Drucken

Intermediäre Stadtteil- & Kulturarbeit

Geschrieben von Michael Wendt und Griet Gäthke am .

Stadt(teil)entwicklung durch Kultur am Beispiel der "altonale"

Kontakt:

MOTTE-Stadtteil- & Kulturzentrum, Eulenstraße 43, 22765 Hamburg, Tel: 040 399262-0, Fax: 040 399262-0, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Internet: www.dieMOTTE.de


MOTTE-Stadtteil- & Kulturzentrum – Ideenagentur und Intermediär

Die MOTTE ist seit 1976 im Hamburger Stadtteil Ottensen/Altona verankert. Seitdem gibt es Veranstaltungs-, Kurs- und Werkstattangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Den rasanten Wandel des Stadtteils hat die MOTTE aktiv begleitet - sie hat sich professionalisiert und ist aktuelle Ideenagentur geblieben. Ressourcen und Kompetenz in der MOTTE ergeben ein sehr effektives internes Netzwerk, das mit mehr als 100 Kooperationspartnern zusammen arbeitet. Förderung von Medienkompetenz und kultureller Bildung und Projekte in der Berufsorientierung haben sich zu Schwerpunkten entwickelt, interdisziplinäre Projekte werden in unterschiedlichsten Kooperationsverhältnissen umgesetzt.
Extern initiiert die MOTTE Netzwerke oder bringt sich aktiv ein, sowohl auf Bezirks- als auch auf Hamburger Ebene. Modellhafte Projekte und Konzepte der MOTTE werden hamburgweit umgesetzt und finden auch bundesweit und international Aufmerksamkeit.
Die MOTTE ist Gesellschafter der altonale GbR und der PS.A-Kooperative Produktionsschule Altona gGmbh, sie engagiert sich in diversen Arbeitskreisen wie Fokus Altona oder zu den Themen Interkultur sowie Kinder- und Jugendkultur und ist Partner in Netzwerken wie Aktivoli-Freiwilligen-Netzwerk oder MedienNetz Hamburg.
Das Selbstverständnis in der Stadt(teil)entwicklung die Rolle eines Intermediärs zu übernehmen und sich aktiv bei der Gestaltung und Steuerung von Veränderungsprozessen einzubringen, hat in der MOTTE auch interne Arbeitsbereiche verändert. Diese Öffnung zum Stadtteil, die nötigen Prozesse intern und extern finden ihren Ausdruck in den Arbeitsschwerpunkten:

  • Entwicklung und Umsetzung eines Kulturfestivals im Stadtteil – die altonale, ein von kulturellen und sozialen Initiativen, bezirklicher Verwaltung, Gewerbe und Einzelhandel, organisiertes Stadtfest. Ein 14-tägiges Kulturprogramm mit den Schwerpunkten Kunst und Literatur und das abschließende 3-tägige Straßenfest mit der Spaßparade, einem "Karneval der Kulturen", erreichte im 7. Jahr ca. 500.000 BesucherInnen.
    Die MOTTE initiierte 1998 die altonale und übernahm 5 Jahre die Geschäftsführung und den Hauptanteil der Koordination. 1999 fand die erste Veranstaltung statt. Für die MOTTE sind seitdem wichtige Entwicklungen in Gang gesetzt worden: Die MOTTE wird zur lernenden Organisation, Organisationsentwicklungsprozesse stärken das gemeinsame Handeln und die lokale Verankerung, die Entwicklung neuer Aufgabenfelder stärkt das Selbstbewusstsein, die eigene Arbeit erfährt Anerkennung. Partnerschaften schaffen die Voraussetzung für einen Wertetransfer, im Rahmen stadtteilrelevanter Fragestellungen setzen sich mittlerweile verstärkt stadtteilkulturelle Werte durch und die Akteure dieses dynamischen Prozesses werden zu gemeinsamen Fürsprechern stadtteilkulturellen Handelns. Ressourcen werden gebündelt, neue Finanzierungswege erprobt und weiterentwickelt. Im Hamburger Stadtteil Billstedt initiierte das Stadtteil-Kulturzentrum Kulturpalast die BilleVue, die 2002 und 2004 stattfand, die dritte BilleVue ist für 2007 geplant. Die BilleVue ist eine Adaption der altonale.
  • Etablierung der MOTTE als außerschulischer Lernort - die Kooperation mit Schulen in der Berufsorientierung und in Projekten im Bereich der außerschulischen Kultur-, Bildungs- und Medienarbeit. Die außerschulischen Bildungsangebote in der Jugendarbeit der MOTTE spielen bereits in den Anfängen eine wichtige Rolle. In den 70er und 80er Jahren waren es selbstorganisierte Werkstattangebote und die Ausgründung von Trägern wie Bildungswerkstatt Altona und Jugendhilfe Ottensen, der Arbeitskreis Nachbarschaft und Schule und die Verankerung der Berufsorientierung in der Zusammenarbeit mit Schulen. Der Aufbau und 1999 der Start eines neuen Schulmodells - die Kooperative Produktionsschule Altona, war ein Erfolg, der in einer speziellen politischen Konstellation erreicht werden konnte.
    In der Entwicklung von Kooperationsfeldern mit Schule und insbesondere Ganztagsschule bringt die MOTTE ihre Erfahrungen aus der Berufsorientierung und neue Projekte aus den Bereichen Medienkompetenzförderung und Kulturelle Bildung ein. Die Qualität und Stärken der außerschulischen Angebote müssen kommuniziert werden, auch um zu vermeiden, dass Schule die "anderen Lernorte" absorbiert. Diese Auseinandersetzung schärft die Profilierung der eigenen Arbeit. Die MOTTE setzt auf den Erhalt außerschulischer Lernorte und das Zusammenbringen unterschiedlicher Lernsituationen.
    Heutzutage fordern die Zuwendungsgeber Kooperation – wir fordern im Gegenzug, dass Schule und außerschulische Lernorte mit den dafür notwendigen Ressourcen ausgestattet werden und im Kontext von Qualitätssteigerung im Bildungsangebot die dafür nötige kultur- und bildungspolitische Positionierung von Seiten der Zuwendungsgeber.

