| Stadtteil-Informationssystem - Stadtteilbezogene Bürgerinformation und Vernetzung im Internet |
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| Wolfgang Prauser | ||
| (16. 10. 2000) | ||
Inhalt
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Entstehung des ProjektgedankensMehrere Entwicklungen haben im Frühjahr 1996 dazu geführt, daß erste Grundgedanken für ein Modellprojekt "Stadtteilinformationssystem im Internet" am Beispiel des hannoverschen Stadtbezirkes Döhren-Wülfel konkretisiert wurden:
Konzeptionelle VorüberlegungenWann hat die Stadtbücherei geöffnet? Über welche Themen diskutiert der Stadtbezirksrat? Wo liegen im Stadtbezirk die Kindertagesstätten? Wer berät mich bei Problemen im Erziehungsbereich? Wie lautet die Telefonnummer der Sperrmüllabfuhr? Welche Apotheke hat wann Notdienst? Häufig sind es die kleinen praktischen Fragen aus dem direkten Wohnumfeld, die wichtig sind für das Wohlbefinden der BürgerInnen - und deren Antworten oftmals nur sehr umständlich zu finden sind. Demgegenüber orientieren sich die meisten Bürgerinformationssysteme an gesamten Stadtgebieten und sind aufgrund der großen organisatorischen Distanz zum direkten Wohnumfeld nicht in der Lage, im ausreichenden Maße quartiersbezogene Informationen von der Bürgerinitiative bis zum Karnevalsverein, von der örtlichen Mutter-Kind-Gruppe bis zum Straßenfest zu sammeln und dann auch noch übersichtlich zu präsentieren.Gerade auf Stadtteilebene bieten sich jedoch Chancen der Einbeziehung breiterer Bevölkerungskreise insbesondere durch die Einbindung stadtteilorientiert tätiger Einrichtungen (Jugendzentren, Freizeitheime, Kindertagesstätten, Büchereien usw.). Auf Stadtteilebene könnten sich Möglichkeiten eröffnen, über ein Online-Informationssystem Stadteilentwicklungen zu diskutieren, Hilfeleistungen zu vermitteln, Stadtteildaten, aber auch Adressen und Angebote lokaler Einrichtungen, Dienste, Vereine, Parteien und Verbände übersichtlich und auf dem jeweils aktuellen Stand anzubieten, möglicherweise sogar die Entwicklung und Betreuung des Informationsnetzes als Teil einer gemeinschaftlichen umfangreichen und permanent fortgeschriebenen Stadtteilanalyse für eine weitere Vernetzung der Angebote im Stadtteil und eine bedarfsgerechte Sozial- und Infrastrukturplanung nutzbar zu machen. Vorausetzung für das Erreichen größerer Nutzergruppen ist hierbei die Bereitstellung öffentlicher Internetzugänge: Ein Bürgerinformationssystem darf sich nicht nur an die jungen und gutausgebildeten Bewohner wenden, die nach entsprechenden Umfragen bisher den größten Teil der Internet-Surfer darstellen. Über öffentliche Terminals und niedrigschwellige Fortbildungsangebote muß ein Zugang auch für die Interessierten geschaffen werden, die sich privat einen Internet-PC nicht leisten können oder wollen. Dies schließt neben einem Zugang zum stadtteilbezogenen Bürgerinformationssystem selbstverständlich einen Zugang zum gesamten Medium Internet und der darin enthaltenen Daten (unter angemessener Berücksichtigung der Problematik jugendgefährdender Inhalte) im Sinne eines demokratischen Zugangs zu den neuen Medien ein. Wenngleich der Name "Stadtteilinformationssystem" eine Orientierung an einer kleineren Einheit suggeriert, wurde in Döhren-Wülfel die politische Einheit "Stadtbezirk" als Bezugsgröße gewählt: Hiermit ist ein noch überschaubarer räumlicher Bereich mit ca. 34.000 EinwohnerInnen benannt, der zusätzlich auch noch eine sinnvolle Verknüpfung der Informationen über Infrastruktureinrichtungen mit denen zur aktuellen Stadtplanung und politischen Entscheidungsebenen (Stadtbezirksrat) zuläßt. Realisierung des Pilotprojektes Döhren-WülfelBildung des "Arbeitskreises Stadtteilinformationssystem"
Ab Oktober traf sich jedoch eine Arbeitsgruppe aus ca. 10 städtischen und nichtstädtischen MitarbeiterInnen verschiedenster Dienste und Einrichtungen, um zunächst das vorgelegte Gesamtkonzept und eine Strukturierung der erwarteten Daten zu diskutieren. Im Januar 97 legte die beteiligte Grafikerin Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst , die auch das Lay-Out für das Veranstaltungsblatt "Kulturkalender Döhren-Wülfel-Mittelfeld" entworfen hatte, einen ersten Entwurf für die optische Gestaltung des Stadtteilinformationssystems vor, in einer hektischen Aktion wurden die ersten Teile des Projektes rechtzeitig zur Computermesse "CeBIT" im März 97 aufbereitet und in das Internet gestellt. Am 14.05.97 