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Gemeinsam Probleme erörtern und Lösungen entwickeln

Geschrieben von Ariane Bischoff, Klaus Selle und Heidi Sinning am .

Methoden und Techniken zur Gestaltung von Arbeitsprozessen in Gruppen

Der folgende Text wurde mit freundlicher Genehmigung von Klaus Selle dem Buch "Informieren Beteiligen Kooperieren" (Ariane Bischoff, Klaus Selle, Heidi Sinning), Dortmunder Vertrieb für Bau- und Planungsliteratur, Dortmund 1996, S. 87-144) entnommen. Dieses grundlegende Buch erschien 2005 in einer » völlig überarbeiteten 4. Auflage!


Inhalt


1.  Einleitung

Dieser Teil der Dokumentation ist der Gestaltung von Arbeitsprozessen gewidmet. Er ergänzt die Darstellung der Beteiligungsformen und -verfahren: Dort werden in den meisten Fällen nur die Grundformen beschrieben, während es hier um die Arbeit im Detail geht. Nehmen wir die "Arbeitsgruppe", den "Arbeitskreis" als Beispiel: in der Darstellung der Beteiligungsformen werden die verschiedenen Formen und Anwendungsbereiche erläutert, der Stellenwert für die Beteiligung eingeschätzt und auch Hinweise zur Durchführung - etwa den Einsatz von Fachleuten betreffend - gegeben. Aber wie lernen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gruppe kennen, wie erschließen sie sich die z.T. komplizierten Inhalte, wie gehen sie mit Blockaden und Konflikten innerhalb der Gruppe um? Antworten auf solche (und zahlreiche andere) Fragen werden im folgenden Teil gegeben. Wie also werden die Arbeitsprozesse in verschiedenen Beteiligungsformen gestaltet?
Die hier vorgestellten Methoden und Techniken stammen aus der Pädagogik (vgl. Schmidt 1992 und 1990) und z.T. aus dem betriebswirtschaftlichen Projektmanagement (vgl. Mehrmann/Wirtz 1992 und Arbeitskreis für Kooperation und Partizipation 1990). Dort ist ihre Kenntnis schon seit langem unverzichtbar. Die Planerin und der Planer werden sich, wollen sie wirkungsvoll an der Gestaltung von Beteiligungs- und Kooperationsprozessen mitwirken, solche Methoden als Bestandteil ihres alltäglich benötigten "Handwerkszeugs" aneignen müssen.
Wie das Zeichnen von Plänen, das Verfassen von Texten, das Visualisieren mit Foto, Film, Modell und Grafik, die mündliche Präsentation in Vortrag und Diskussion sind auch die folgenden Mittel zur Gestaltung von Arbeitsprozessen in Gruppen Techniken der Vermittlung. Sie müssen - wie jene - gelernt werden. Dazu beginnt man sinnvollerweise mit einzelnen Methoden, um sie zu erproben und erste Erfahrungen zu sammeln. Nach und nach wird so ein individuelles Repertoire von Methoden entstehen, das flexibel und kreativ einzusetzen ist.
Wer sich so in Theorie und Praxis mit den Methoden zur Gestaltung gemeinschaftlicher Arbeitsprozesse auseinandersetzt, wird feststellen, dass der Moderationsstil ebenso individuell sein kann wie der Zeichenstil oder die Vortragsweise.
Das heißt aber auch, dass die hier vorgestellten Techniken und Methoden nicht als starrer, feststehender Kanon zu verstehen sind. Sowohl die Anwendung einzelner Techniken wie ihre Kombination untereinander wird sich in der Praxis - in dem Maße, wie die Erfahrung mit dieser Arbeit zunimmt - schrittweise immer weiter von den beschriebenen Grundformen entfernen.

Aufbau
Auch hier war die Frage zu klären, wie die verschiedenen Techniken und Methoden zu ordnen seien. Es wurden sieben Kategorien gebildet, die sich an vorrangigen Einsatzbereichen orientieren - was aber nicht heißen kann, dass eine hier als "Einstiegshilfe" vorgeschlagene Methode nicht auch in anderen Phasen des Gruppenprozesses einsetzbar wäre. 
Der Beschreibung der einzelnen Methoden liegt wieder ein einheitliches Raster zugrunde.

  • Ziele: Wozu kann ich die Methode einsetzen?
  • Stichworte zu Planung und Vorbereitung: Hier werden einige Informationen, die zur Auswahl und Anwendung einzelner Methoden wichtig sind, in knapper Form zusammengestellt. Dazu gehören:
  • Geeignet für: Bei welchen Beteiligungsformen und -verfahren kann ich die Methode sinnvoll einsetzen?
  • Teilnehmerzahl: Wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen es mindestens bzw. dürfen es sein? Die angegebene Zahl ist als Richtwert zu verstehen. Je nach Zielsetzung, Anlass und Teilnehmerstruktur der Veranstaltung kann sie nach oben oder nach unten variieren.
  • Dauer: Wieviel Zeit muss ich für die Anwendung der Methode einplanen? Die einzuplanende Zeit für die Anwendung der Methode ist ein Richtwert, der von vielen Faktoren abhängig ist, wie z.B. von der Motivation der Gruppe zur Mitarbeit.
  • Material und Medien: Welche Materialien und welche Medien benötige ich?
  • Vorbereitung: Was muss ich vor dem Veranstaltungsbeginn vorbereiten?
  • Verlauf: Aus welchen Schritten besteht die Methode und wie führe ich diese durch?
  • Hinweise zur Durchführung: Was muss ich bei der Durchführung beachten? Wo kann es Schwierigkeiten geben?
  • Weiterarbeit: Wie kann ich, auf der durchgeführten Methode aufbauend, weiterarbeiten?
  • Beispiel: Wie kann die Methode in einem Beteiligungsprozess beispielhaft eingesetzt werden? Die Methoden sind - da in diesem Kontext neu - bislang nur eingeschränkt in der Planungs- und Beteiligungspraxis erprobt bzw. schriftlich erfasst worden. Daher haben wir in verstärktem Maße auch konstruierte Beispiele zur Illustration verwendet.
  • Am Schluss stehen wieder die Tipps, mit denen einige -- uns wichtig erscheinende - Gesichtspunkte für Auswahl und Anwendung zusammenfassend hervorgehoben sind.

Checkliste Veranstaltungsmanagement

Viele der Beteiligungsverfahren und Arbeitsformen haben einige gemeinsame organisatorische Voraussetzungen. Um sie nicht immer wieder benennen zu müssen, fassen wir sie kurz in Form einer Checkliste zusammen.
Vieles klingt banal, aber wer erlebt hat, wie oft gerade hier, bei den scheinbar einfachen organisatorischen "Kleinigkeiten" Fehler gemacht werden und welche weitreichenden Folgen diese für den Veranstaltungsverlauf haben können, wird auch diesen Fragen seine Aufmerksamkeit widmen (vgl. auch Sippel 1992):

  • Ziel: Was will ich mit der Veranstaltung erreichen?
  • Zielgruppe: Wen will ich mit der Veranstaltung erreichen?
  • Einladung/Ankündigung: Wie kann die Einladung möglichst große bzw. gezielte Verbreitung finden? Welche Medien kann ich dazu nutzen (z.B. Wurfsendung, Aushang, Presse)?
  • Veranstaltungsort: Welcher Ort ist für die geplante Veranstaltung geeignet. Das heißt z.B.: Welcher Ort ist ohne "Schwellen" zugänglich, gut erreichbar - insbesondere mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Ist der Veranstaltungsort attraktiv, bietet er ein besonderes Umfeld - z.B. mit Bezug zum Thema und /oder ein angenehmes Arbeitsklima?
  • Veranstaltungszeitpunkt: Entspricht der vorgesehene Zeitpunkt der Veranstaltung den zeitlichen Möglichkeiten der potentiellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer (z.B. Berücksichtigung der Arbeitszeiten, der Zeiten für die Kinderbetreuung)?
    Wurde der Zeitpunkt mit anderen Veranstaltungen, Aktivitäten der potentiellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer abgestimmt (z.B. Vereinsaktivitäten, parallele Veranstaltungen mit ähnlicher Zielgruppe, gelegentlich ist auch ein Blick in die Programmzeitschriften der Medien hilfreich)?
  • Veranstaltungsdauer: Wie lange soll die Veranstaltung dauern? Ist die Veranstaltungsdauer angemessen im Bezug auf das Ziel und das vorgesehene Programm der Veranstaltung?
  • Raumgröße und -ausstattung: Steht die Raumgröße in einem guten Verhältnis zur erwarteten Teilnehmerzahl? Ist die Raumgröße für die angestrebten Arbeitsformen geeignet (z.B. für Kleingruppenarbeit ist ein größerer Raum nötig)? Eignet sich die Raumausstattung für die Veranstaltung (z.B. genügend und geeignete Tische und Stühle, flexible Möblierung, Verdunkelungsmöglichkeit)?
  • Technische Ausstattung (Medien und Materialien): Welche technischen Geräte benötige ich? Sind sie vorhanden oder muss ich sie besorgen? Sind die technischen Geräte in dem Raum anwendbar (z.B. genügend Platz, Stromanschluss)?
  • Sitzanordnung: Welche Sitzanordnung ist für die Veranstaltung geeignet und fördert die Arbeit (siehe folgende Abbildungen)?
  • Absprachen: Welche inhaltlichen und organisatorischen Absprachen muss ich mit den Referentinnen und Referenten (Abstimmung der Inhalte und Präsentationsformen, Spielregeln über Redezeiten), den veranstaltenden Institutionen und ggf. den Medien treffen?
  • Kinderbetreuung: Ist eine Kinderbetreuung gewünscht? Wie organisiere ich diese?
  • Verpflegung: Ist ein eigenes Verpflegungsangebot für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nötig oder für den Veranstaltungsverlauf sinnvoll? Wie kann dieses gewährleistet werden?

Möglichkeiten für die Sitzanordnung (aus: Brühwiler 1992, S. 21-23):


Die klassische Schulsitzordnung: 

Vorteile:
  • Für Referate gut geeignet.
  • Eltern fühlen sich in der Schule, Schulerinnerungen steigen auf.
  • Klassenzimmer muss nicht umgestellt werden.

Nachteile:

  • Teilnehmer sind in der Regel passiver.
  • Gespräche laufen v.a. zwischen einzelnen und dem Lehrer, Leiter ab.
  • Erwachsene verhalten sich «wie Schüler».

U-Form oder Hufeisen: 

Vorteile:
  • Günstig für Referate.
  • Gute Sichtverbindung des Referenten/Leiters zu den Teilnehmern
  • Bekannte Sitzordnung (Versammlung, Feste).

Nachteil:

  • Diese Sitzordnung braucht viel Platz; werden auch die Innenseiten bestuhlt, können sich viele Teilnehmer nicht mehr sehen. 
  • Große Distanzen zwischen den Teilnehmern.

Gruppentische im Plenum: 

Vorteile:
  • Diese Sitzordnung eignet sich ausgezeichnet für den Wechsel zwischen Arbeit im Plenum und Arbeit in Kleingruppen, ohne dass die Sitzordnung umgestellt werden muss. 
  • Die Kleingruppen bleiben auch im Plenum bestehen.

Nachteile:

  • Nicht alle Anwesenden können sich sehen. 
  • Diese Sitzordnung braucht viel Platz.

Quadrat 

Vorteile:
  • Es braucht wenig Planung. 
  • Diese einfache Sitzordnung kann als Aktion mit den Teilnehmern durchgeführt werden. 
  • Der Lehrer hat keinen exklusiven Platz.

Nachteil:

  • Nicht alle Teilnehmer können sich sehen.

Gruppenbestuhlung 

Vorteile:
  • Diese Sitzordnung eignet sich ausgezeichnet für Gruppenarbeiten. 
  • Dadurch, dass sich alle Teilnehmer sehen können werden, sie auch weniger abgelenkt.

Nachteile:

  • Diese Sitzordnung braucht viel Platz; bei vielen Teilnehmern wird der Platz schnell zu eng.

Sternsitzordnung 

Vorteile:
  • Ausgezeichnet für Gruppenarbeiten. 
  • Aktive Sitzordnung.

Nachteile:

  • Bei vielen Teilnehmern reicht der Platz nicht aus. 
  • Teilnehmer sitzen relativ weit auseinander.

Kreis, ohne Tisch 

Vorteile:
  • Tische als Barrieren fallen weg. 
  • Viele Teilnehmer haben Platz. 
  • Diese Sitzordnung fördert die Gesprächsatmosphäre.

Nachteile:

  • Nicht alle Teilnehmer sind gewohnt so frei im Raum zu sitzen. In Anfangssituationen fühlen sich viele Erwachsene in dieser Anordnung nicht so wohl; die Schutz bietenden Bänke fallen weg.

Doppelkreis 

Vorteile:
  • Sehr viele Teilnehmer haben Platz.
  • Aufgelockerte Sitzordnung, die gesprächsanregend wirkt.