Intermediäre Stadtteil & Kulturarbeit - Stadt(teil)entwicklung durch Kultur am Beispiel der altonale in Hamburg Altona

altonale – selbstorganisiertes und erfolgreiches Stadtteil-Event mit Folgen...

Die altonale ist...

  • ...seit 1999 ein selbst organisiertes Stadtteilkulturfest und Kulturprogramm, das 1998 vom Stadtteil&Kulturzentrum MOTTE initiiert wurde und 2006 zum achten Mal in Hamburg-Altona stattfindet.
  • Hamburg hat sieben Bezirke. Altona ist ein heterogener Bezirk mit 13 Stadtteilen und ca. 240.000 Einwohnern. Die Villen in den Elbvororten, z.B. Othmarschen, Nienstedten und Blankenese, die ehemaligen Handwerker- und Arbeiterviertel von Altona-Altstadt, Ottensen und Bahrenfeld spiegeln das soziale Spektrum des Bezirks.
  • Hauptveranstaltungsort der altonale ist das bezirkliche Kerngebiet mit seiner hohen Einwohnerdichte von ca. 100.000 Einwohnern am östlichen Rand Altonas und Nähe zur inneren Stadt.
  • Über zwei Wochen präsentieren sich zwei Stadtteile im Kerngebiet mit einem umfangreichen Programm, das Kunst, Literatur, Musik, Information, Beteiligungsaktionen und die Wirtschaft zusammen bringt. Das dreitägige Straßenfest von Freitag bis Sonntag ist Höhepunkt und Abschluss. Am Sonntag zieht die altonale spaßparade durch den Stadtteil, ein Karneval der Kulturen mit internationalem Charakter.
  • Die altonale spricht überwiegend ein Publikum an, das auf Festen mit Eventcharakter auf Inhalte und Kultur treffen möchte. Sie zeichnet sich durch ihre Vielfalt und offene Atmosphäre aus, in der unterschiedliche Kulturen und soziale Gruppen ihren Platz finden.
  • Jede gesellschaftliche Gruppe oder Einzelperson kann in der altonale aktiv werden. Gegenseitige Akzeptanz macht den offenen Dialog zwischen den unterschiedlichsten sozialen, politischen, kirchlichen und kulturellen Gruppen möglich und erweitert die Perspektiven für ein zukünftiges Miteinander.
  • Die Durchführung der Veranstaltung ist eine Herausforderung, neue Wege zur Finanzierung von kulturellen und sozialen Projekten zu beschreiten. Die Entwicklung von Nachhaltigkeit durch strukturelle Vernetzungen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Dazu werden Ressourcen und Strukturen zusammengeführt oder erschlossen. Die Impulse, die von diesem Netzwerk ausgehen, wirken in ihrer regionalen Tragweite und ermöglichen neue Projekte in der Stadtteilentwicklung. Der Modellcharakter der altonale reicht weit über die Region hinaus.
  • Die altonale wird von 18 Gesellschaftern, 12 Koordinatoren (z.T. Subveranstalter), diversen Arbeitsgruppen und einer Geschäftsführung ganzjährig organisiert. Alle Gesellschafter und Beteiligte übernehmen Teilaufgaben und binden ihrerseits Kooperationspartner oder Netzwerke ein.
  • Zur Attraktivitätssteigerung des Stadtteils setzen wir bei der Durchführung der altonale einerseits auf ein großes Maß an Eigenbeteiligung und andererseits wollen wir ein möglichst großes und breites Publikum erreichen. Darüber hinaus werden Menschen angeregt, sich zu beteiligen und eigene kreative Angebote beizusteuern. Auch dadurch entstehen neue Anbietergemeinschaften (z.B. Hinterhoffeste, Tage der Offenen Tür). Die altonale fördert die Vielfältigkeit und gegenseitige Akzeptanz im Stadtteil und entwickelt diese in einem lebendigen Dialog zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessengruppen weiter.
  • Es geht um das Aktivieren zum Mitmachen und Mitgestalten, das gemeinsame Feiern, eine komplexe Präsentation von lokaler Kunst und Kultur und das Aufzeigen und Einbeziehen kultureller, sozialer, bildungsbezogener und religiöser Infrastrukturen. Generell geht es um Regionsbezogenheit und Partizipation sowie Interaktion zwischen Akteuren und Publikum.
  • Parallel dazu sollen für die lokale Firmen- und Geschäftsszene, Geschäftsbelebung und Umsatzsteigerungen erreicht werden, durch die Anbindung im Stadtteil soll ein Zugewinn entstehen. Im Gegenzug spielen die kommerziellen Partner eine Rolle als Ko-Finanziers des Festivals, entweder als aktive Gesellschafter oder über andere Geschäftsverhältnisse.
  • In der altonale wird bewusst Kunst mit Aspekten kommerziellen Handelns zusammengeführt zum Zweck der Kulturfinanzierung und der Stadtentwicklung durch Kultur.
  • Ziel der altonale ist die Stärkung von Eigeninitiative und die Übernahme von Verantwortung in der Gemeinschaft. Tragfähige, dauerhaft wirkende Strukturen in der Region werden entwickelt und kreative Potenziale zur Gestaltung des eigenen Umfelds freigesetzt.
  • Das Gesamtangebot der altonale setzt sich aus unterschiedlichen Segmenten zusammen. Schwerpunkte sind: die kunst- und literatur altonale, ein Nationenschwerpunkt, Interkultur, die altonale gesund, altonale kulinarisch, altonale Infobörse (Vereine, Initiative und Organisationen präsentieren sich), die altonale spaßparade und das dreitägige Straßenfest mit großem Antik- und Flohmarkt, einem Mittelaltermarkt und dem altonale kunstmarkt sowie einem umfangreichen Musikprogramm auf 9 Open-Air-Bühnen.
  • Angebote z.B. im Bereich Sport und Bewegung sowie spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche gestalten die altonale familienfreundlich.
  • Inzwischen werden eine halbe Million Menschen aus Hamburg und Umgebung erreicht. Die altonale hat sich als Hamburger Großveranstaltung etabliert.
  • Die genutzte Fläche beläuft sich auf ca. 5.000 m² kommerziell und ca. 22.000 m² nichtkommerziell genutzte Fläche. Ca. 140 Vereine, Initiativen, Organisationen und über 120 Händler beteiligten sich am Straßenfest sowie ca. 130 anliegende Einzelhändler und Unternehmen. Die Koordination und Vermietung der kommerziellen Stände organisiert eine Agentur, die nichtkommerziellen Stände die altonale infobörse wird über das altonale Büro koordiniert.
  • Es gab 2005 ca. 390 angemeldete Standeinheiten auf dem Floh- und Antikmarkt.
  • 9 Musikbühnen boten mit ca. 252 Auftritten ein profiliertes Musikprogramm und Auftrittsmöglichkeiten für KünstlerInnen unterschiedlichster Sparten und Genres. Koordinatoren stellen die jeweiligen Bühnenprogramme zusammen, jede Bühne hat ein eigenes Profil.
  • Die kunst altonale (135 Orte, 380 Künstler) und die literatur altonale (40 Orte, 72 Lesungen, 90 Künstler) präsentieren Kunst und Kultur an etablierten und ungewöhnlichen Orten. Offene Ateliers und kulturspartenübergreifende Veranstaltungen erweitern das 14-tägige Programm inhaltlich und schaffen neue Räume für Kultur. Neben Auftritten von Newcomern sind auch experimentierende neue Präsentationsformen an sonst eher kunstresistenten Orten wichtige Elemente der umfangreichen Kulturprogramme, die ebenfalls von jeweils einer Koordinatorin betreut werden.
  • An der altonale spaßparade wirkten 50 Gruppen mit (ca. 1000 Mitwirkende).
  • Gezählt wurden beim angemeldeten Bühnen- und sonstigen Kulturprogramm insgesamt 1574 Mitwirkende ohne Bühnenpersonal. Die altonale spaßparade wird vom Stadtteilzentrum Haus Drei, das in Altona Nord liegt, organisiert.
  • Ein Programmheft, das inzwischen auf 68 Seiten gewachsen ist, liegt vier Wochen vor dem Ereignis kostenlos im gesamten Stadtgebiet aus. Herausgegeben wird das altonale Programmheft von einem Hamburger Verlag, der auch Mitglied der altonale-GbR ist. Hier ist nicht nur das gesamte Programm der altonale zusammengefasst, es sind alle Beteiligten mit ihren Programmangeboten aufgeführt, inhaltliche Schwerpunkte und Themen werden in einem redaktionellen Teil vorgestellt. Die interessierten BesucherInnen können sich vorab aus dem vielfältigen Kulturangebot ihr individuelles Programm zusammen stellen oder entdecken beim Gang über das weitläufige Areal des Straßenfestes Neues.

