehe auswärtige Ressourcen Wirkung zeigen können. Dies bedeutet letztlich eine neue selbstbewusste Position der Community gegenüber den Geldgebern, seien es die Stiftungen oder die Regierungen. Der Weg zur Geldbeschaffung geht nicht mehr über die dramatische Darstellung von Mängeln sondern über das Aufweisen von Möglichkeiten.

Historische Bedeutung

Versucht man den Ansatz des Community Development mit innovativen Ansätzen der Gegenwart zu vergleichen, sind Parallelen unwiderruflich sichtbar. Eines dieser Modelle, das sich methodisch und inhaltlich grundlegend auf dasselbe bezieht, wie Community Development, ist » Stadtteilbezogene Soziale Arbeit (SSA). 1982 stellten Hinte/Metzger – Pregizer/Springer ein Modell zur Thematik vor. Unter SSA ist professionelle Soziale Arbeit zu verstehen, die im Stadtteil als dem primären Lebensumfeld der Menschen ansetzt. "Diese Lebenswelt im Stadtteil ist ein wesentlicher Teil der Vorrausetzung und bleibende Bedingung für die Entwicklung der Identität und Handlungskompetenzen der Menschen als gesellschaftliches Wesen" (Springer in Morlock u.a., 1987, S.12).
Der SSA liegt, wie auch dem Community Development, eine ganzheitliche Sicht der Community zu Grunde. Im Gegensatz zu anderen institutionellen sozialarbeiterischen Ansätzen, verzichten SSA und CD auf eine Einteilung in Zielgruppen, Problemlagen und anderen Kategorien. Im Folgenden möchte ich zum näheren Vergleich drei Prinzipien von SSA anführen, die deckungsgleich mit Grundsätzen von CD sind.

  1. Die Arbeit orientiert sich an der Wohnbevölkerung. Somit sind nicht die Überlegungen und Ideen der Professionellen maßgeblich, vielmehr werden die Interessen der Bürger fokussiert, um folglich eine externe Hilfestellung anbieten zu können.
  2. Die Ressourcen des Stadtteils werden in möglichst hohem Maße genutzt und im Interesse der BewohnerInnen mit kommunalen Dienstleistungen verknüpft.
  3. Bei allen Aktivitäten stehen Selbsthilfekräfte und Eigeninitiativen der Bürger im Vordergrund

Weiterhin vertreten CD und SSA die grundlegende Kooperationsbereitschaft mit allen sozialen Einrichtungen und Ämtern im Stadtteil. Also keine Verdammung von staatlichen Institutionen wie in anderen Konfliktorientierten Ansätzen der Gemeinwesenarbeit.
Dieser doch eindeutige Vergleich zweier Methoden oder Programme zeigt, dass Community Development einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Gemeinwesenarbeit genommen hat, auch wenn sich in der Literatur keine konkreten Verbindungen nachvollziehen lassen.


Fragen zu Community Development:

  1. Community Development wurde in der Entstehungsgeschichte mehr oder weniger mit Community Organizing gleichgestellt, wodurch änderte sich dieser Aspekt?
  2. Wo fand Community Development in der geschichtlichen Entwicklung primär eine Anwendung?
  3. Stellen Sie Unterschiede der Strukturen von Community Development von Community Organizing dar.
  4. Durch welche geschichtlichen Auswirkungen wurde es notwendig, über methodische Gemeinwesenprojekte zu diskutieren?
  5. Wie verhalten sich Professionelle im Ansatz des Community Development, gibt es parallelen oder Unterschiede zu Community Organizing?
  6. Bei der Arbeit im Gemeinwesen verfolgt Community Development einen ganzheitlichen Ansatz. Welche Aspekte liegen diesem zu Grunde?
  7. Bei der Umsetzung der Methodik des Community Development werden fünf Elemente favorisiert. Welche konkreten Ziele werden dabei angestrebt?
  8. Community Development hat im Laufe der Geschichte nicht den selben Stellenwert eingenommen wie Community Organizing, gibt es dennoch vergleichbare Ansätze die dem des Community Development nahe kommen?