Nachteile:

  • Nicht alle Anwesenden können sich sehen.
  • Der äußere Kreis wird vielfach bevorzugt.

 


Checkliste für die erfolgreiche Moderation

  • Begrüßen Sie die Teilnehmer der Runde 
  • Erläutern Sie den Grund des Zusammentreffens 
  • Klären Sie die Themenreihenfolge; stellen Sie den Zeitbedarf fest 
  • Legen Sie die Spielregeln fest 
  • Stellen Sie eine Eingangsfrage, um die Diskussion in Gang zu setzen 
  • Verfolgen Sie die Diskussion, schreiten Sie ein, wenn das Thema verlassen wird 
  • Rufen Sie Teilnehmer nicht mit erhobenem Zeigefinger zur Ordnung, aber achten Sie darauf, dass keine personifizierte Redegewalt entsteht 
  • Achten Sie darauf, dass keine Seitengespräche entstehen; sprechen Sie Störer an 
  • Sprechen Sie Teilnehmer an, die sich noch nicht geäußert haben 
  • Bedanken Sie sich für Beiträge einzelner Teilnehmer 
  • Nutzen Sie Hilfsmittel wie Flip-Chart, Tafel etc. 
  • Fordern Sie Teilnehmer auf, Ansichten optisch zu skizzieren 
  • Fassen Sie sporadisch Beiträge einzelner Teilnehmer zusammen, fragen Sie, ob Sie Zusammenhänge richtig wiedergegeben haben 
  • Achten Sie darauf, dass am Sitzungsende Aufgaben verteilt und Termine gesteckt werden. Visualisieren Sie dies 
  • Fassen Sie das Arbeitsgruppen-Ergebnis zusammen, bedanken Sie sich, und legen Sie den Termin für das nächste Treffen fest
  • Fragen Sie am Ende der Sitzung nach dem Gruppenprozess (Wie haben wir heute miteinander gearbeitet?)

Checkliste zur erfolgreichen Moderation (aus: Mehrmann/Wirtz 1992, S. 195).

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2.  Der "Einstieg"

Wer in Gruppen zusammenarbeiten will, muss zu Beginn Spannungen und Unsicherheiten überwinden. Alle Beteiligten schwanken in dieser Phase "zwischen Neugier und Interesse auf der einen sowie Zurückhaltung und Vorsicht auf der anderen Seite" (Knoll 1991, S. 80). Das gilt besonders dann, wenn die Gruppe für längere Zeit zusammen bleiben will. Viele Fragen stehen unausgesprochen im Raum: Wer und wie sind die anderen? Was wird geboten? Wie ist der Ablauf?
Diese Anfangsunsicherheiten schlagen sich zumeist in abwartendem Verhalten nieder. Gemeinsame Arbeit kommt nur schwer in Gang. Diese Situation ist typisch, also nicht als Fehler der Moderation oder Unvermögen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu interpretieren. Allerdings heißt das nicht, dass nun auch die Moderation in Abwarten verfallen könnte. Sie sollte vielmehr

  • "eine gewisse Sicherheit anbieten (z.B. durch ein 'erstes Wort', durch die Begrüßung oder durch eine klare Anfangsstruktur);
  • einen (atmosphärischen) Übergang schaffen zwischen der Situation zu Hause und der nun beginnenden Veranstaltung (z.B. durch Erinnerung an die Ausschreibung);
  • die Kontaktaufnahme zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern fördern;
  • einen ersten gemeinsamen Zugang zum Thema, zur Aufgabe usw. ermöglichen" (ebd.).

Von solchen ersten Schritten ist hier und in Kapitel 3 die Rede. Sie sollen die Anfangsunsicherheit überwinden helfen und eine gewisse "Bewegung" fördern. Dabei ist eine Überforderung zu vermeiden: eher spielerische Methoden sind angezeigt, um die Kommunikation in der Gruppe über die erste Durststrecke hinwegzuführen.
Die drei vorgestellten "Einstiegshilfen" sind im Prinzip Variationen eines Themas: immer geht es darum, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer miteinander bekannt machen - 'mal in Kleingruppen 'mal zu zweit, um dann diese ersten Erkundungen im größeren Rahmen mitzuteilen.


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2.1  Vorstellungsgruppen

Ein Teilnehmerkreis, der für eine längere Zeit oder mehrere Treffen zusammenkommt, wie z.B. in einem Forum oder einem Werkstattgespräch, entwickelt ein positiveres Arbeitsklima, wenn sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Vorstellungen möglichst frühzeitig kennenlernen. Die kurzzeitige Bildung von Vorstellungsgruppen zu Beginn kann dazu behilflich sein.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung.

  • Zum Beispiel geeignet für: ...alle Formen und Verfahren, die intensives Kennenlernen erfordern, Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Planungszelle, kooperativer Workshop, Runder Tisch, Arbeitsgruppe, Zielgruppenbeteiligung.
  • Teilnehmerzahl: maximal 50
  • Dauer: mindestens 40 Minuten (20-30 Minuten die Kleingruppenarbeit; 20-30 Minuten für das Plenumsgespräch)
  • Material/Medien: großformatiges Papier oder Plakate, dicke Filzstifte
  • Vorbereitung: Eine geeignete Aufgabenstellung überlegen und auf einen Papierstreifen mit großer, dicker Schrift zum späteren Aufhängen schreiben.

Verlauf

  • Eingangs werden kurz Sinn und geplanter Ablauf der Vorstellung beschrieben. Mögliche Aufgabenstellungen können sein: Bitte tauschen Sie sich über ihre Person aus und dann zu dem Thema "Ich nehme an der Veranstaltung teil, weil..." oder "Mein persönlicher Bezug zum Thema besteht darin, dass..." etc. Die Kleingruppen sollen nach dem Austausch ihre Ergebnisse auf einem großen Papier in kurzen Stichworten festhalten.
  • Arbeiten in Kleingruppen (20-30 Minuten): jeweils 4 oder 5 Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmer bilden per Zufallsprinzip (z.B. Losverfahren, Abzählen) eine Kleingruppe und besprechen gemeinsam die Aufgabenstellung. Im Anschluss halten sie ihre Ergebnisse schriftlich fest
  • Ergebnisse in der Großgruppe austauschen (20-30 Minuten): Die Moderation bittet die Kleingruppen, ihre Ergebnispapiere aufzuhängen und jeweils ein Gruppenmitglied, die Stichworte zu erläutern.

Hinweise zur Durchführung
Eine Erläuterung des Sinns der Vorstellungsgruppen-Arbeit ist notwendig. Dabei sollte darauf hingewiesen werden, dass die Vorstellungsrunde in erster Linie dem persönlichen Kennenlernen und der Benennung inhaltlicher Interessen dient. Diskussionen über möglicherweise strittige Inhalte sollten noch nicht im Mittelpunkt stehen. Auch ist darauf zu verweisen, dass diese Runde nur ein Anfang ist dass also sowohl für persönliche Gespräche wie vor allem für die inhaltliche Diskussion noch ausreichend Zeit verbleibt.
Damit das Kennenlernen über die Kleingruppen hinausgeht, sollten die Gruppenmitglieder darauf hingewiesen werden, ihre Namen zu nennen und ggf. auf unterschiedliche Positionen der Gruppe einzugehen.

Weiterarbeit
Im Anschluss kann ausführlicher auf das geplante Programm eingegangen werden, wobei die Ergebnisse der Gruppenarbeit Berücksichtigung finden sollten. Insbesondere besteht die Möglichkeit, deutlich zu machen, inwieweit das Programm den Teilnehmervorstellungen bereits entspricht, wo Unvereinbarkeiten bestehen und in welchen Punkten das Programm mit Blick auf die Interessen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch zu ändern wäre. Letzteres ist gerade im Hinblick auf eine teilnehmerorientierte Veranstaltungsplanung von Bedeutung.

Beispiel
Das Verkehrsplanungsamt der Stadt A veranstaltet gemeinsam mit Verkehrsinitiativen einen Workshop zum Thema "Autofreie Innenstadt - Zukunftsperspektive oder Spinnerei?". An dem zweitägigen Workshop nahmen u.a. Gewerbetreibende aus der Innenstadt, Vertreterinnen und Vertreter von Umweltverbänden, des Seniorenkreises und einer Elterninitiative sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger teil.
Zu Beginn stellt die Moderation den Inhalt und den Ablauf des Workshops vor. Dann beginnt sie mit der Vorstellung. Sie erläutert die Aufgabenstellung und den Ablauf der Methode "Vorstellungsgruppen". Durch Abzählen werden Kleingruppen (4 bis 5 Personen) gebildet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden gebeten, sich kurz über ihre Person auszutauschen und dann zum Thema "Ich nehme am Workshop 'Autofreie Innenstadt' teil, weil..." die unterschiedlichen Motive zu diskutieren. Ein Einzelhändler nennt z.B., dass er einen Rückgang seines Umsatzes durch die autofreie Innenstadt befürchte und sich im Workshop gegen solch eine Maßnahme einsetzen möchte. Eine ältere Dame erläutert ihre Schwierigkeit, sich sicher durch den Verkehr in der Innenstadt zu bewegen. Ein junges Ehepaar mit Kindern schließt sich dieser Äußerung an und schränkt ein, dass sie jedoch den Einkauf ohne Auto nicht bewältigen könne und z.T. auf andere Einkaufsmöglichkeiten zurückgreifen müsste....
Die unterschiedlichen Motive für die Teilnahme am Workshop werden von den Kleingruppen auf einer Wandzeitung vermerkt. Nach dem Ende der Vorstellungsrunde, werden die so festgehaltenen Ergebnisse im Plenum vorgestellt. Dabei kommt es immer wieder zu inhaltlichen Auseinandersetzungen zur "Autofreien Innenstadt". Die Moderation weist auf die persönlichen Motive hin und versucht über Nachfragen, die unterschiedlichen Positionen mit den Personen zu verknüpfen und deren Erfahrungshintergrund sowie deren Lebenslage der Gesamtgruppe als Ausgangspunkte der weiteren Arbeit zu verdeutlichen.

  Tipps

  • Es empfiehlt sich, nicht unvermittelt mit Vorstellungsgruppen-Arbeit zu beginnen. Der Stellenwert dieser Vorstellung im Zusammenhang des gesamten Programms sollte allen Beteiligten zuvor sichtbar gemacht werden.
  • Die Vorstellung sollte nicht ausufern. Es kann ggf. darauf hingewiesen werden, dass im Verlauf der Veranstaltung (in den Pausen o.ä.) noch Zeit bleibt, sich weiter kennenzulernen.
  • Eine wichtige Aufgabe der Moderation ist es, nach der Vorstellung darauf einzugehen, wie genannte Erwartungen an die Arbeit ins Programm integriert werden können.

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2.2  Partnerinterview

Für das Arbeitsklima in einer Gruppe, die für eine längerfristige gemeinsame Arbeit gebildet wurde (z.B. eine Zukunftswerkstatt oder ein Arbeitskreis), ist der "Einstieg" besonders wichtig. Das "Partnerinterview" dient dazu, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich schrittweise untereinander kennenlernen - zunächst im Zweiergespräch, dann durch Austausch in der gesamten Gruppe.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung:

  • Zum Beispiel geeignet für: ...alle Formen und Verfahren, die intensives Kennenlernen erfordern, Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Forum, Planungszelle, kooperativer Workshop, Runder Tisch, Arbeitsgruppe, Zielgruppenbeteiligung.
  • Teilnehmerzahl: 6 bis 20
  • Dauer: mindestens 35 Minuten (eigentliches Partnerinterview: 10-15 Minuten, Vorstellungsrunde in der gesamten Gruppe: je nach Gruppengröße 20-45 Minuten
  • Material/Medien: DIN-A4-Papiere mit den Interviewfragen (für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer)
  • Vorbereitung: Geeignete Interviewfragen überlegen und aufschreiben. Mögliche Fragen sind z.B.: Woher kommen Sie? Was machen Sie beruflich? Was hat Sie bewegt, zu dieser Veranstaltung zu kommen? Welche Erwartungen haben Sie? Was möchten Sie in dieser Gruppe auf keinen Fall?