Die Vielfalt und der Charme

Die altonale entspricht in ihrer Angebotszusammensetzung und Komplexität der Vielfalt der Interessen der in Altona lebenden Menschen. Dadurch kommt ein sehr gemischtes Publikum zusammen, das seinerseits die Großveranstaltung prägt und der Veranstaltung eine besondere Atmosphäre verleiht.
Charakteristisch für das Straßenfest ist die altonale Infobörse mit den Informationsständen von Vereinen, Initiativen, kirchlichen und sozialen Einrichtungen sowie durch die Angebote des örtlichen Gewerbes und individuellen Einzelhandels. Kommerz, Kultur und soziales Engagement tun sich bei der altonale zusammen. Die Begegnungen führen zu Dialogen, die wiederum zu neuen Partnerschaften und Netzwerkausbau ermuntern. Alles zusammen macht den regionalen Charme und das besondere Flair aus.

Ein Stadtteilkulturzentrum gibt den Impuls

Mit der Initiierung der altonale verfolgte die MOTTE mehrere Ziele. Die MOTTE agierte bereits als intermediäres Zentrum im Stadtteil. Partnerschaften und Kooperationen mit unterschiedlichsten Kultursparten, Institutionen, Initiativen und der bezirklichen Verwaltung machten es möglich, die vielfältigen gesellschaftlichen Gruppen in die MOTTE einzuladen und ein so groß angelegtes Projekt wie die altonale auf den Weg zu bringen.
Die Idee, dass Kultur und Kommerz ihre Ressourcen zusammen legen, um für den Stadtteil neue Kulturprojekte zu initiieren und neue Finanzierungsmöglichkeiten zu erproben, überzeugte und führte schnell zu Strukturen, die eine Umsetzung ermöglichten.
Intern setzten die neuen Aufgabenfelder in der MOTTE Entwicklungen in Gang, die weiter in Richtung Professionalisierung und Öffnung führten. Diese Prozesse stützten die interne Organisationsentwicklung und stärkten das Selbstbewusstsein.
Die Zielsetzung, aus gut funktionierenden Netzwerken nachhaltig wirkende Infrastrukturen zu schaffen, ist inzwischen auch gelungen. Aus der altonale heraus hat sich eine Initiative gegründet, die aktives Stadtteilmarketing betreibt. Fokus Altona gründet ein Informationsbüro für BewohnerInnen und BesucherInnen, will eine regionale (Parallel-) Währung, den alto, in Umlauf bringen und mit einem Forum die Kommunikation verbessern und den Zusammenhalt im Stadtteil stärken (Stadtmarketing).
Die altonale ist einzigartig und doch übertragbar, das haben inzwischen Beispiele gezeigt: die BilleVue im Hamburger Stadtteil Billstedt, mit ganz anderen Strukturen als Altona und ein Stadtteilfest in Mukojima, einem Stadtteil Tokios. Mukojima und Ottensen verbindet seit Jahren eine Stadtteilpartnerschaft, ein kontinuierlicher Austausch und gegenseitige Besuche.
Die beteiligten Akteure der altonale haben voneinander gelernt, Dialoge eröffnen sich, Arbeitsweisen verändern sich und daraus können sich neue Projektierungen entwickeln.