war dann der offizielle Start des Stadtteilinformationssystems . InformationssammlungDie Beteiligung der Einrichtungen, Vereine und Gruppierungen aus den betroffenen Stadtteilen verlief anfangs sehr schleppend. Grund hierfür waren vor allem Vorbehalte gegenüber dem damals noch neuen Medium "Internet", sowie Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Gesamtprojektes. Durch beharrliche Werbung konnte jedoch die Zahl der "HTML-Seiten" (d.h. die Zahl der aufrufbaren Internet-Text-Dateien innerhalb des Stadtteilinfos) langsam aber sicher auf mehr als 150 gesteigert werden, sowie 35 Links zu stadtteilrelevanten wie auch stadtweiten Informationen auf anderen "Servern" und zu "Suchmaschinen" für überregionale Recherchen. Dadurch werden mehr als 80 Einrichtungen, Dienste und Gruppierungen aus dem Stadtbezirk präsentiert, weitere fast 50 Informationsseiten bieten Texte zur Stadtteilgeschichte, Statistiken, den Veranstaltungskalender, Bebauungspläne, sowie Adressenlisten! Übertragung des Modells auf weitere Stadtteile
Stadtweite PerspektiveBereits 1998 formulierte die Stadtverwaltung Hannover, dass sie das System der Stadtteil - Infos als eine wichtige und sinnvolle stadtteilbezogene Ergänzung des stadtweit angelegten Bürgerinformationsangebotes "Hannover-Online" ansehe. Das von der Stadt Hannover damals in Auftrag gegebene Gutachten "Anwendung neuer Informations- und Kommunikationstechniken zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Landeshauptstadt Hannover" (Prof. Dr. H. Kubicek, Universität Bremen, März 1998) urteilte über das "Stadtteilinformationssystem Döhren-Wülfel" im Rahmen einer Bestandsaufnahme der verschiedenen derzeit bestehenden hannoverschen Bürgerinformationssysteme: In diesen Wochen nun soll ein Vertrag zwischen der Stadt und dem inzwischen als Verein konstituierten "NaNaNet e.V." unterzeichnet werden, der eine Förderung des Vereins mit der Zielsetzung vorsieht, dass NaNaNet jedes Jahr mindestens einen weiteren Stadtbezirk ins Netz bringt. Mit dieser Förderung soll sowohl die Wartung des Servers, als auch Fortbildungen und Moderationen für örtliche Initiativen, aber auch Tagungen zu Bürgerinformationssystemen und Fragen der Internetnutzung finanziert werden. Eine "Blanko-Version" eines Stadtteilinformationssystems soll erstellt werden, die bereits alle Navigationsseten und grafischen Elemente enthält und "nur noch" mit konkreten Stadtteildaten gefüllt werden muss. Angesichts des mittlerweile deutlich gestiegenen Interesses auch der anderen Stadtteile ist damit zu rechnen, dass mehr als ein Infosystem pro Jahr realisiert werden kann. Ziel muss es dann sein, über eine möglichst komplette Stadtkarte das Stöbern nach Informationen auch in den Nachbarstadtteilen zu ermöglichen, aber auch durch eine intensive Verknüpfung des zentralen "Hannover-Online" mit den verschiedenen dezentralen Systemen ein sehr nutzerfreundliches Gesamtsystem der Bürgerinformation zu erhalten. Bürgerbeteiligung & Öffentliche Zugänglichkeit der InformationenÖffentliche TerminalsWelchen Nutzen hat ein Bürgerinformationssystem im Netz, wenn nur ein vergleichsweise kleiner (wenn auch rapide wachsender) Teil der Bevölkerung die Möglichkeit hat, diese Informationen abzurufen bzw. zu nutzen? Welchen Wert hat eine weltweite multimediale Zukunft, wenn sie nur einem Teil der Gesellschaft offensteht und bestehende soziale Barrieren noch verstärkt werden? Das Konzept des Stadtteilinformationssystems Döhren-Wülfel war im Sinne eines demokratischen Zugangs zu den neuen Medien von vornherein verknüpft mit dem Wunsch nach öffentlichen Internet-Terminals im Stadtbezirk. Dabei sollte das Stadtteilinformationssystem als Startseite installiert und damit immer automatisch als Einstiegsseite aufgerufen werden. Öffentliche PCs mit Internet-Zugang bedeuten aber noch keinen faktischen Zugang breiter Bevölkerungskreise zum Internet: Emotionale Barrieren und fehlendes Know-How im Umgang mit dem technischen Gerät bedeuten zusätzliche Probleme. Dreistündige Internet-Crashkurse sollten im Umgang mit der Technik, dem Internet und der Nutzung von "Suchmaschinen" vertraut machen. Ein zunächst favorisierter Weg, die "Hardware" (Computer und Drucker) über Sponsoring zu finanzieren und den Betrieb durch die Stadt Hannover sicherzustellen, scheiterte sowohl an der mangelnden Spendenbereitschaft der angesprochenen Unternehmen als auch an grundsätzlichen Bedenken von Teilen der Stadtverwaltung.