Verlauf
Die Gliederung in folgende vier Schritte ist sinnvoll:

  1. Erläuterung von Aufgabe und Ablauf des Arbeitsschritts: Die Moderation erklärt, dass es nun um einen Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern geht und benennt die Fragen des Interviews. Dann erläutert sie die weitere Verfahrensweise und verteilt die Interviewfragen.
  2. Gruppenbildung zu zweit: Damit die Gruppenbildung in der Anfangsphase erleichtert wird und nicht nur die zusammengehen, die sich bereits kennen, bietet sich die Zusammenstellung nach einem Zufallsprinzip an (z.B. Losverfahren, mit Puzzleteilen).
  3. Partnerinterview: In den Zweiergruppen findet dann eine wechselseitige Befragung statt: Eine Teilnehmerin bzw. ein Teilnehmer beginnt mit den Interviews und macht sich kurze Notizen zu den Antworten. Nach ca. 5 Minuten wechseln die Rollen. Nach ca. 10-15 Minuten unterbricht die Moderation die Gespräche.
  4. Vorstellungsrunde in der gesamten Gruppe: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzen sich wieder in einer Runde zusammen. Die Moderation bittet nun darum, dass alle Teilnehmenden ihre Partnerin bzw. ihren Partner kurz zu den gestellten Fragen vorstellen. In der Regel beginnt die Zweiergruppe, in der die Moderatorin bzw. der Moderator mitgewirkt hat, um die Art des Vorstellens zu verdeutlichen. Zum Beispiel: "Dies ist Frau K. Sie arbeitet in einem Grafikbüro und hat über eine Bekannte von dieser Veranstaltung erfahren. Frau K. hat das Thema persönlich angesprochen, weil... Sie erwartet sich von der Veranstaltung, dass..." Danach folgen die übrigen Zweiergruppen. Damit die Runde nicht zu lange dauert, sollte ggf. noch einmal darauf hingewiesen werden, dass es zunächst nur auf wenige Stichworte ankommt.

Hinweise zur Durchführung
Auch hier gilt wieder: der Sinn dieser "Einstiegs"-Runde muss hinreichend erläutert werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass diejenigen, denen solche Methoden fremd sind, unwillig reagieren und auf den Beginn der inhaltlichen Arbeit drängen.
Bei ungerader Teilnehmerzahl wird ein Mitglied der Moderation an einem Partnerinterview mitwirken. Falls Teilnehmerinnen oder Teilnehmer zu spät kommen, muss die Moderation je nach Situation und Zeitpunkt entscheiden, ob sie noch an den Interviews beteiligt werden oder sich später selbst anhand der Fragen vorstellen.
Da während der Interviews ein lebhafter Austausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer entsteht, sollte zum einen ein ausreichend großer Raum zur Verfügung stehen, der genügend Abstand zwischen den Paaren zulässt; zum anderen sollte in der Mitte der Interviewzeit noch einmal darauf hingewiesen werden, dass die Paare die Rollen wechseln. Ansonsten besteht die Gefahr, dass einige Teilnehmende nicht ausreichend zu Wort kommen.
Für die Sitzordnung im Plenum bietet sich ein Stuhlkreis an, da so die Kleingruppenbildung in dem freien Innenbereich leichter vonstatten gehen kann.
Damit sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der Vorstellungsrunde in der gesamten Gruppe nicht unter Druck gesetzt fühlen, kann die Moderation darauf hinweisen, dass es nicht auf eine vollständige Wiedergabe und eine Selbstdarstellung ankommt.

Mögliche Varianten sind

  • Eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer erzählt etwas von sich. Währenddessen zeichnet die Partnerin bzw. der Partner ein Porträt (Skizze, Karikatur, Steckbriefbild) von ihm oder ihr und notiert Stichworte der Erzählung zu dem Bild.
  • Die Paare zeichnen gegenseitig ihre Umrisse auf Packpapierbögen. Dazu legt sich eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer auf das Papier und der bzw. die andere malt die Konturen mit einem Filzschreiber nach. Die Interviewnotizen können sie um die Zeichnung herum schreiben (vgl. Rabenstein 1980, S. 67).

Weiterarbeit
Mit diesem Einstieg sind günstige Bedingungen für die weitere Arbeit am Inhalt geschaffen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sowohl Kontakt untereinander aufgenommen als auch eigene Gedanken formuliert. Diese Belebung sollte für die weitere Arbeit genutzt werden. Mit Hilfe teilnehmerorientierter Methoden zum inhaltlichen Einstieg (z.B. Impulsreferat  Sandwichmethode) kann der erste anregende Impuls in die inhaltliche Arbeit übergeleitet werden.

Beispiel
Begleitend zur Dorferneuerung in B-Dorf richten die Planerinnen und Planer eine Arbeitsgruppe ein. Zum ersten Treffen kommen 20 Bürgerinnen und Bürger. Einige von ihnen kennen sich bereits untereinander. Um alle miteinander bekannt zu machen, wird seitens der Moderation das Partnerinterview vorgeschlagen. Sinn, Zweck und Verfahren werden erläutert. Der Vorschlag stößt auf Zustimmung. Um die Kleingruppen zusammenzustellen, werden Papierstreifen in 10 verschiedenen Farben (je zwei Papierstreifen von jeder Farbe) verteilt. Diejenigen mit der gleichen Farbe führen zusammen das Partnerinterview durch.
Der weitere Ablauf entspricht der Beschreibung des Verlaufs zu Beginn der Methodenerläuterung.

  Tipps.

  • Auch hier gilt wieder: der Sinn dieser "Einstiegs"-Runde muss hinreichend erläutert werden.
  • Ein ausreichend großer Raum, der für Partnerinterviews genügend Abstand zulässt, ist empfehlenswert.
  • Ein gutes Zeitmanagement ist erforderlich, damit die Vorstellung nicht ausufert und alle zum Zuge kommen. Die Mitte der Interviewzeit sollte zwecks Wechsel der Rollen angekündigt werden.
  • Selbstdarstellungs- oder Leistungsdruck unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sollte vermieden werden.

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2.3  Erwartungsinventar

In jede Veranstaltung bringen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestimmte Erwartungen mit. Um diese Erwartungen für alle Beteiligten transparent und bewusst zu machen, kann die Methode "Erwartungsinventar" Hilfestellung geben.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für:...alle Formen und Verfahren, die intensives Kennenlernen erfordern, Exkursion, Ortsbegehung, Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Forum, Planungszelle, Runder Tisch kooperativer Workshop, Arbeitsgruppe, Zielgruppenbeteiligung.
  • Teilnehmerzahl: maximal 40
  • Dauer: 10 Minuten für die Einzelarbeit, 20 Minuten für die Partnerarbeit
  • Material/Medien: Wandzeitung, dicke Filzstifte, DIN-A4-Papier
  • Vorbereitung: Die Frage zu dem Erwartungsinventar sollte die Moderation vor der Veranstaltung auf eine Wandzeitung, auf DIN-A4-Seiten oder eine Overheadfolie schreiben, so dass alle die Frage bei der Veranstaltung vor Augen haben.

Verlauf
Während der Einzelarbeit (ca. 10 Minuten) bekommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Aufgabe, sich einzeln zu folgender Frage Gedanken und Notizen zu machen: "Was erwarte ich von dieser Veranstaltung für mich persönlich und für ... (z.B. meine Arbeit, meine Gemeinde)?"
Partnerarbeit (ca. 20 Minuten): jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer sucht sich eine Partnerin bzw. einen Partner. Dann tauschen sie sich über ihre Erwartungen aus. Die wichtigsten Aspekte schreiben sie an eine Wandzeitung gut lesbar auf.
Nach Beendigung der Partnergespräche können sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die aufgeschriebenen Erwartungen ansehen. Anstelle der Partnerarbeit ist auch eine Gesprächsrunde mit der gesamten Gruppe möglich.

Hinweise zur Durchführung
Wenn vielfältige und weitreichende Erwartungen genannt werden, kann das alle Beteiligten - zumal die Moderation - unter Druck setzen. Zweifellos werden Ansprüche und Möglichkeiten nicht vollständig zur Deckung zu bringen sein. Es können also Enttäuschungen entstehen, die sich auf das Gruppenklima auswirken. Mit dem Erwartungsinventar wird dies, deutlicher noch als bei den beiden zuvor genannten Methoden, frühzeitig sichtbar. Das bietet die Chance, auf mögliche Diskrepanzen rechtzeitig einzugehen, Ziele und Inhalte genauer zu erläutern, Erwartungen zu relativieren und - wo immer dies möglich und sinnvoll ist - Modifikationen im Programm vorzunehmen.
Damit die Ausgangssituation für alle Beteiligten transparent ist, sollten die Ziele und Erwartungen der Veranstalter bzw. der Moderation benannt werden.
Sofern sich Erwartungen und Handlungsmöglichkeiten einander angleichen lassen, besteht zudem die Möglichkeit, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv einzubeziehen: es hängt auch von ihnen ab, ob und wie weit die Erwartungen in der Gruppe erfüllt werden können. So wird im günstigsten Fall bereits zu Beginn der Veranstaltung ein Gefühl gemeinsamer Verantwortung geschaffen.
Den Verlauf des Erwartungsinventars kann die Moderation nach Bedarf abwandeln, indem sie zum Beispiel an die Einzelarbeit eine Gesprächsrunde anschließt, in der alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Notizen kurz vortragen und die Moderation die wichtigsten Aspekte auf einer Wandzeitung mitschreibt. Möglich ist auch, dass sie selbst ebenso ihre Erwartungen offen darstellt.
Die Wandzeitungen sollten bis zum Ende der Veranstaltung hängen bleiben, so dass Veränderungen der Erwartungshaltungen sichtbar werden.

Weiterarbeit
Wenn sich die Moderation für die Durchführung dieser Methode entschlossen hat, sollte sie auf die formulierten Erwartungen in geeigneter Weise eingehen. Die Moderation kann z.B. die Frage stellen, welche Schwerpunkte sich aus dem Notierten ergeben oder sie kann selbst versuchen das Notierte zusammenzufassen und einen Ausblick auf die vorgesehene Planung sowie die vorhandenen Unterschiede, aber auch Übereinstimmungen geben.

Beispiel
Im Landkreis X wird anlässlich eines in Auftrag gegebenen Gutachtens ein Runder Tisch zum Thema "Sanfter Tourismus" mit Vertreterinnen und Vertretern aus verschiedenen Institutionen wie Fremdenverkehrsverband, Industrie- und Handelskammer, Kommunalverwaltung, Umweltverbänden etc. eingerichtet. Für das erste Treffen hat sich die Moderation, die das Gutachten bearbeitet, als Einstiegsmethode ein " Erwartungsinventar" überlegt.
Die 16 anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Institutionen bekommen die Aufgabe, sich für ca. 10 Minuten zu den Fragen "Was erwarte ich von dem Runden Tisch für meine Institution und welche Aspekte sind mir für die heutige Diskussion von Bedeutung?" Gedanken und Notizen zu machen. Danach findet anstelle der Partnerarbeit eine Gesprächsrunde statt, in der alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in kurzer Form ihre Erwartungen und Vorstellungen darstellen. Eine Mitarbeiterin des Fremdenverkehrsamtes erhofft sich z.B. konkrete Beispiele und Ansätze, um zukünftig auf Anfragen der Kundinnen und Kunden zum "sanften Tourismus" reagieren zu können. Ein Vertreter der Kommunalverwaltung erwartet eine intensive Auseinandersetzung über die Reduzierung von Überlastungserscheinungen durch Naherholungstouristen an Wochenenden. In dieser Form äußern sich auch die übrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Die Moderatorin notiert die wesentlichsten Aspekte auf einer Wandzeitung und geht im Anschluss an die Runde auf die dort festgehaltenen Aspekte ein. Sie setzt sie in bezug zum Veranstaltungsplan und bereits zuvor geäußerten Erwartungen an den Runden Tisch. Dabei weist sie darauf hin, dass aus ihrer Sicht in dem ersten Treffen vor allem ein Austausch über die Arbeiten der in der Runde vertretenen Institutionen und die Inhalte des in Auftrag gegebenen Gutachtens möglich ist. Im Verlaufe der nächsten Treffen sollten dann die Inhalte vertieft bearbeitet werden, wobei die - hier eingangs erfassten - Interessen des Teilnehmerkreises soweit wie möglich Berücksichtigung finden sollten.

  Tipps

  • Die Beteiligten sollten dazu aufgefordert werden, ihre Erwartungen offen darzustellen. Auch Veranstalter und Moderation beteiligen sich in diesem Sinne.
  • Es ist empfehlenswert, möglichst frühzeitig auf vermutlich nicht erfüllbare Erwartungen hinzuweisen.
  • Es ist für den weiteren Veranstaltungsverlauf positiv, wenn es bereits zu diesem Zeitpunkt gelingt, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu vermitteln, dass es auch an ihnen liegt, ob und in. wieweit Erwartungen erfüllt werden können.