Regionale Besonderheiten - Warum die altonale im Kerngebiet Hamburg-Altonas entstehen konnte:

Diese Region ist, historisch gesehen, noch immer geprägt durch die Solidaritätskultur der Arbeiterbewegung, die sich seinerzeit in Reaktion auf die Industrialisierung und die mit ihr einhergehenden Lebens- und Wohnbedingungen bildete. Eine große Rolle in der Geschichte Altonas spielt der Zuzug von Migranten aber auch die neuzeitliche Bewegungskultur der 1970er und 1980er Jahre und - sehr typisch für den Stadtteil - ein breit gefächerter Individualeinzelhandel. Die hier lebenden Menschen weisen einen hohen Grad an Toleranz und Interesse aneinander auf. Die MOTTE liegt im Stadtteil Ottensen, hier entwickelte sich in 30 Jahren eine sehr lebendige und heterogene Szene, die eine vielfältige Infrastruktur geschaffen hat und eine breite Verankerung erreichen konnte. Eine günstige Situation für unser Agieren in der Stadtentwicklung.
Charakteristika der Ortsteilentwicklung sind eine weitgehend intakte gründerzeitliche Mietshaus- und Industriearchitektur, Fehlspekulationen großen Ausmaßes im Immobilienbereich der 1960er Jahre, die zu Leerstand führten, und schließlich die Impulskraft vieler Menschen, die sich Anfang der 1970er Jahre im gesellschaftlichen Aufbruch befanden und die brachliegenden Strukturen für ihre Zwecke umnutzten.
Folge ist eine hohe Kultur- und Initiativendichte, deren Anspruch vor allem die Partizipation und Mitgestaltung in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen ist. Die daraus entstandenen lokalen Netzwerke sind ein Zugewinn für den Bezirk. Die öffentliche Verwaltung wurde inzwischen zu einem verlässlichen Partner.
Seit etwa zehn Jahren schwächt sich dieser gesellschaftliche Impuls zwar sukzessive im Altonaer Kerngebiet und in Ottensen wieder ab. Aber die Auseinandersetzung mit regionalen und lokalen Bedürfnissen und Problemen und die verstärkte gegenseitige Bezugnahme existieren weiterhin dort, wo Menschen bereit sind, sich auf neue gesellschaftliche Bedingungen und auf die Verständigung von Gemeinsamkeiten einzulassen und willens sind, ihre Arbeit, ihr Handeln und ihre Wirkungsmöglichkeiten zu hinterfragen und weiter zu entwickeln. Solche Bereitwilligkeit findet sich in Altona/Ottensen erfreulich häufig. Es gibt eine Vielzahl von Schlüsselpersonen, die diesen Prozess mitgestalten und dabei zu neuen Bündnissen bereit sind.

