| Methodenpräsentation: Bürgergutachten |
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| Dieter Frauenholz | ||||
| (15. 09. 2005) | ||||
Kontakt:Dipl.-Ing. Dieter Frauenholz, KoRiS - Kommunikative Stadt- und Regionalentwicklung, Vahrenwalder Str. 7, 30165 Hannover, Tel.: 0511/9357-150, Fax: 0511/9357-152, Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , Internet: http://www.koris-hannover.de/ Das Verfahrensmodell Bürgergutachten, auch als "Planungszelle" bezeichnet, entwickelte der Wuppertaler Professor Peter C. Dienel 1). Dem Modell liegt der Gedanke zu Grunde, dass Bürgerinnen und Bürger in die Rolle von sachkundigen Beraterinnen und Beratern versetzt werden und ihre Meinung konstruktiv in politische Entscheidungsprozesse einbringen können. Sie werden über ein konkretes Problem umfassend informiert und sprechen auf dieser Grundlage Empfehlungen aus. Zentrale Merkmale der Methode sind:
Zufallsauswahl der Teilnehmerinnen und TeilnehmerDie Bürgergutachterinnen und -gutachter werden in einem Zufallsverfahren ausgewählt. Jede Person ab 16 Jahren, die im festgelegten Einzugsbereich wohnt, hat somit die gleiche Chance zu einer Bürgergruppe eingeladen zu werden. Dies gilt auch für ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Die Zufallsauswahl erfolgt durch Ziehung einer Stichprobe aus der Einwohnermeldedatei. Die Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer spiegelt somit repräsentativ die Zusammensetzung der Bevölkerung wider. Freistellung und Vergütung der TeilnahmeDamit jeder der ausgewählten Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit zur Teilnahme hat, werden die Bürgergutachterinnen und -gutachter für die Bürgergruppe von ihren arbeitsalltäglichen Verpflichtungen freigestellt. GruppenprozessIn den Bürgergruppen wird zu einem großen Teil in Kleingruppen gearbeitet, um das Gespräch zu erleichtern und intensive Diskussionen zu ermöglichen. Gerade Personen, die es nicht gewohnt sind, vor einem größeren Kreis von Menschen zu sprechen, fühlen sich durch die Kleingruppen weniger gehemmt. Die Zusammensetzung der Kleingruppen wird für jede Gruppenarbeit ständig gewechselt, damit möglichst viele Begegnungen stattfinden und sich keine Meinungsführer herausbilden. Sowohl die Aussagen des Plenums als auch der Kleingruppen sind so Ergebnisse von Gruppenprozessen. Prozessbegleitung und Unterstützung durch FachleuteDie Bürgergruppen werden durch eine Prozessbegleitung und durch Fachleute unterstützt. Die Prozessbegleitung umfasst die Tagungsleitung und Moderation sowie die gesamte Organisation vor und während der Bürgergruppen. Während der Durchführung der Bürgergruppen werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von einem Zweierteam, das sich bei der Moderation der einzelnen Arbeitsphasen abwechselt, durch das Programm geleitet. Für organisatorische Abläufe und die Dokumentation wird die Moderation durch eine Assistenz unterstützt. Die Fachleute geben Grundinformationen, die für die Beurteilung des Themas notwendig sind. Weder die Prozessleitung noch die Fachleute nehmen Einfluss in den Diskussionen und bei den Bewertungsprozessen. Vorgegebene Problemstellung und ProgrammstrukturBürgergruppen arbeiten an einer vorgegebenen Fragestellung. Die Fragestellung muss so festgelegt werden, dass sie in der verfügbaren Zeit bearbeitet werden kann. Dokumentation der ErgebnisseDie Ergebnisse der Bürgergruppen werden in einem Bürgergutachten zusammengefasst. Das Bürgergutachten wird den politischen Entscheidungsinstanzen als Entscheidungshilfe zur Verfügung gestellt. Die Auswertung und schriftliche Zusammenfassung der erhobenen Daten erfolgt ebenso wie die Konzeption und praktische Durchführung der Bürgergruppen durch eine unabhängige Auftragnehmerin bzw. einen Auftragnehmer.
Fußnoten:1) Dienel, 2002: Die Planungszelle. Der Bürger als Chance, 5. Auflage, Westdeutscher Verlag. |