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3.  Inhalte erschließen, Probleme erörtern

Die in diesem Kapitel beschriebenen Methoden dienen dem Einstieg in die inhaltliche Erörterung:
Es soll in das Thema eingeführt werden und eine Bestandsaufnahme der zu behandelnden Probleme erfolgen. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Inhalte möglichst ansprechend und verständlich präsentiert werden. Wichtig ist auch, ob und in welcher Weise sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihnen aktiv auseinandersetzen können. Inhaltsvermittlung ist also keine "Einbahnstraße", sondern ein Kommunikationsprozess.
Inhalte, die nicht von den Teilnehmenden auf eigene Weise erschlossen und angeeignet werden können, bleiben wirkungslos.
Zweifellos ist es zunächst das "Thema", das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer angesprochen und zur Mitwirkung motiviert hat. Allerdings kann dieses Interesse schnell verpuffen, wenn nur auf eine Zuhörerschaft eingeredet wird. Aufgabe der Moderation und der Referentinnen bzw. Referenten ist es daher, zur eigenständigen Beschäftigung mit den Inhalten anzuregen. Für Gespräche, die in ein Thema einführen, und für Diskussionen im Teilnehmerkreis selbst müssen Anstöße gegeben und ausreichend Zeit gelassen werden.
Die Arbeit an Inhalten soll zu Ergebnissen führen: Lernprozesse sollen eingeleitet, Erkenntnisse, Positionen, Forderungen oder Perspektiven formulierbar werden. Die "Ergebnissicherung", also das Sichtbarmachen des Erarbeiteten ist entscheidend für die Teilnehmermotivation und schafft zugleich eine Grundlage für weitere Arbeitsschritte. Es reicht dabei nicht aus, solche Resultate erst zum Schluss einer Veranstaltung zusammenzutragen. Von großer Bedeutung ist vielmehr die kontinuierliche Erfassung von (Zwischen-)Ergebnissen. So wird der Lern- und Arbeitsprozess nachvollziehbar. Zugleich erfahren alle Beteiligten den Sinn ihrer gemeinsamen Arbeit (vgl. Knoll 1991, S. 52ff. und S. 94).


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3.1  Impulsreferat

Bürgerbeteiligung, die nicht nur einseitig Informationen vermitteln, sondern einen dialogischen Arbeitsprozess fördern will, sollte entsprechende Methoden verwenden. In den Beteiligungsformen und -verfahren, die eine Mitwirkung bzw. Mitbestimmung beabsichtigen (z.B. Runder Tisch, Aktion "Ortsidee"), ist die Methode "lmpulsreferat" förderlich, um ein begrenztes Thema strukturiert zu vermitteln, eine aktive Gesprächsteilnahme sowie kritische Auseinandersetzung mit Informationen zu fördern und Entscheidungen vorzubereiten.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung:

  • Zum Beispiel geeignet für: ...alle Formen und Verfahren, die Vortragselemente enthalten, wie Bürgerversammlung, Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, Aktion "Ortsidee", Forum, Planungszelle, kooperativer Workshop, Runder Tisch, Arbeitsgruppe.
  • Teilnehmerzahl: maximal 50
  • Dauer: mindestens 1 Stunde (je Referatsabschnitt 5-10 Minuten, je Diskussionsrunde 10-15 Minuten)
  • Material/Medien: Overhead/-folien, Diaprojektor und Dias, Wandzeitung oder Tafel
  • Vorbereitung: Medien bereithalten, den Inhalt des Referats in drei bis vier geeignete Abschnitte gliedern, diskussionsanregende Thesen oder Fragestellungen für die Überleitung vom Referat in die Diskussionsrunden festlegen und durch Medien sichtbar machen.

Verlauf
Zu Beginn der Veranstaltung erläutert die Referentin bzw. der Referent die Gliederung des Gesamtreferats und den methodischen Ablauf. Der Grundaufbau ist geprägt durch einen Wechsel von Referat und Diskussionsrunden:

  • Erster Referatsabschnitt (5-10 Minuten): Thematischer Einstieg und Hinführung auf einen ersten Diskussionskomplex.
  • Erste Diskussionsrunde (10-15 Minuten): Zuspitzung der einleitenden Überlegungen in einer These oder Fragestellung, die hinreichend prägnant (für den Teilnehmerkreis verständlich) sein muss, um zu einer ersten Diskussionsrunde überzuleiten.
  • Zweiter Referatsabschnitt (5-10 Minuten): Fortsetzung des Referats. Dabei kann, besonders bei Verständnisproblemen, auf die Gruppendiskussion eingegangen werden.
  • Zweite Diskussionsrunde (10-15 Minuten): Eine weitere Diskussionsrunde folgt wie oben beschrieben.
  • Referatsabschnitt und Diskussionsrunde können noch ein- oder zweimal folgen.
  • Abschlussdiskussion: Hier sollte die Möglichkeit gegeben werden, das Referat im Zusammenhang zu erörtern und die für die weitere Veranstaltung wesentlichen Aspekte herauszuarbeiten.
  • Variante: Sofern räumlich und organisatorisch möglich, können Kleingruppen gebildet werden. In diesem Fall sollte in der Abschlussdiskussion das Ergebnis der Gruppenarbeit eingebracht werden.

Hinweise zur Durchführung
Wenn die Diskussionsrunden in Kleingruppen stattfinden, kann die Referentin bzw. der Referent die Inhalte der Gespräche nur schlecht verfolgen. Es empfiehlt sich dann, in jeder Gruppe die Diskussion zumindest ausschnittweise mitzuerleben.
Driftet die Diskussion vom Inhalt des Referats ab, ist dies deutlich zu machen. Allerdings sollte das nicht zu streng gehandhabt werden: insbesondere in der ersten Diskussionsrunde ist es entscheidend, dass überhaupt ein Gespräch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Gang kommt.
Greift die Referentin bzw. der Referent nach einem Diskussionsabschnitt Fragen auf, klärt Verständnisprobleme etc., besteht die Gefahr, dass die Zeitplanung durcheinander gerät. Bei einer solchen offenen Vorgehensweise sollte von vornherein eine entsprechende "Überziehungs-Zeit" eingeplant werden. Andererseits können Inhalts- und Zeitrahmen nicht beliebig flexibel gehalten werden, da mit dem Referat innerhalb des Gesamtprogramms bestimmte Ziele verfolgt werden. Hier ist eine gewisse Disziplin aller Beteiligten gefordert.

Weiterarbeit
In der Abschlussdiskussion können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren Bedarf und ihr Interesse an weiteren Informationen und Diskussionen klären.

Beispiel
Eine Informationsveranstaltung auf Initiative des Umweltausschusses der Gemeinde X steht unter dem Thema "Obstwiesen-Programm - was heißt das?". Eingeladen sind interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreterinnen und Vertreter der Politik und der Verwaltung.
Zu Beginn erläutert der Referent den Ablauf der Veranstaltung. Er hat sein Referat in drei Referats. und drei Diskussionsabschnitte gegliedert:

  • Referatsabschnitt: Welche ökologische Bedeutung haben Obstwiesen?
  • Frage zur 1. Diskussionsrunde: Welche Bedeutung könnten Obstwiesen für die Gemeinde X haben?
  • Referatsabschnitt: Was ist Inhalt des Obstwiesen-Programms?
  • Frage zur 2. Diskussionsrunde: Ist dieses Programm für die Gemeinde X relevant?
  • Referatsabschnitt: Ein Beispiel: Obstwiesen in der Gemeinde Y und wer hat sich daran beteiligt?
  • Frage und 3. Diskussionsrunde: Welche Umsetzungsmöglichkeiten gibt es in der Gemeinde X für die Pflege und Neuanlage von Obstwiesen?

Der Referent berichtet jeweils etwa 10 Minuten, unterstützt durch Folien und Dias, und leitet mit einer Frage die Diskussion ein. Da 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gekommen sind, werden Kleingruppen für die Diskussionen gebildet. Die Diskussionsrunden dauern 10 bis 15 Minuten. Während der Diskussionen setzt der Referent sich für eine gewisse Zeit jeweils in die beiden Gruppen und klärt Fragen. Bevor er seinen nächsten Referatsabschnitt vorträgt, erläutert er einige Fragen noch einmal in der gesamten Gruppe. Nach 1 1/4 Stunden findet eine abschließende Diskussion im Plenum statt, die die Ergebnisse zusammenträgt und klärt, wie es mit den gemachten Vorschlägen weitergeht.

  Tipps

  • Das Impulsreferat lebt von einer klaren Gliederung und anregenden Fragen oder Thesen.
  • Der inhaltliche und zeitliche Rahmen sollte nicht zu eng gefasst sein und ausreichend Spielräume lassen, um auf Interessen aus dem Teilnehmerkreis einzugehen.

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3.2  Sandwich-Methode

Die Bürgerinnen und Bürger sind mit ihren Alltagserfahrungen, Ortskenntnissen und subjektiven Bewertungen Fachleute eigener Art. Ihre Erfahrungen und ihr Wissen sollten in einem dialogischen Planungs- und Entscheidungsprozeß einfließen und genutzt werden. Damit dies gelingen kann, muss jedoch oft erst die Hemmschwelle bei der Meinungsäußerung und die Hilflosigkeit gegenüber wortgewandten Fachleuten abgebaut werden.
Die "Sandwich-Methode" kann dies fördern, indem Vorkenntnisse und Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammengetragen und mit fachlichen Sichtweisen konfrontiert werden. Das sich daraus ergebende Spannungsverhältnis wird zu Klärungsprozessen genutzt, die Laien und Fachleuten gleichermaßen helfen können.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für:...alle Formen und Verfahren, die Vortragselemente enthalten, wie Bürgerversammlung, Vortrags- und Diskussionsveranstaltung Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Forum, Planungszelle, kooperativer Workshop, Runder Tisch, Arbeitsgruppe, Zielgruppenbeteiligung
  • Teilnehmerzahl: maximal 80
  • Dauer: mindestens 1,5 Stunden
  • Material/Medien: Wandzeitung, Arbeitspapiere
  • Vorbereitung: Eindeutige Fragestellungen für die Gesprächsrunden der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf eine Wandzeitung oder auf Arbeitspapiere schreiben.

Verlauf

  • Die Sandwich-Methode umfasst vier Arbeitsschritte:
  • einleitende Gesprächsrunde (ggf. in Arbeitsgruppen),
  • Kurzreferat,
  • zweite Gesprächsrunde (ggf. in Arbeitsgruppen),
  • Plenumsdiskussion.

Zu Beginn der Veranstaltung werden Thema der 'Veranstaltung und weiteres Vorgehen erläutert.

  • Einleitende Gesprächsrunde (ca. 30 Minuten): Es werden Arbeitsgruppen gebildet, die über eine (oder verschiedene) Fragestellungen diskutieren. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen halten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schriftlich fest..
  • Kurzreferat (ca. 15 Minuten): Die Referentin bzw. der Referent trägt das angekündigte Thema strukturiert vor ( Vortrag mit Medieneinsatz).
  • Zweite Gesprächsrunde (ca. 15 Minuten): Die Arbeitsgruppen setzen sich erneut zusammen und vergleichen ihre eigenen Überlegungen mit den Informationen des Kurzreferats. Sie arbeiten an ihrem Ergebnis aus der einleitenden Gesprächsrunde weiter und halten das neue Arbeitsergebnis wieder schriftlich fest.
  • Plenumsdiskussion (ca. 30 Minuten): Die Arbeitsgruppen stellen ihre Ergebnisse im Plenum zur Diskussion.

Hinweise zur Durchführung
Die Sandwichmethode setzt einen "Vorlauf" voraus: Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind bereits grob über ein Thema, einen Handlungsanlass informiert und entsprechend interessiert. Es handelt sich hier also, wie in anderen Fällen auch, um eine Methode, die nur im Kontext eines umfassenderen Beteiligungs- und Kommunikationsprozesses sinnvoll einzusetzen ist.
Bei wenigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern kann in einer Gruppe diskutiert werden. In diesem Falle ist die Plenumsdiskussion überflüssig. Bei einer hohen Teilnehmerzahl müssen evtl. weitere Räume für die Arbeitsgruppen zur Verfügung gestellt werden. Ein Raumwechsel bedeutet allerdings meist eine unangenehme Unterbrechung. Besser ist es, von vornherein einen ausreichend großen Raum bereitzuhalten.

Weiterarbeit
Auf der Grundlage der Arbeitsergebnisse kann seitens der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bedarf nach weiteren Themen und Diskussionstreffen geäußert werden.

Beispiel
Bei einem Bewohnertreffen im Rahmen einer Stadtteilerneuerung geht es um die Umgestaltung eines Hinterhofs. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten beim letzten Treffen den Wunsch geäußert, sich über mögliche Begrünungsmaßnahmen zu informieren. Nachdem zu Beginn der Veranstaltung eine Mitarbeiterin des Stadtplanungsamtes das Thema und das weitere Vorgehen vorgestellt hat, werden vier Arbeitsgruppen gebildet zu der Frage "Welche Begrünungsmaßnahmen erscheinen mir für meinen Hinterhof als sinnvoll?". Die Arbeitsgruppen halten ihre Ergebnisse in Skizzen oder Stichwortlisten fest. Im Anschluss referiert die Stadtplanerin anhand von Dias kurz über Möglichkeiten, Hinterhöfe zu begrünen, wobei sie die Maßnahmen nach Verwendungszwecken (Bodenbedeckung, Fassadenbegrünung, Sichtschutz etc.) geordnet hat. Darauf tauschen sich die Arbeitsgruppen erneut aus und überarbeiten ihre Ergebnisse. Im Plenum stellen die vier Arbeitsgruppen ihre Diskussionsergebnisse vor und diskutieren gemeinsam die verschiedenen Begrünungsvorschläge für den Hinterhof.