Partnerschaften als Voraussetzung für den Wertetransfer

Die MOTTE ist bekannt als erfolgreiche Netzwerkerin. Die Erfahrung zahlreicher Kooperationen mit unterschiedlichsten Partnern zeigt: Orte der Hochkultur sind genauso wie die der Breitenkultur geprägt durch das Agieren ihrer Akteure. Ein Phänomen, das dabei häufig zu beobachten ist, ist die Nischenbildung. Das hat zum einen mit der Finanzierungsart durch "feste" Budgets aus Mitteln der öffentlichen Hand und der Verteidigung von Ressourcen zu tun. Zum anderen spielt die generelle Tendenz zur Abgrenzung eine Rolle. Diese Tendenz ist verständlich und wichtig für die eigene Selbstklärung. Sie beinhaltet aber auch die Gefahr der Abschottung und Stagnation. Eine Entwicklung, die zur Aufgabe der Kommunikation mit anderen Akteuren des kulturellen Umfeldes führen kann.
Gerade im Hinblick auf die Kulturfinanzierung braucht es jedoch aus allen Betrieben der Breitenkultur heraus Impulse für ein gemeinsames Bemühen um die gerechte Verteilung vorhandener Ressourcen. Diese Impulse gibt es längst bezüglich der Auseinandersetzung um staatliche Mittel. Und sie müssen unbedingt auch stärker dem freien Markt gegenüber entwickelt werden, da die private Kulturfinanzierung vom Eigeninteresse her zunächst vom Primat der Verwertbarkeit für das eigene Prestige und Image gesteuert ist. Rein kommerziell ausgerichtete Festivals und Events erscheinen aus dieser Perspektive gerade wegen der Verwertbarkeit für Image, PR und Marketing förderungswürdiger.
Angesichts solcher Interessenslagen haben große Teile der Breitenkultur kaum Chancen zum Überleben. Vor diesem Hintergrund ist es für Kulturbetriebe wichtig, sich mit dem gesellschaftlichen Wandel und dessen Auswirkungen auseinander zu setzen, um vor allem kulturpolitische Antworten zu finden und neue Strategien zu entwickeln. Es gibt bereits sinnvolle Ansätze, die solche Entwicklungen unterstützen. Einer davon ist z.B. die Kooperation zwischen den Hoch- und Breitenkulturbetrieben, denn gemeinsame Projekte unterstreichen den Willen zum Erhalt der Kulturlandschaft in ihrer ganzen Komplexität. Darüber hinaus bedarf es bezüglich der Kulturfinanzierung unbedingt gemeinsamer Kooperationen auch mit anderen gesellschaftlichen Gruppen bzw. Bereichen, wie z.B. dem Sozialen, der Bildung, den Kirchen und der Wirtschaft.
Auch aus anderen Gründen sollten sich Kulturbetriebe dem gesellschaftlichen Wandel stellen, z.B. wegen eigener festgefahrener Strukturen. Dafür ist Offenheit gegenüber Veränderungen erforderlich. Menschen verändern sich. Stadtteile verändern sich. Neue Zielgruppen werden über die Profilierung im Kulturbetrieb und das selbstbewusste Einbringen von Inhalten vor allem über Kooperationen erreicht. Das führt zu einem Wertetransfer. Der Kulturbetrieb wird zur lernenden Organisation. Interne Beteiligungsverfahren schärfen die subjektive Sichtweise für Organisationsentwicklungsprozesse und stärken das gemeinsame Handeln. Externe Kooperationen stärken die lokale Verankerung und sorgen u.a. für eine konstruktive Imagegestaltung. Der Kulturbetrieb erfährt so eine Attraktivitätssteigerung ohne seine Wurzeln verlassen zu müssen.
Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre hatte die Professionalisierung und Institutionalisierung der MOTTE zu einer gewissen Distanz zu den BesucherInnen und NutzerInnen geführt. Neue Menschen zogen in den Stadtteil, die die neuere Geschichte nicht kannten und insgesamt war das Interesse der BewohnerInnen an der Mitgestaltung des Stadtteils gesunken. In dieser Situation des Kommunikationsdefizites fiel die Initiierung der altonale - aus der Notwendigkeit, verstärkt die Kontakte und Dialoge im Stadtteil aufzunehmen und sich in der MOTTE für neue Aufgabenfelder zu öffnen. Die MOTTE hat in diesem Prozess der Auseinandersetzung wertvolle Erfahrungen sammeln können, die intern und extern dazu befähigen, Gestaltungsprozesse in der Stadtteilarbeit aktiv anzunehmen.

Möglichkeiten der Adaption des Modells altonale

Das bislang aus unserer Sicht geltende Alleinstellungsmerkmal der altonale mit seinen unterschiedlichen Faktoren, wird sich irgendwann einmal nur noch auf die einstigen Startvoraussetzungen beschränken - also auf die Bedingungen und Faktoren, die nötig waren und sind, eine neue, bis dato nicht existente, Institution in die Kulturlandschaft zu pflanzen. Wir zelebrieren nicht unsere Exklusivität, sondern ermuntern andere, diese Veranstaltungsform zu adaptieren.
Unser Konzept wurde nach einer Beratung durch die altonale GbR in einem völlig anders strukturierten Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte übernommen. Der Kulturpalast, ein Stadtteilzentrum in Billstedt veranstaltete 2002 und 2004 erfolgreich die BilleVue, die nächste ist für 2007 geplant. Auch im Stadtteil Mukojima in Tokio (Bezirk Sumida, Japan) gibt es seit 2000 eine Adaption der altonale. Außerdem ist absehbar, dass andere Veranstalter beginnen, spezielle Elemente der altonale in ihre eigenen Veranstaltungen aufzunehmen. Insgesamt ist zu beobachten, dass Menschen, Publikum und Veranstalter, damit beginnen, größere Qualitätsansprüche sowohl an die Inhalte, als auch an die Formen von Straßen- und Volksfesten zu formulieren und anzumelden. (Ergebnis einer Studie der Universität Hamburg).
Zwar gilt, durch die sehr spezifische Ausgestaltung des altonale Programms, immer noch das Alleinstellungsmerkmal für diese Veranstaltung im Vergleich und in Abgrenzung zu sonstigen bekannten Formen von Festivals und populären Groß-Events. Aber dieses wird und soll sich aus Sicht der altonale-Veranstalter ändern.

Das altonale Prinzip ist übertragbar

Grundlage dafür ist die These: Im Prinzip sind in jeder Region in jeder Gemeinschaft das erforderliche Know-how sowie die notwendigen Ressourcen vorhanden, um Gemeinschaftsveranstaltungen wie die altonale regionsspezifisch zu entwickeln, zu organisieren und durchzuführen. Es kommt lediglich darauf an, diese Potenziale zu aktivieren und zu bündeln. Schlüsselpersonen dafür kommen aus den Quartieren und übernehmen eine Katalysatorfunktion. Der Motor des Zusammenschlusses ist der Wille und die Bereitschaft zur Kommunikation, zur Gemeinsamkeit und zum Austausch, nicht aber der Faktor Geld.
Das notwendige Geld für die Festivalfinanzierung erschließt sich vielmehr aus direkten Geschäften, die aus der Initiativ-Gemeinschaft heraus dann getätigt werden: Das kann über den Verkauf von Standplätzen, Sponsoring, Mitgliedschaften, Zuwendungen, Spenden o.ä. in unterschiedlichen Mischungen der Finanzierungsarten statt finden, und dann direkt an den Hauptveranstalter, einen Ko-Veranstalter oder an jeweils einzelne Unterveranstalter fließen, die für einzelne Veranstaltungssegmente zuständig sind.
Zusätzlich wird seit 2005 der altonale kultur Pin verkauft. Darüber sowie über die Mitgliedschaft in einem altonale Freundeskreis besteht die Möglichkeit, sich mit dem Kulturprogramm verbunden zu zeigen, denn die darüber einfließenden Mittel finden ausschließlich hierfür Verwendung. Dieser Finanzierungsmix stellt sicher, dass sich die Veranstaltungsgemeinschaft nicht von einzelnen Geldgebern und deren Gestaltungsinteressen abhängig macht.
Sind diese Schritte gelungen, ergeben sich aus dem nun verbreiterten gemeinsamen Handeln Synergien, die sich mit der Kontinuität der Prozess- bzw. Projektentwicklung dynamisieren. Dieser Prozess wiederum hat zur Folge, dass die jeweiligen Stärken der Akteure sich herauskristallisieren und im Zuge der fortschreitenden Gemeinschaftsbildung zum relevanten Bestandteil, zu einer "tragenden Säule" des Ganzen, werden. Wenn das in dieser Form glückt, entsteht ein effektiver Ressourcentransfer, der sogar außerhalb des Projekts oder der Veranstaltung wirkt. Grundlage dafür ist das Vertrauen, das aus dem gemeinsamen Handeln entsteht.