Ein zweiter Versuch wurde unternommen mit dem Kauf eines einfachen, aber technisch ausgereiften Systems "MediaCase Surfplatz" der Firma Heddier, das für ca. 6.000,- DM den PC mit Monitor, einen Arbeitstisch, einen Münzautomaten und Software für Absturzsicherung und Schutz vor jugendgefährdenden Inhalten bietet. Die Kosten für die Internutzung der BürgerInnen kann dabei nach Belieben selbst festgelegt werden; wir hoffen, mit einem Preis von 5,- DM/Stunde mittelfristig auch die Neuanschaffung der Hardware finanzieren zu können. Angesichts der mittlerweile rapide gesunkenen Internetgebühren und der geringen Hardware-Anforderungen an einen PC für Internetnutzungen versuchen wir derzeit an einem anderen Standort, einen älteren gespendeten Rechner aufzustellen, nur mit der entsprechenden Heddier-Software gegen Systemabstürze und jegendgefährdende Inhalte (zusammen ca. 500,- DM) auszustatten und dann das Surfen fast kostenfrei zuzulassen. Weitere Chancen ergeben sich zukünftig sicher in Verbindung mit dem Programm der Bundesregierung "Bibliotheken ans Netz", mit dem bundesweit öffentliche Internetzugänge eingerichtet werden sollen. Diese Initiative hätte darüberhinaus den Vorteil, dass sie deutlich über die reine Internetnutzung hinausgeht und generell den breiten Zugang zu EDV-Erfahrungen (Office-Anwendungen, Multimedia) ermöglichen soll. Öffentlichkeitsarbeit und Abfrage der DatenDurch Zeitungsartikel, DIN A3 Plakataushänge z.B. in Einrichtungen oder bei Ärzten, sowie regelmäßige Hinweise in den gedruckten Veranstaltungsblättern wurden die StadtteilbewohnerInnen über die Existenz des Projektes informiert. Die Abrufzahlen pro Stadtteilinformationssystem können derzeit mit etwa 350 pro Monat angegeben werden. Zur genaueren Analyse des Interesses der NutzerInnen an verschiedenen Rubriken des Stadtteilinfos Döhren-Wülfel wurde zeitweise auch eine Gegenüberstellung der Aufrufe der einzelnen Rubriken vorgenommen. Dabei ergab sich folgende Verteilung:
BürgerbeteiligungFür erste Versuche, das Stadtteilinformationssystem auch für eine stärkere Planungsbeteiligung der BürgerInnen zu öffnen, haben wir seit dem 05. September 97 zwei Möglichkeiten für Rückmeldungen der NutzerInnen in das Stadtteilinformationssystem eingebaut:
Von beiden "Dialogmöglichkeiten" wurde leider nur sehr wenig Gebrauch gemacht; ein Zeichen dafür, daß diese Form der "Bürgerbeteiligung" noch sehr viel Werbung benötigt. Sonstige stadtteilbezogene BürgerinformationsprojekteBeim Stöbern im Internet sind wir auf mehrere Initiativen gestoßen, die aus unterschiedlichsten Motiven heraus ebenfalls versuchen, ein stadtteilbezogenes Informationssystem zu entwickeln - schauen Sie doch mal rein: |
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