  Tipps

  • Die Fragestellungen für die Gesprächsrunden sollten auf das Vorverständnis Bezug nehmen, eindeutig formuliert und für alle sichtbar sein.
  • Auch hier ist es eine wesentliche Aufgabe der Moderation, darauf zu achten, dass die Ergebnisse kontinuierlich schriftlich festgehalten werden.
  • Die Raumgröße sollte entsprechend der Teilnehmerzahl einen Wechsel zwischen Plenum und Arbeitsgruppen zulassen.

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3.3  Vortrag (mit Medieneinsatz)

Vorträge und Kurzvorträge finden in vielen Beteiligungsformen und -verfahren Anwendung. Sie dienen vor allem zur Information über ein Planungs- und Entwicklungsvorhaben oder über fachliche Hintergründe und bilden oft den inhaltlichen Bezugspunkt für spätere Diskussionen.
Gerade weil es sich hier um eine der üblichen Vermittlungsformen handelt, werden möglicherweise besonders oft gravierende Fehler gemacht: die Vorträge sind langweilig, wenig informativ oder unverständlich, zu lang, lieblos präsentiert und erreichen so ihr Ziel nicht (häufig jedoch gegenteilige Wirkungen wie Verärgerung etc.). Soll nicht über die Köpfe der Zuhörerinnen und Zuhörer hinweg geredet, sondern zum eigenen Nachdenken und zur gemeinsamen Erörterung angeregt werden, ist eine sorgfältige Vorbereitung ebenso unerlässlich wie die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Vortragsstil.
Selbstverständlich gibt es kein Patentrezept für einen guten Vortrag, aber doch einige Hinweise, deren Berücksichtigung typische Fehler vermeiden hilft.
Da grundsätzlich der Visualisierung für die Wirkung von Vermittlungsbemühungen große Bedeutung zukommt, ist hier insbesondere der Einsatz entsprechender Medien berücksichtigt.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: BürgerversammIung, Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, Forum; Vortragselemente finden sich darüber hinaus in fast allen anderen Beteiligungsformen.
  • Teilnehmerzahl: beliebig große Gruppen; allerdings liegt bei etwa 25 Personen eine Grenze: bis hierher kann noch mit der ganzen Gruppe "gearbeitet" werden, unmittelbare persönliche Bezüge sind möglich; deutlich größere Teilnehmerkreise bleiben für die Vortragenden anonym und stellen oft auch andere technische Anforderungen (Mikrofon etc.).
  • Dauer: maximal 45 Minuten für einen Vortrag (besser kürzer und eine Vertiefung im Gespräch), 10 bis 20 Minuten für einen Kurzvortrag
  • Material/Medien: Veranschaulichende Hilfsmittel, wie Film-, Dia-, Overheadprojektor, Tonbandgerät, Tafel, Flip-Chart (Gestell mit großem Papierblock, dessen Blätter umgeschlagen werden können), Wandzeitung
  • Vorbereitung: Die Vortragenden sollten bei der Vorbereitung des Referats vor allem folgende Aspekte berücksichtigen: die Adressaten (Vorkenntnisse, Interesse am Thema, Motivation zur Teilnahme), die Art der Veranstaltung (Vortragsfolge, Arbeitssitzung mit einleitendem Referat etc.), Größe des Teilnehmerkreises, der Raum und seine Gegebenheiten (Technik, Bestuhlung etc.) sowie der Zeitpunkt der Veranstaltung (Abendveranstaltung, im "Mittagsloch" o.ä.).

    Im Mittelpunkt der Vorbereitung steht die Erstellung einer Disposition (für freien Vortrag) oder eines Manuskriptes sowie ggf. begleitender Materialien (Folien, Handouts etc.).
    Für den Einsatz von Medien ist zu prüfen, welche Mittel den Vortrag am sinnvollsten unterstützen. Zugleich muss sichergestellt sein, dass die entsprechenden technischen Voraussetzungen gegeben sind (Sind die Geräte vorhanden? Ist der Raum abzudunkeln? etc.).
    Die Moderation sollte mit der eingeladenen Referentin bzw. dem Referent ein ausführliches, möglichst persönliches Vorgespräch führen. Dieses sollte sich auf folgende Aspekte beziehen: Thema, inhaltliche Schwerpunkte und erwartetes Ergebnis der gesamten Veranstaltung, Rolle des jeweiligen Referats, Termin, Veranstaltungsort, Zielgruppe, erwartete Gruppengröße, Einsatz von Medien und Methoden, Länge des Vortrags, Länge der Diskussion.

Verlauf
Für einen Vortrag gibt es keinen verallgemeinerbaren Ablauf. Im folgenden werden daher (in Anlehnung an Brühwiler 1992) nur einige Modelle zur Strukturierung von Vorträgen beispielhaft aufgeführt, die einige allgemeine Orientierungspunkte liefern können.
Die beiden ersten Modelle variieren die Abfolge: konkrete Ausgangssituation - allgemeine Überlegungen, Erfahrungen andernorts etc. - Rückführung zur Ausgangssituation und Auswertung:

  • Frage/Problem,
  • mögliche Antworten,
  • Schlussfolgerung;
  • Situationsbeschreibung,
  • Probleme,
  • Positive Praxisbeispiele,
  • Was heißt das für uns?

Sofern Ausgangssituation und Problembeschreibung klar ist, kann auch gleich mit dem zweiten Schritt begonnen werden, was folgendes Schema ergibt:

  • Praxisbeispiel(e),
  • Detaillierte Betrachtung einzelner Aspekte,
  • Schlussfolgernde Thesen.

Generell kommt es darauf an, Spannungen zu erzeugen, die zur eigenen Meinungsbildung anregen, und zugleich Bewertungen transparent zu machen. Dazu dient noch immer am besten das klassische Schema:

  • These,
  • Antithese,
  • Synthese;

das wiederum in zahlreichen Varianten vorzufinden ist. Ein Beispiel:

  • Meinungen zum Thema,
  • Gegenmeinungen,
  • Vergleich der Ansichten,
  • Bewertung und Begründung des eigenen Standpunktes,
  • Folgerungen, offene Fragen.

Es wird deutlich: hier sind zahlreiche Kombinationen und Varianten denkbar und Praxis.
Unverzichtbar für den sinnvollen Aufbau des Vortrages sind jedoch bestimmte Anfangs- und Schlusselemente:

  • Zu Beginn sollten Ausgangspunkte und Gedankengang grob umrissen werden. Dies sollte nicht in Form einer Kurzfassung geschehen, die die Ergebnisse vorweg nimmt sondern eher Neugier wecken, in jedem Fall aber das Publikum grob über den Ablauf orientieren.
  • Am Schluss sollten diejenigen Aspekte, die nach Auffassung der Vortragenden für die weitere Arbeit von Bedeutung sind (vorläufige Ergebnisse, ,Schlussfolgerungen, offene Fragen) in pointierter Form sichtbar werden.

Hinweise zur Durchführung. Die inhaltliche Ausgestaltung des Vortrags sollte sich eng an dem vereinbarten inhaltlichen Rahmen orientieren und dabei vor allem die Voraussetzungen der Zuhörerschaft (Kenntnisstand, inhaltliche Interessen) berücksichtigen. Dazu gibt es in den vielen Handbüchern zum Thema zahlreiche "Formeln" und Empfehlungen. Wir geben hier lediglich zwei wieder: Zunächst die AIDA-Formel. Danach sind folgende vier Punkte von Bedeutung (vgl. Decker 1994, S. 139):

  • Attention: Aufmerksamkeit erzeugen,
  • Interest: Interesse fördern,
  • Desire: Bedürfnisse ansprechen,
  • Action: Zum Handeln auffordern, Konsequenzen für praktisches Handeln aufzeigen.

Nach Knoll (1991, S. 99) kann eine Orientierung an Kenntnisstand und Interessen der Zuhörerschaft vor allem dadurch erreicht werden, dass man

  • "an die Situation und Fragen der Hörer anknüpft..;
  • das Referat klar und übersichtlich strukturiert (z.B. Absätze deutlich werden lässt, Unterpunkte numeriert) und die Gliederung vorlegt ... ;
  • die Lernschritte verkleinert (z.B. durch die Begrenzung des Stoffumfangs und Zuspitzung auf wesentliche Fragen bzw. Aussagen);
  • auf sprachliche Verständlichkeit achtet (Vermeidung von Fremdwörtern, Erklärung von Fachbegriffen, anschauliche Darstellung)".

Zum Vortragsstil gibt es gleichfalls zahlreiche Hinweise. Im Mittelpunkt steht: "Sprechen Sie frei". Nur an einem "Spickzettel" orientiert, soll der Stoff, das Risiko von Versprechern nicht scheuend, präsentiert werden. Das wirkt lebendiger, baut Distanz zu den Vortragenden ab und erleichtert so auch die spätere Diskussion. Es setzt dies allerdings dreierlei voraus:

  • Bereitschaft zur Orientierung am Publikum: selbstgefälliges Drauflosreden (wie man es oft von jenen hört, die in Hierarchien als Vorgesetzte fungieren) ist nicht gemeint;
  • eine gut strukturierte Disposition: sie muss inhaltlich klar sein und in der Form dem Auge Orientierung geben;
  • viel Übung: nur wenige sind "geborene" Redetalente. Alle anderen müssen ihre Fähigkeiten durch Arbeit erwerben. Schulungen sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Von Bedeutung ist, dass man die alltägliche Praxis zum Lernen nutzen kann. Das setzt Selbstkritik und die Bereitschaft von Kolleginnen und Kollegen zum Feedback voraus.
    Wo es an entsprechender Praxis fehlt, kann es dennoch sinnvoll sein, den Redetext schriftlich auszuformulieren Das Manuskript sollte dann optisch klar gegliedert sein, dass es als Grundlage zur Darstellung dient, zugleich aber die Möglichkeit bietet, in schwierigen Situationen, zum ausformulierten Text zurückzukehren.

Seifert (1994, S. 66) gibt weitere Hinweise: "Setzen Sie Ihre Stimme gezielt ein. Variieren Sie in Lautstärke und Sprechtempo und Stimmlage, um zum Beispiel wesentliche Punkte hervorzuheben, Sinnzusammenhänge zu verdeutlichen, die Aufmerksamkeit zu konzentrieren. Bilden Sie kurze, verständliche Sätze mit gezielten Pausen. ... Gehen Sie äußerst vorsichtig mit Fachjargon um... Vermeiden Sie verschleiernde Redewendungen wie man', 'würde sagen'... Schränken Sie ihre Gestik nicht bewusst ein. Intensivieren Sie ihre Gestik, wenn Sie Aufmerksamkeit gewinnen wollen. Filzstifte etc. nicht zum Spielen benutzen, sondern nur zum Arbeiten. Zeigen Sie bei Pinwand und Flip-Chart direkt mit der Hand, nicht mit Gegenständen..."
Die Liste der Hinweise ließe sich verlängern. Aber vielfach sind es nicht solche technischen Details, die über den Erfolg eines Vortrags entscheiden. Ausschlaggebend ist vielmehr die Ausstrahlung der Vortragenden, insbesondere ihre Einstellung zu Thema und Publikum: Wenn der Eindruck entsteht, dass da jemand redet, der selber am Thema interessiert und dem daran gelegen ist, sein Publikum zur Auseinandersetzung mit dem Thema zu motivieren, dann sind die wesentlichen Grundlagen für eine positive Wirkung des Vortrags geschaffen.
Der Einsatz von Medien dient vor allem dazu, den Vortrag lebendiger zu gestalten und das gesprochene Wort durch optische Eindrücke zu unterstützen (was wesentlich zum Einprägen der Inhalte beiträgt, sagen die Lerntheoretiker): "Anschaulichkeit ist erreicht, wenn ein besprochener Inhalt, der sprachlich/begrifflich erfasst wird, mit sinnlichen Qualitäten angereichert wurde" (Mischke u.a. 1982, S. 60). Daher ist sehr zur Verwendung von Medien zu raten. Zugleich ist vor einer Bilder- oder Folienflut zu warnen: Sie überlagert das Vorgetragene und führt zu einem Informationswirrwarr. Die Kunst besteht also im sparsamen und gezielten Einsatz der Medien.
Einige Details: Bei der Verwendung von Tafel, Wandzeitung, Flip-Chart sollte mit dunklen Farben (weiß bei Tafeln) groß geschrieben werden, dass die Schrift auch auf Entfernung noch gut zu lesen ist; Unterschiedliches ggf. mit verschiedenen Farben kennzeichnen. Wer nicht während des Vortrags schreiben oder zeichnen will, kann auch Darstellungen vorbereiten und sie z.B. bei Flip-Charts durch Umblättern schrittweise vorführen. Wandzeitungen oder Stellwände können zudem wichtige Informationen, die bewusst bleiben sollen, als Daueraushang im Veranstaltungsraum festhalten.
Der Einsatz von Hörspielen u.ä. bedarf großer Aufmerksamkeit und sollte nicht länger als 5-10 Minuten dauern. Overheadfolien und Dias eignen sich gut als "erzählbegleitende Medien". Aber auch hier gilt: sparsamer und gezielter Einsatz. Auf zwei Gefahren bei Dias ist aufmerksam zu machen: Nicht zum "Geschichtenerzählen" entlang der einzelnen Bilder verleiten lassen. Bei vielen geht dann der rote Faden verloren. Und: Ein verdunkelter Raum ermüdet. Zugleich haben die Vortragenden keinen Blickkontakt zum Publikum und reagieren so oft zu spät auf Desinteresse und Überreizung.
In vielen Fällen ist es sinnvoll, mit "Handouts" die Zuhörerinnen und Zuhörer vom Mitschreiben zu entlasten. Werden z.B. die Gliederung und ein kurzes Thesenpapier vervielfältigt und verteilt, kann man das für Randnotizen nutzen und hat für die weitere Arbeit gute Grundlagen.