Gemeinsamkeiten und Ressourcentransfer

Die Interessen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen sind nicht notwendig nur konträr. Häufig berühren oder überschneiden sie sich auch. Diese Schnittstellen gilt es heraus zu arbeiten und für gemeinschaftliche Entwicklungen und Ziele zu bündeln und zu nutzen. Die solchermaßen gemeinsam getragene Idee, bzw. das daraus resultierende mögliche Vorhaben muss vermittelt werden. Je umfangreicher die für einen solchen Prozess vorhandene Vermittlungsressource über Schlüsselpersonen ist, um so komplexer kann nach außen agiert werden. Der Erfolg der Akquisition weiterer Kooperationspartner hängt sehr vom Gelingen der Kommunikation mit potenziellen Akteuren und Multiplikatoren ab. Man muss wissen wie und wo man sie erreicht, wo man sie "abholen" kann.
Bei der altonale ist dies sehr gut zu beobachten. Die Veranstaltung wird das volle Jahr hindurch organisiert, in den ersten fünf Jahre überwiegend ehrenamtlich. In diesem Zeitraum lag die Geschäftsführung und Buchhaltung sowie die gesamte Koordination in der MOTTE, auch die Personalressourcen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wurden von uns eingebracht.
Mittlerweile wurde der altonale von einer Schule Büroraum zur Verfügung gestellt, Geschäftsführung und eine Bürokraft erhalten Honorare. Mit diesen von der altonale GbR geschaffenen zwei Teilzeitarbeitsplätzen und befristeten Honorarstellen, einem nach wie vor hohem Anteil an Ehrenamtlichen, dem Einsatz von Fremdpersonal im Kontext von Subveranstaltungen wie z.B. dem Flohmarkt und der Personalressource über Schlüsselpersonen, die für die Beteiligung an Arbeitsgruppen oder bestimmte Arbeitsaufträge für die altonale über ihre eigentlichen Anstellungsverhältnisse bezahlt werden, ist die altonale auch in diesem Punkt vielfältig aufgestellt.
Die Struktur der Arbeitsgruppen wird durch Schlüsselpersonen geschaffen, die zum Teil auch als Vertreter der Gesellschafter aktiv sind. Die Arbeitsgruppen garantieren den Organisationszusammenhang der altonale, der Geschäftsführer die Koordination. Die Verbindlichkeit, mit der die Arbeit in den AGs wahrgenommen wird, entscheidet über das Gelingen und die Qualität des gemeinsamen Anliegens.

Wertetransfer

Die Verantwortung tragende altonale Gemeinschaft ist in ihrer rechtlichen Form eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Sie umfasst Gemeinnützige Organisationen, Freie Träger, Unternehmen und das örtliche Bezirksamt. Die kommerziellen Gesellschafter übernehmen das finanzielle Risiko allein und garantieren so die Solidargemeinschaft. Diese ist im Idealfall bei gleichem Stimmrecht zu je 50% mit kommerziellen und nichtkommerziellen Gesellschaftern zusammen gesetzt. Z.Zt. überwiegen die nichtkommerziellen Gesellschafter leicht.
Die Mitwirkenden lernten einander in der Zwischenzeit gut kennen. Über die gemeinsame praktische Erfahrung entstand in Hamburg-Altona gegenseitiges Vertrauen, ein Sich Aufeinander Einlassen und Wertschätzung. Die Öffentliche Verwaltung, Vereine, Zuwendungsempfänger und Unternehmen tauschen seit dem Beginn der altonale Gemeinschaft Ideen, Inhalte und Positionen aus und entwickeln beständig neue Vorhaben, bei denen unmittelbar von einander gelernt wird.
So partizipieren z.B. Institutionen, die Zuwendungsempfänger sind, im Kontext der Erschließung neuer Finanzierungsquellen nicht nur unmittelbar und direkt am Know How und den Ressourcen der altonale, sondern darüber hinaus am Austausch mit Vertretern der Wirtschaft. Unternehmensvertreter partizipieren indirekt an der gemeinsamen Mitgestaltung weicher Standortfaktoren, an der Bürgernähe und sie profitieren darüber hinaus durch Kundenbindung und Schaffung lokalen Kapitals.
In Bezug auf die Kulturförderung konnte in Richtung Behörden, Medien und Öffentlichkeit vermittelt werden, dass es lohnenswert ist, die kulturelle Vielfalt und Selbstbestimmung zu achten, zu wahren und zu befördern. Themenorientiertes Agieren findet vermehrt statt, aber immer vor dem Hintergrund der Freiwilligkeit. Im Bereich des Sozialen hat sich ein Klima entwickelt, das es ermöglicht, bereits im Vorfeld akuter Problemlagen gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, um Eskalationen zwischen gesellschaftlichen Gruppen zu verhindern. Insofern funktioniert die altonale Gemeinschaft wie ein runder Tisch, mit der deutlichen Tendenz, darüber hinaus zu wachsen:
Längst gibt es gegenseitige Zuschreibungen dafür, wie in den vergangenen acht Jahren des Prozesses von einander gelernt wurde bzw. welche Veränderungen des eigenen Handelns, Wirtschaftens und des Umgehens mit einander statt gefunden haben. Sehr motivierend dabei ist die Tatsache, dass gerade der Aspekt der sich entwickelnden Nähe zwischen den Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen und das konkrete Erleben im gemeinsamen Handeln Grund dafür zu sein scheint, sich immer wieder neu und auch beständig zu engagieren. Kontinuität entsteht und führt zu wachsendem Selbstbewusstsein. Das konkrete Eigeninteresse ist das entscheidende Bindeglied. Das Wahren der unterschiedlichen eigenen Interessen hat innerhalb der altonale Gemeinschaft aus den bereits beschriebenen Abgrenzungen und Nischen heraus geführt. Das Eigeninteresse und das geschärfte eigene Profil wird, eingebunden in ein gemeinsames Projekt, Motor für Vielfalt und Authentizität.
Die MOTTE ist wesentliche Impulsgeberin der altonale gewesen und prägt heute neben anderen Gesellschaftern die Ausgestaltung der altonale aktiv mit. Neue Betätigungsfelder und Aufgabenbereiche konnten aufgezeigt und erfolgreich besetzt werden. Andere Beteiligte wiederum entdeckten neue, produktive Gemeinsamkeiten mit der Stadtteilkultur und öffneten sich entsprechend für Kooperationen. Der Wertetransfer führt zu Identitätsbildung. Die Identifizierung mit dem Lebens- und Arbeitsumfeld steigt.