Weiterarbeit
Der Vortrag oder Kurzvortrag wird meist durch eine Diskussion weitergeführt. Sinnvolle Überleitungen sind z.B. provokative Thesen, Fragestellungen oder Kleingruppenarbeit mit einer gezielten Aufgabenstellung.

Beispiele

  1. Im Rahmen einer Tagung zur kommunalen UVP hält eine Referentin einen Vortrag über ein abgeschlossenes Verfahren in der Gemeinde X. Die Veranstalter der Tagung haben sich mit ihr vorher abgesprochen, u.a. dass ihr Vortrag maximal 30 Minuten dauern soll. Die rund 80 teilnehmenden Personen kommen überwiegend aus der kommunalen Politik und Verwaltung. Sie sind interessiert, was die kommunale UVP für ihre Gemeinde bedeuten kann. Die Referentin verteilt zu Beginn ihre Gliederung an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer und stellt sie vor: 1. Die Gemeinde X, 2. Das UVP-Verfahren in der Gemeinde X, 3. Positive und negative Erfahrungen, 4. Thesen zur Übertragbarkeit des Verfahrens.
    Während des Vortrags bietet die Referentin nach jedem Gliederungspunkt die Möglichkeit, Verständnisfragen zu stellen. Zur Vorstellung der Gemeinde X werden einige Dias gezeigt. Zum Gliederungspunkt UVP-Verfahren wird auf Folie ein Ablaufschema vorgestellt. Zu den bisherigen Erfahrungen spielt die Referentin ein vierminütiges Interview mit dem Gemeindedirektor auf Tonband ab. Darauf aufbauend formuliert die Referentin zum Schluss Thesen zu dem erprobten Verfahren, die sie für alle sichtbar auf einer Folie auch während der anschließenden Diskussion stehen lässt.
  2. Im Rahmen eines Workshops zu Fragen der Neuorganisation kommunaler Verwaltung werden zunächst drei Referate gehalten, die sich mit Fragen der Verwaltungsreform, neuem Planungverständnis und konkreten Formen der Kooperation befassen. Greifen wir das 2. Referat heraus: Eingangs wird die Zielsetzung des Referates benannt und der Gedankengang anhand einer Folie erläutert: 1. Veränderungen im Bild der Planung, 2. Gemeinsame Nenner, 3. Mögliche Missverständnisse, 4. Folgerungen für die Praxis.

    Zum ersten Punkt werden anhand einiger typischer Planungsaufgaben Veränderungen im Planungsverständnis erläutert. Dazu werden - je Beispiel zwei - Dias gezeigt. Da der Raum weitgehend verdunkelt werden musste, wird nach diesem Punkt wieder das Tageslicht hereingelassen und im weiteren Verlauf nur mehr auf Overheadfolien zurückgegriffen. Die Gliederungspunkte 2 und 3 eröffnen nach dem Muster Meinung - Gegenmeinung ein Spannungsfeld, das im 4. Referatsteil aufgelöst wird - allerdings nicht mit fertigen Resultaten, sondern eher in Frageform, die als Aufforderung zur Diskussion verstanden werden sollen.
    Es folgt eine kurze Rückfragen-Runde, in der deutlich wird, dass dem Publikum einige der Überlegungen noch abstrakt zu sein scheinen. Man vereinbart, solchen Punkte in den nachmittäglichen Arbeitsgruppen nachzugehen. Dies geschieht: Übertragungsmöglichkeiten werden benannt und offene Fragen, die weiterer Auseinandersetzung bedürfen, herausgearbeitet.

  3. Eine Siedlung soll unter Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner erneuert werden (Gebäudemodernisierung bzw. Umfeldverbesserung). In einer Einführungsveranstaltung wird das Projekt vorgestellt. Vor allem geht es um die Frage, was Mietermitwirkung bedeuten kann. Ein Referent des betreuenden Büros umreißt die Ausgangssituation und verweist darauf, dass den Bewohnerinnen und Bewohnern möglicherweise unklar sei, welche Rolle sie bei der Erneuerung übernehmen könnten. Um dies zu verdeutlichen wolle man ein Beispiel vorstellen. Der zweite Teil des Referats wird dann von einer Bewohnervertreterin aus einer Siedlung bestritten, die bereits Erfahrung mit Mietermitwirkung hat. Unterstützt durch Dias wird der Prozess erläutert. Abschließend werden vom Betreuer noch einmal die wesentlichen Punkte zusammengefasst und in Fragen für die weitere Diskussion umformuliert. In der folgenden Aussprache zeigt sich, dass das Beispiel wesentlich dazu beigetragen hat, anfängliche Irritationen abzubauen. Offensichtlich ist etwas klarer geworden, was auf die Bewohnerschaft zukommt. Die Moderatorin der Veranstaltung sammelt alle wichtigen Diskussionspunkte durch Mitschreiben auf einer Folie und schließt dann die Versammlung mit dem Hinweis, dass in den nächsten Monaten weitere Veranstaltungen folgen werden, die Einzelaspekten gewidmet seien

Tipps

  • Es ist entscheidend, die Vorträge in ihrer Sprache und ihrem Stil auf das Publikum auszurichten.
  • Es empfiehlt sich, möglichst frei zu reden.
  • Die Vortragenden sollten auf eine abwechslungsreiche Gliederung und Präsentation achten.
  • Medien sind wesentlich für den Vermittlungserfolg. Sie müssen aber sparsam und gezielt eingesetzt werden.

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3.4  Metaplan-Technik ("Zettelwand")

Visualisierung unterstützt wesentlich den Erfolg der Vermittlungsarbeit. Aus diesem Grunde sind Pin- oder Zettelwände (bzw. ähnliche Formen der Strukturierung und Ergebnissicherung) heute praktisch unverzichtbarer Bestandteil jeder moderierten Veranstaltung. Dieser Bedeutung entsprechend ist die Zettelwand-Arbeit an einem Beispiel dargestellt: der so genannten Metaplan-Technik. Zettelwände sind hier ein zentrales Mittel zur Problembenennung, Ideensammlung und Lösungsfindung.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • zum Beispiel geeignet für: praktisch alle Beteiligungsformen, die die gemeinsame Erarbeitung von Inhalten vorsehen (wie: Vorbereitung einer Ortsbegehung, Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Forum, Planungszelle, kooperativer Workshop, Runder Tisch, Arbeitsgruppe).
  • Teilnehmerzahl: maximal 40
  • Dauer: Beschriften der Zettel: je nach Arbeitsauftrag 15 bis 45 Minuten; Erläutern und Aufhängen der Zettel: 20 bis 40 Minuten
  • Material/Medien: Genügend DIN-A5-Zettel, dicke Filzstifte (entsprechend der Teilnehmerzahl), Pinnägel, Stellwände, Wandzeitung oder Flip-Chart
  • Vorbereitung: Fragestellung festlegen und evtl. auf die Wandzeitung oder Stellwand aufschreiben.

Verlauf

  • Einführung: Anliegen, Thema und Methode der Veranstaltung werden erläutert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden gebeten, sich einzeln oder nach Erörterungen in Kleingruppen zum Thema zu äußern.
  • Arbeitsphase: Antworten auf die thematische Frage bzw. Ergebnisse der Diskussionen werden in wenigen Stichworten festgehalten, jedes Stichwort auf einen DIN-A5-Zettel in großer Schrift notiert und an der Zettelwand befestigt. Dabei können die einzelnen Zettel laut vorgelesen und bei Bedarf erläutert werden.
  • Strukturierung: Unter Umständen sind die Zettelwände bereits thematisch vorstrukturiert (z.B. Was ist das Problem? Welche Ziele sollen verfolgt werden? Welche Umsetzungsprobleme werden gesehen und wie ist mit ihnen umzugehen?). In jedem Fall soll aber versucht werden, inhaltlich zusammengehörige Zettel neben- oder untereinander zu hängen, so dass Häufungen bzw. Schwerpunkte sichtbar werden. Hierbei kann die Moderation behilflich sein. Wenn sichtbar wird, dass das Reservoir erster Stichworte erschöpft ist, sollte ein Zwischenresümee versucht werden: Ergebnisse werden (auch durch Umstecken an der Pinwand sichtbar) zusammengefasst und mit den Meinungen im Teilnehmerkreis abgestimmt. Zugleich werden weiterführende Fragen oder ungeklärte Kontroversen benannt und zur Diskussion zurückgegeben.
  • Arbeitsphase: Es kann ein weiterer Zyklus, nunmehr eingegrenzt auf die zuvor festgelegten Fragen bzw. Probleme, folgen. Gegebenenfalls lassen sich auch Kleingruppenarbeit oder Kurzreferate anschließen, deren Ergebnisse sich aber wieder an der Zettelwand niederschlagen müssen.
  • Auswertung der Ergebnisse: Nach dem Durchlaufen eines oder mehrerer solcher Zyklen sollten an der Zettelwand bereits inhaltliche Schwerpunkte und vergleichbare Einschätzungen deutlich ablesbar sein. Diese Ergebnisse werden - in Abstimmung mit den Beteiligten - von der Moderation noch einmal zusammengefasst. Zudem wird auf die Verwendung dieser Arbeitsergebnisse bzw. auf die nächsten Arbeitsschritte hingewiesen.

Hinweise zur Durchführung
Gelegentlich löst die Aufforderung, Stichworte aufzuschreiben, Leistungsdruck aus: Einige notieren sehr viele Stichworte, andere versuchen, sich mit besonders geistreichen Nennungen hervorzutun, wieder andere werden durch diesen Druck blockiert. Deshalb sollte die Moderation betonen, dass es nicht auf die Menge ankommt und auch nicht auf eine besondere "Qualität". Vielmehr geht es um eine gemeinsame Sammlung, an der sich möglichst alle beteiligen sollten. Um deutlich zu machen, wie breit das Spektrum der Nennungen sein kann, ist es u.U. sinnvoll, einige (wenige) Stichworte, die bereits in der Vorbereitungsphase auffielen, beispielhaft an die Wand zu hängen.
Dies empfiehlt sich auch aus einem anderen Grund: In der Regel schreiben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Stichworte zu klein auf die Zettel. Der "Muster-Stichwortzettel" verdeutlicht die notwendige Größe der Schrift. Gegebenenfalls muss im Verlauf der Veranstaltung noch einmal auf dieses Problem hingewiesen werden.
Das Auftreten von gleichartigen Stichwortzetteln ist ein wichtiges Ergebnis. Alle Zettel sollten also aufgehängt (und nicht etwa "Doppelnennungen" aussortiert) werden.
Bei dem Versuch die Zettel zu systematisieren, sollten nur grobe Einteilungen vorgenommen werden. Die allzu perfekte Zuordnung kann ansonsten zu einem frustrierenden und zähen Arbeitsprozess führen. Diejenigen Stichworte, die sich nicht sofort zuordnen lassen, werden gesondert aufgehängt ("Fundus"). Die Gruppe kann zu einem späteren Zeitpunkt deren Zuordnung noch einmal prüfen.
Die Methode bedarf der Übung, damit es bei der Platzaufteilung auf der Stellwand, der Zuordnung der Zettel etc. keine Schwierigkeiten gibt. Insbesondere die präzise Zusammenfassung eines Zwischenstands will geprobt sein.
Besonders bei größeren Gruppen sollte die Moderation aus mindestens zwei Personen bestehen (so kann eine z.B. die Gesprächsführung übernehmen und die andere an der Pinwand arbeiten). Der Sinn der Veranstaltung wird für die Beteiligten vor allem sichtbar, wenn in der weiteren Arbeit (z.B. in Referaten, in Arbeitsgruppen) auf die Ergebnisse Bezug genommen wird.

Weiterarbeit
Die Arbeitsergebnisse sollten dokumentiert werden. Vielfach werden von den Stellwänden bzw. Wandzeitungen Fotos angefertigt, die - fotokopiert -anschließend allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern als Protokoll zur Verfügung stehen.

Beispiele

  1. Im Rahmen der Dorferneuerung Schwaförden luden die Projektbeauftragten zu einem ersten Treffen ein, an dem rund 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger teilnahmen. Ziel dieses Treffens war es, themenbezogene Arbeitsgruppen zu bilden und erste Aspekte für diese zu sammeln. Die Moderation forderte nach einigen einleitenden Worten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, ihre Wünsche und Vorstellungen an die Dorferneuerung stichwortartig auf Karten zu schreiben. Zwei beispielhafte Karten, die die Moderation bereits beschriftet hatte, dienten zur Verdeutlichung, Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekamen genügend Karten und dicke Stifte. Sie erhielten ca. 15 Minuten Zeit, um ihre Stichworte zu notieren. Das Moderationsteam sammelte die Karten danach ein, las die Stichworte laut vor und verteilte sie - mit Bezug zu bestimmten Themenfeldern - auf der Stellwand. Im Teilnehmerkreis herrschte große Aufmerksamkeit. Der Sortierungsvorschlag wurde anschließend diskutiert und auf Anregungen aus dem Teilnehmerkreis hin verändert. Abschließend entstanden fünf Arbeitsgruppen zu den Themenfeldern Dorfökologie, Ortsgestaltung Dorfleben, Landschaftsplanung und Dorfgeschichte, die sich in den folgenden Wochen mehrfach trafen (vgl. Henckel/Knieling/Sinning 1992).
  2. Zu einem Werkstattgespräch über Fragen der Stadtteilentwicklung in einer norddeutschen Großstadt sind etwa 40 Fachleute eingeladen worden.. Für zwei konkrete Quartiere sollen Möglichkeiten der Nutzungsmischung erörtert werden. Einleitend werden Thema und Programm erläutert sowie der Teilnehmerkreis gebeten, die vorhandenen Pinwände zu nutzen, um parallel zum ersten Veranstaltungsblock, der Referate vorsieht, Stichworte zu vorgegebenen groben Fragen zu notieren. In der Mittagspause wird das Ergebnis von der Moderation gesichtet und zu Beginn des Nachmittagsblocks dem Teilnehmerkreis vorgestellt. Gemeinsam werden vier Schwerpunkte gebildet, die die weitere Diskussion strukturieren. Deren Verlauf wird wiederum auf den Pinwänden dokumentiert und abschließend zusammengefasst.

  Tipps

  • Die Moderation dieses Verfahrens will geübt sein. Sinnvoll ist der Einsatz eines Moderationsteams, das sich Gesprächsführung und Pinwand-Arbeit teilt.
  • Alle Karten sollten aufgehängt werden. "Über-Systematisierungen" sind zu vermeiden.

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3.5  Arbeit mit Bildern

Da für viele das Reden und Diskutieren in Gruppen ungewohnt ist, sind Bilder ein wichtiges ergänzendes Kommunikationsmittel. So kann assoziatives, schöpferisches Denken angeregt und Gesprächsbereitschaft gefördert werden. Über das "Arbeiten mit Bildern" wird insbesondere der anschauliche Einstieg in das Thema erleichtert. Einzelne Varianten ermöglichen die Bewertung von Plänen oder Bildern bzw. die Sicherung dieser Arbeitsergebnisse.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: Bürgerversammlung, Ausstellung, Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, Vorbereitung einer Ortsbegehung, Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Forum, Planungszelle, Workshop, Runder Tisch, Arbeitsgruppe, Zielgruppenbeteiligung.
  • Teilnehmerzahl: maximal 20
  • Dauer: 10 bis 60 Minuten (je nach Anzahl der Bilder sowie Art und Umfang der Aufgabenstellung)
  • Material/Medien: Bildsammlung (Fotos, Dias, Zeichnungen etc.)
  • Vorbereitung: Motive der Foto-, Bild- oder Diasammlung entsprechend dem ausgewählten Thema zusammenstellen und Fragestellung festlegen.

Verlauf
Die Arbeit mit Bildern erleichtert vor allem den Einstieg ins Thema. Im folgenden werden beispielhaft drei Varianten beschrieben. Bei der weiteren Ausgestaltung dieser oder anderer Vorgehensweisen sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt:

a) Bilder auswählen: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sitzen um einen Tisch oder in einem Stuhlkreis. Die Bilder liegen für alle gut sichtbar auf dem Tisch bzw. auf dem Fußboden aus. Durch die Moderation wird kurz das Thema der Veranstaltung erläutert und darauf hingewiesen, dass der gemeinsame Einstieg über die ausgelegten Bilder erfolgen soll. Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden gebeten: "Schauen Sie sich zunächst alle Bilder in Ruhe an." ... "Suchen Sie sich nun ein Bild aus, dass Sie persönlich in bezug auf unser Thema anspricht." (Zwei oder mehrere Teilnehmende können auch das gleiche Bild auswählen.). Als nächstes stellen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer reihum ihre Bilder vor und erzählen kurz, warum sie sich für dieses entschieden und welche Assoziationen sie dazu haben.

b) Bilder vorgeben: Diesmal werden die Bilder vorgegeben - verbunden mit den Fragen:

  • "Was fällt mir zu diesem Bild bzw. zu diesen Bildern ein (offene Frage) oder
  • "Was sagen die Bilder zu einer bestimmten Fragestellung aus?" (konkrete, vorstrukturierte Frage, die auf das Veranstaltungsthema bezogen ist).

Die Aufgabe kann in Kleingruppen oder im Plenum gemeinsam besprochen werden. Gegebenenfalls werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgefordert, zunächst für sich Notizen zu machen und diese dann im Plenum einzubringen.

c) Bilder bzw. Pläne kommentieren: Wieder werden zu Beginn Bilder bzw. Pläne vorgestellt und das Thema kurz erläutert (sofern es nicht schon in Gruppen erörtert wurde). Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen dann die Aufgabe, allein oder in Kleingruppen:

  • durch verschiedenfarbige Klebepunkte die Stellen auf dem Bild oder dem Plan zu markieren, die ihnen gefallen (z.B. grüner Klebepunkt) bzw. nicht gefallen (z.B. roter Klebepunkt) und die Punkte mit kurzen Notizen zu erläutern (siehe Abbildung).
  • die Stellen auf dem Bild oder auf dem Plan zu einer bestimmten Fragestellung (z.B. Wo sind aus Ihrer Sicht geeignete Orte, um sich aufzuhalten?) zu markieren und mit Stichworten zu erläutern. Die Moderation zeigt dazu die Aufgabenstellung an einem konkreten Beispiel auf.

Die Bilder oder Pläne werden anschließend im Plenum vorgestellt.

d) Weitere Varianten: Zu vorgegebenen Bildern "Geschichten ausdenken" oder "Comics erfinden". Diese Varianten eignen sich vor allem in der Arbeit mit Jugendlichen.

Hinweise zur Durchführung
Es ist wichtig, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausreichend Zeit einzuräumen, die Bilder auf sich einwirken zu lassen. Bei den Vorstellungsrunden bietet es sich an, dass die Moderation ein von ihr ausgewähltes Bild zuerst vorstellt, um zu verdeutlichen, wie die Vorstellung gemeint ist.
Es empfiehlt sich, eine eigene thematische Sammlung von Bildern, Fotos und Dias anzulegen, so dass man bei wiederholter Anwendung dieser Methode darauf zurückgreifen kann. Für die Sammlung von Bildmaterial eignen sich Tageszeitungen, Zeitschriften, Illustrierte, Postkarten und Fotos.
Gegebenenfalls können auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gebeten werden, Bilder zum Thema mitzubringen. Unter Umständen kann auf Vorarbeiten aus anderen Zusammenhängen zurückgegriffen werden: etwa lokale Geschichtsarbeitskreise, VHS-Gruppen, Dokumentationen der lokalen Presse mit thematischem Bezug etc.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten die Ergebnisse und Bilder im Veranstaltungsraum aufhängen. So sind sie für alle sichtbar und können bei Bedarf wieder aufgegriffen werden.

Weiterarbeit
Mit Hilfe der Bilder und notierten Ergebnisse kann die Gruppe Themenschwerpunkte herausarbeiten, die sie vertieft diskutiert.
Im Verlauf der weiteren Arbeit sollte immer wieder versucht werden, Bezüge zu den Bilderläuterungen bzw. -kommentaren zu schaffen.
Die Variante "Bilder nach bestimmten Aspekten kommentieren" eignet sich sehr gut, um das so erläuterte Bildmaterial später zum Beispiel zur Vorstellung in einem Gremium (z.B. Ausschuss) oder für eine Ausstellung zu nutzen.

Beispiel
In der Stadt Wunstorf fand ein Volkshochschulkurs zum Thema "Frauengerechte Stadtplanung" auf Initiative der Frauenbeauftragten statt. Ziel des Kurses war es, städtebauliche Entwürfe eines neu auszuweisenden Gebietes aus Frauensicht zu kommentieren und die erarbeiteten Vorschläge in einer Bauausschusssitzung vorzustellen. Zum Einstieg in das Thema wurden Bilder ausgelegt auf denen Frauen in der Stadt mit unterschiedlichen Tätigkeiten dargestellt waren. Die Teilnehmerinnen ließen zunächst die Bilder auf sich wirken. Dann suchte sich jede ein Bild aus, das sie persönlich ansprach. In der anschließenden Runde stellte zunächst eine der beiden Moderatorinnen ihr ausgewähltes Bild vor. Über die weiteren Bildvorstellungen kam eine rege Diskussion über Situationen auf, in denen sich Frauen in der Stadt wohl fühlen und in denen ihr Alltag erschwert ist. Diese Aspekte sammelten die Moderatorinnen in einer Wandzeitung, auf die sie bei der späteren Diskussion über die konkreten Entwürfe zurückgriffen. In der 5. Sitzung des VHS-Kurses kommentierten die Teilnehmerinnen die städtebaulichen Entwürfe mit roten und grünen Klebepunkten, die jeweils kurz erläutert wurden: was gefällt mir hier (grün), was nicht (rot)? (vgl. Wessolowski 1993).

  Tipps

  • Es empfiehlt sich, auf die Auswahl der Bilder Wert zu legen. Es sollte möglichst auf Vorarbeiten, etwa von Arbeitskreisen zur Geschichte eines Stadtteils etc., zurückgegriffen werden.
  • Sofern die Bilder kommentiert werden, sollte die Moderation dies zu Beginn an einem Beispiel verdeutlichen.
  • Besonders prägnante Bilder gilt es, zu sichern. Sie können für die weitere Arbeit sinnvoll sein.

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3.6  Pro- und Contra-Diskussion

In Beteiligungsprozessen sind die Akteure oft mit gegensätzlichen Meinungen konfrontiert und müssen sich mit diesen auseinandersetzen, um zunächst die Gegenseite zu verstehen und dann ggf. zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Viele Bürgerinnen und Bürger sind zudem den redegewandten und argumentationsgeschulten Fachleuten oder Funktionären unterlegen. Hier bedarf es der Übung. 
Mit der Pro- und Contra-Diskussion wird beides geschult: Für- und Gegen-Argumente zu einem Thema zu erfassen und transparent zu machen sowie in kontroversen Diskussionen argumentationsfähig zu werden.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: Als Grundschema ist die Zergliederung komplexer Argumentationen in Pro- und Contra-Meinungen in vielen verschiedenen Zusammenhängen anzutreffen. Im Sinne einer gezielten Argumentationsschulung ist diese Methode wohl vor allem für Arbeitsgruppen, für die Vorbereitung von Bürgerversammlungen, Foren, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen sowie für die Zielgruppenarbeit geeignet.
  • Teilnehmerzahl: maximal 20
  • Dauer: 10 bis 20 Minuten für die Vorbereitung, 20 bis 40 Minuten für die eigentliche Diskussion, 30 bis 40 Minuten für die Auswertung
  • Material/Medien: Wandzeitung, dicke Filzstifte, evtl. Pult oder Podium
  • Vorbereitung: Fragestellung vorstrukturieren und anregende Einführung vorbereiten.

Verlauf:
Die Pro- und Contra-Diskussion kann in folgenden Schritten ablaufen:

  • Vorbereitung (ca. 10 bis 20 Minuten): Erläuterung von Thema und Verfahren; Aufteilen der Gesamtgruppe in zwei Parteien. Die eine Partei übernimmt den "Pro-", die andere den "Contra-Part". Die beiden Parteien denken sich jeweils in ihre Sicht ein und notieren sich Stichworte für die Argumentation.
  • Pro- und Contra-Diskussion (ca. 20 bis 40 Minuten): Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der beiden Parteien argumentieren nun abwechselnd aus ihrer jeweiligen Sicht, d.h. ein Pro- und ein Contra-Argument wechseln sich ab. Oder: Für jede Partei wird jeweils eine Sprecherin bzw. ein Sprecher bestimmt, die dann die verschiedenen Argumente austauschen. Um möglichst vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Üben dieser Diskussion zu ermöglichen, können auch mehrere kürzere Durchläufe (mit unterschiedlichen Fragestellungen) durchgeführt werden.
    Nach einer ersten Runde tauschen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der beiden Parteien jeweils ihre Rollen. Das Verfahren wiederholt sich.
  • Auswertung (ca. 30 bis 40 Minuten): Die Auswertung bezieht sich sowohl auf die Inhalte der Argumentation (Was hat sich aus der Diskussion für die Wahrnehmung des Problems ergeben? Wie ist mit einzelnen Positionen umzugehen?) als auch auf die Argumentationsweisen (Wurden die Positionen verständlich und überzeugend dargestellt etc.?).