Der altonale Zusammenhang entwickelt sich weiter

Der bislang in Hamburg-Altona schwach organisierte Einzelhandel formiert sich inzwischen in den beiden Stadtteilen, in denen die altonale schwerpunktmäßig statt findet, u.a. zum Zwecke der regionalen Mitgestaltung, z.B. in Interessengemeinschaften. Es entstehen spezifische Impulse zur Entwicklung eines Quartiers- und Stadtteilmanagements. Dagegen gibt es trotz der traditionellen Organisierung des Handwerks kaum vergleichbare Tendenzen neuer Strukturbildung. Die Wirtschaft in Altona ist insgesamt gesehen nicht in der Form organisiert, dass es verantwortliche, koordinierende Ansprechpartner gibt. Das zeigt sich als Manko im Bezug auf die Stärkung lokalen Handelns. Und macht es schwierig, eine Einbindung in die komplexen Arbeitszusammenhänge der altonale zu bewerkstelligen. In Politik und öffentlichen Verwaltung ist zwar in gewisser Weise eine in unserem Sinne statt findende Impulsgebung vorhanden, aber auch dort beschränkt es sich auf wenige Schlüsselpersonen und denen sind oft durch die eigenen Strukturen die Hände gebunden. Hier ist Initiative gefordert!
Es hat sich gezeigt, dass trotz der um die altonale herum neu geschaffenen, umfangreichen Arbeitszusammenhänge die Belastung durch die Veranstaltungsdurchführung zu groß ist, um aus der altonale heraus zeitgleich weitere Bündnisse zur Beeinflussung der lokalen und regionalen sozialen und kulturellen Entwicklungen aufzubauen. Entsprechende Impulse aus dem altonale Zusammenhang heraus wirken in diese Richtung.
Die Beteiligten der altonale entwickeln zur Stärkung der örtlichen sozialen Gemeinschaft tragfähige lokale Strukturen mit. Folgt man darüber hinaus der Logik globalisierten Wirtschaftens, so braucht es auch diesbezüglich eine umfangreiche Stärkung in den Regionen. An dieser Stelle wird eine wichtige Schnittstelle deutlich, über die sich Perspektiven aufzeigen lassen. Die altonale ist ein Instrument für eine solche Stärkung, hat aber nicht die Aufgabe und nicht die Kapazitäten, zum alleinigen Motor der lokalen Organisierung zu werden. Deshalb arbeitet seit 2004 ein Initiativenkreis daran, eine solche Überbauorganisation zu schaffen. Es geht dabei um die Sensibilisierung für mehr Kooperation und Interessensbündelung. Dabei geht es jedoch nicht um den Aufbau zentraler Organisationen wie Dachverbände alten Stils. Eines der nächsten Ziele könnte z.B. sein, ein nicht ausschließlich an den Interessen der Wirtschaft orientiertes Citymanagement zu installieren. Die Aufgaben sollten sogar deutlich über ein reduziertes Eigeninteresse der Wirtschaft hinaus gehen. Die bisherigen praktischen Erfahrungen vor Ort bestätigen dies.


Fokus Altona - Netzwerk für Altona

Fokus Altona – versteht sich als Initiative und Agentur für Altona-Marketing, Stadt- und Stadtteilentwicklung. Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung sollen initiiert und vermarktet werden.
Die Ziele sind: 

  • Entwicklung der Marke Altona als eigenständiges Label in Hamburg: Altona der lebendige Kulturstadtteil
  • Stadtteilmarketing und Öffentlichkeitsarbeit
  • Ausrichtung der Interessensverbände der Gewerbetreibenden und der Kultur- und Sozialeinrichtungen auf gemeinsam entwickelte Ziele
  • Altonaer Info- und Touristikbörse - Zusammenführung aller Information über Altona zum Nutzen von Bewohnern und Touristen
  • Einführung des "Alto", einer regionalen Wärung
  • Aufbau und Gewährleistung einer Kommunikationsinfrastruktur über die die gemeinsamen Ziele innerhalb und außerhalb Altonas kommuniziert werden
  • Event und Veranstaltungsmanagement
  • Zusammenleben unterschiedlicher Nationalitäten sichern und weiter entwickeln

Ein Stadtteil ist dann gut zu vermarkten, wenn er dynamisch und beweglich ist, also etwas zu bieten hat. Attraktiv in der heutigen Zeit sind aber nicht nur erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklungen, sondern angesichts globaler Herausforderungen auch zukunftsweisende soziale und kulturelle Entwicklungsmodelle. Fokus Altona nutzt die bestehende attraktive soziale und kulturelle Regionalentwicklung z.B. die altonale als Anknüpfungspunkt für die Stadtteilvermarktung. (*aus der Konzeptskizze von Fokus Altona)
Fokus Altona startete im März 2005 und hat zur Zeit vier Arbeitsgruppen. Hier soll vor allem versucht werden, themenzentriert und dienstleistungsorientiert zu arbeiten. Ob dieses ehrgeizige Anliegen über einzelne Projektziele umgesetzt werden kann, bleibt abzuwarten. Erste Reaktionen aus Politik und öffentlicher Verwaltung lassen jedoch bereits erkennen, dass der Initiatorenkreis mit seinem Anliegen richtig liegt. Die Einrichtung der Info- und Touristikbörse ist bereits auf den Weg gebracht. Zwei Unternehmen haben zentral liegende Räume im Bahnhof Altona angemietet und bieten dem Fokus Altona an, gemeinsam unter einem Dach die Arbeit aufzunehmen.
Aus dem altonale-Gesellschafterkreis gibt es die Initiative, ein Magazin für Altona heraus zu geben, das bereits 2006 vierteljährlich erscheinen soll.

Kulturpolitik im Bezirk und in der Stadt – Perspektiven für regionale Kulturprojekte

Die aktuelle Hamburger Kulturpolitik ist geprägt von so genannten "Leuchtturm" Projekten des Senats, kostenintensive Prestigeprojekte, die die bewährte Kulturförderung untergraben. Die Konzentration von Zuwendungen auf ausgewiesene Gebiete der aktuellen Standortpolitik droht, die Vielfalt der Kulturlandschaft zu gefährden. Denn die Akzente der derzeitigen Regierungspolitik in Hamburg führen zu Umverteilungen, die zu Lasten derer gehen, die nicht im Fokus der Finanz- und Marketingpolitik stehen und deswegen auch leider nicht medienwirksam unterstützt werden. Insbesondere betroffen ist vor allem auch der breitenkulturelle Bereich mit seiner gewachsenen kulturellen Vielfalt in den Stadtteilen.
In der Hamburger Stadtteilkultur und anderen breitenkulturellen Szenen gibt es daher Versuche, und darüber hinaus bereits Entwicklungslinien, die u.a. auf die veränderten Förderstrategien der Stadt oder deren Androhung reagieren. Neben der direkten kulturpolitischen Auseinandersetzung geht es dabei auch um die Erschließung neuer Finanzierungsquellen, um mit deren Hilfe sowohl die eigene Existenz langfristig sichern, als auch gemeinsam weiterhin Impulse für kulturelle und kulturpolitische Entwicklungen geben zu können.
Die altonale und Fokus Altona stellen sich dieser Entwicklung und versuchen mit ihren Modellen und Praktiken Perspektiven zu eröffnen. Das Ausprobieren neuer kultureller Formate wie die altonale und die dadurch initiierte praktische Erfahrung im Zusammenspiel von Kunst und Kultur mit der Festival- und Eventkultur wird die Diskussion herausfordern und der Kulturpolitik einen, hoffentlich nachhaltigen, Denkanstoß vermitteln.
Die MOTTE hat im Bezirk Altona und in Hamburg eine bedeutungsvollere Rolle als Vermittler und Ideengeber bekommen. Dadurch werden auch alle Arbeitsbereiche stärker nachgefragt. Durch die aktive Gestaltung des Entwicklungsprozesses ist der MOTTE im Rahmen ihrer stadtteilkulturellen Arbeit das Aufbrechen von Blockaden und verknöcherten Strukturen gelungen. Neue Aufgabenbereiche und neue Finanzierungsquellen konnten erschlossen werden. Es entstehen so Möglichkeiten, sich der Entwicklung im Umfeld auch unter veränderten Gesichtspunkten, z.B. denen des gesellschaftlichen Wandels, zu stellen und die originäre Arbeit weiter zu entwickeln. Diese dynamischen Entwicklungen sind auch dadurch gekennzeichnet, dass sich im Rahmen stadtteilrelevanter Fragestellungen verstärkt stadtteilkulturelle Werte durchsetzen und die Protagonisten dieser neuen Entwicklung zu gemeinsamen Fürsprechern stadtteilkulturellen Handelns werden.


Anhang

Termine:

  • altonale8: 2.6.2006-18.6.2006 (Polen ist Partnerland 2006)
  • altonale straßenfest: 16.6.-18.6.06
  • altonale spaßparade: 18.6.06
  • 16.6.-18.6.06 Jubiläumsfeier und Fachtagung von MOTTE (30 Jahre), FABRIK (35 Jahre) und Kulturpolitische Gesellschaft (30 Jahre). In den Foren und Arbeitsgruppen zur Fachtagung stehen die Themen Stadtentwicklung durch Kultur und Kommunikation im Vordergrund.

Weitere Informationen im Internet:

Veröffentlichungen:

  • Neue Dialoge, vsa-verlag 2001
  • Netzwerke für die Informationsgesellschaft, Schriften zur Medienpädagogik 36 GMK 2005.