Hinweise zur Durchführung
Meist ist es am sinnvollsten ein Zufallsprinzip für die Einteilung der Pro- und Contra-Gruppen zu wählen. "Es geht gerade nicht darum, sich der Partei zuzuschlagen, die der ... eigenen Meinung entspricht, sondern sich in eine Argumentationsweise einzufühlen - ganz gleich, ob sie der eigenen Einstellung entspricht oder nicht" (Knoll 1991, S. 131). Es muss daher unter Umständen auch mehrfach darauf hingewiesen werden, dass es hier um die Übernahme einer Rolle geht, die überzeugend ausgefüllt werden soll.
Die Moderation sollte darauf achten, dass alle die Möglichkeit zum Mitmachen bekommen und dabei jeweils verschiedene Seiten der Argumentation kennen  lernen. Wichtig ist vor allem, das Thema oder die Fragestellung für alle verständlich zu formulieren.
Es besteht auch die Möglichkeit, die zweite Runde, in der die Rollen getauscht werden, auszulassen. Allerdings wird das Lernziel der Methode eher durch beide Runden erreicht. Außerdem kann in der zweiten Runde unter Umständen auf einem höheren inhaltlichen Niveau argumentiert werden, indem die Erfahrungen der ersten Runde gezielt genutzt werden.

Weiterarbeit
Nach einer solchen Pro- und Contra-Diskussion ist oft eine gute Basis geschaffen, um an einem (Konflikt-)Thema konstruktiv weiter zu arbeiten, da eine Auseinandersetzung mit einer anderen Position stattgefunden hat. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können zum Beispiel gemeinsame Lösungen sammeln oder zusätzliche Informationen für die weitere Diskussion hinzuziehen(  Brainstorming,   Inhalte erschließen, Probleme erörtern). Falls die Pro- und Contra-Diskussion zur Vorbereitung einer realen Veranstaltung dient, ist diese Auswertung Grundlage für die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie.

Beispiel
In der Gemeinde W. wird ein Landschaftsplan erstellt. Die beauftragten Fachleute haben zu ihrem Vorhaben eine Arbeitsgruppe mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern eingerichtet. Ein Thema, das im Rahmen der Arbeitsgruppe diskutiert werden soll, ist die Erweiterung eines Kiesabbaugebietes und dessen Folgenutzung für die Naherholung. In der Bevölkerung und auch im Teilnehmerkreis gehen die Meinungen zu diesem Thema stark auseinander. Damit die unterschiedlichen Argumente, die für und gegen eine Erweiterung sowie eine entsprechende Folgenutzung bestehen, transparent werden und ein gegenseitiges Verständnis bei den unterschiedlichen Parteien hergestellt wird, moderieren die Planerinnen und Planer in einer Sitzung eine Pro- und Contra-Diskussion.
Die Moderation teilt die Gruppe zunächst nach einem Zufallsverfahren in die beiden Parteien auf, so dass die Parteien aus einer Mischung von tatsächlich zum Thema vorhandenen Meinungen bestehen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen dann die Aufgabe, sich in ihre jeweilige Rolle einzufinden und Argumente für ihre Partei zu sammeln. Nach etwa 15 Minuten beginnt die eigentliche Pro- und Contra-Diskussion. Die beiden Parteien sitzen sich gegenüber und argumentieren abwechselnd aus ihrer jeweiligen Sicht. Die Pro-Partei nennt beispielsweise, dass durch die Erweiterung des Kiesabbaugebietes Arbeitsplätze erhalten werden können und dass ein attraktives Naherholungsgebiet entstehen wird. Die Contra-Partei erwidert, dass der erhöhte Lkw-Verkehr Belastungen mit sich bringe, die die Wohnqualität erheblich minderten. Auch ein späteres attraktives Naherholungsgebiet würde zusätzlichen Verkehr vor allem am Wochenende verursachen etc.
In dieser Weise tauschen die beiden Parteien ca. 20 Minuten ihre Argumente aus. Danach wechseln sie ihre Rollen, bereiten sich ca. 5 Minuten vor und tauschen wiederholt ihre Sichtweisen aus. Die Moderatorin versucht zwischendurch ruhige, wenig aktive Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Diskussion zu integrieren, indem sie sie nach ihrer Meinung z.B. zu der Verkehrsbelastung fragt.
Zum Schluss tragen alle Beteiligten die genannten Argumente in einer Wandzeitung zusammen und erörtern ihre Erfahrungen mit dem Übemehmen von verschiedenen Rollen.

  Tipps

  • Das Thema oder die Fragestellung für die Diskussion muss für alle verständlich sein.
  • Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen auch Positionen entwickeln und (überzeugend) vertreten, die nicht die ihren sind.
  • Die Auswertung der Pro- und Contra-Diskussion sollte inhaltliche und verhaltensbezogene Aspekte berücksichtigen.

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3.7  Sachverständigenbefragung

Viele Kommunikationsprozesse in Planungs- und und Entwicklungsvorhaben sind dadurch gekennzeichnet, dass Sach- und Fachinformationen unter den Beteiligten ungleich verteilt sind. Autodidaktisch, aus eigener Kraft sind solche Informationsdefizite vielfach nicht auszugleichen. Hier kann die Sachverständigenbefragung helfen. Sie ermöglicht eine intensive Beschäftigung mit dem Thema, übt Diskussionsverhalten, fördert die Urteilsfähigkeit und befähigt somit zu qualifizierter Auseinandersetzung.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung.

  • Zum Beispiel geeignet für: Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, Exkursion, Vorbereitung einer Anhörung, Vorbereitung einer Ausschusssitzung, Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Forum, Planungszelle, kooperativer Workshop, Runder Tisch, Arbeitsgruppe, Zielgruppenbeteiligung.
  • Teilnehmerzahl: maximal 40
  • Dauer: 30 Minuten für die Sammlung von Fragen (Vorbereitung), 60 bis 90 Minuten für die Befragung
  • Material/Medien: DIN-A4-Papier, Stifte, evtl. Wandzeitung und dicke Filzschreiber
  • Vorbereitung: Die Moderation muss geeignete Sachverständige einladen und mit ihnen Thema und Ablauf der Veranstaltung genau absprechen. Dabei sollten auch Voraussetzungen und Erwartungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer berücksichtigt werden.

Verlauf
Zu Beginn erläutert die Moderation das Thema und das Verfahren der Sachverständigenbefragung.

  • Vorbereitung der Befragung (ca. 30 Minuten): Es werden Kleingruppen (je 5 bis 6 Personen) gebildet, die Fragen zum Thema formulieren. Dabei können sich alle Gruppen mit dem Gesamtthema beschäftigen oder arbeitsteilig jeweils bestimmte Aspekte vorbereiten. Die Gruppen sollten ihre Fragen notieren und thematisch bzw. nach ihrer Wichtigkeit vorsortieren.
  • Sachverständigenbefragung im Plenum (60 bis 90 Minuten): je nach Thema kann die bzw. der Sachverständige zunächst mit einem einführenden Kurzvortrag (5 bis 10 Minuten) beginnen, der einen ersten Überblick vermittelt. Dann stellen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Fragen, die möglichst knapp und präzise beantwortet werden sollten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können nach Bedarf Rückfragen stellen, um zusätzliche Informationen zu bekommen.

Zum Schluss sollten die wichtigsten Ergebnisse und Erfahrungen in einer Abschlussrunde zusammengetragen, erörtert und evtl. auf einer Wandzeitung festgehalten werden.

Hinweise zur Durchführung
Die Kleingruppenarbeit sollte nach Möglichkeit in einem gemeinsamen Raum stattfinden, da ansonsten die Gefahr besteht, dass die Gruppe "auseinanderl läuft". Gleichzeitig kann dies eine verbindende Arbeitsatmosphäre für die nachfolgende Befragung schaffen, und es der Moderation erleichtern, den Überblick zu behalten. Bei der Sammlung von Fragen in den Kleingruppen geht es nicht darum, möglichst viele Fragen zusammenzutragen, sondern die Fragen, die der Gruppe als wesentlich erscheinen, zu erarbeiten. Die Moderation sollte darauf achten, dass möglichst alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Befragung eingebunden sind.
Häufig kommt es, trotz vorheriger Absprache, zu sehr langen Redebeiträgen von Seiten der Sachverständigen. Hier sollte die Moderation unbedingt eingreifen und betonen, dass es um knappe Aussagen geht. Die Auswahl geeigneter Sachverständiger ist nicht einfach. Sie sollen nicht nur sachkompetent und dialogfähig sein, sondern auch ihre Kenntnisse transparent darstellen: das heißt, dass sie dort, wo sie nicht weiter wissen "passen" und ggf. auf Literatur oder andere Experten verweisen. Die Sachverständigenbefragung kann auch in Verknüpfung mit einem Rollenspiel durchgeführt werden.

Weiterarbeit
Wenn die Sachverständigenbefragung zur Vorbereitung einer anderen Veranstaltung, wie z.B. innerhalb einer Arbeitsgruppensitzung für eine Anhörung oder Ausschusssitzung gedient hat, kommt es besonders auf eine gründliche Nach- bzw. Aufarbeitung der Befragung an.
Die Ergebnisse sollten möglichst schriftlich oder bildlich aufgearbeitet werden (   Arbeit mit Bildern).

Beispiel
Zur Vorbereitung einer Bauausschusssitzung in Wunstorf, in der Frauen ihre Bedenken zu drei vorliegenden städtebaulichen Entwürfen für ein Neubaugebiet äußern wollten, luden sie eine Mitarbeiterin des Stadtplanungsamtes als Sachverständige ein. Zunächst erläuterten die Moderatorinnen den Ablauf und das Thema des Treffens. Dann bildeten die anwesenden Teilnehmerinnen drei Kleingruppen. Jede Gruppe beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit einem Aspekt der städtebaulichen Entwürfe (Aspekte: Verkehr, Freiräume, Bebauung). Sie schrieben Fragen auf und überlegten sich, welche davon sie besonders wichtig fanden und wo Verknüpfungen zu den anderen Aspekten bestehen. Daraufhin gab die Mitarbeiterin eine kurze Einführung zu den drei vorliegenden städtebaulichen Entwürfen und stellte die Unterschiede heraus. Die Teilnehmerinnen hatten dann die Möglichkeit, zahlreiche Fragen zu den Entwürfen an die Sachverständige zu stellen. Dabei wurden den Teilnehmerinnen einige kritische Aspekte in den Entwürfen klarer. So stellten sie z.B. fest dass wohnungsnahe Erholungsmöglichkeiten in Form von Innenhöfen mit gemeinschaftlich nutzbaren Freiräumen fehlen, die geplanten Tiefgaragen für Frauen keine akzeptablen Parkmöglichkeiten darstellen und die Straßenbreite überdimensioniert ist (vgl. Wessolowski 1993, S. 79-83). Auf diesen Erkenntnissen aufbauend nahmen die Teilnehmerinnen bei einem weiteren Treffen eine Bewertung der Pläne vor und stellten diese in der Bauausschusssitzung vor.

  Tipps

  • Eine gezielte Absprache mit den Sachverständigen im Vorfeld ist sehr wichtig.
  • Benötigt wird ein ausreichend großer Raum, der sowohl für die Kleingruppenarbeit als auch für die Plenumsdiskussion geeignet ist.
  • Zu lange Beiträge von Seiten der Sachverständigen sollten unterbunden werden.
  • Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten die Möglichkeit bekommen, an der Befragung teil, zunehmen.

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4.  Ideen sammeln, Problemlösungen entwickeln

"Ideen-Finden und Probleme-Lösen können wir nicht voneinander trennen" (Brühwiler 1992, S. 79). Für jedes Problem gibt es nicht nur eine richtige Lösung, sondern eine Vielzahl von Möglichkeiten, das jeweilige Problem anzugehen. Sicherlich kann aus den vielen Möglichkeiten dann die beste Lösung herausfiltriert werden, aber dazu sind erst einmal zahlreiche Ideen nötig. Wenn viele ihre Ideen zusammentragen, vor allem wenn in einer Gruppe ein kreatives Klima geschaffen werden kann, wird der Fundus an Ideen besonders reichhaltig.
Mit dem Stichwort "kreatives Klima" wird auf einen zentralen Aspekt der folgenden Methoden verwiesen: Hier geht es immer auch darum, die Beteiligten in eine Situation zu versetzen, die sie in gewisser Weise frei macht von alltäglichen Rollenzwängen, gewohnten Denkschemata, üblichen Begründungszwängen und den damit verbundenen Blockaden. Die "Schere im Kopf", die Selbstzensur, soll - soweit es geht - außer Kraft gesetzt werden. Aus diesem Grunde weisen die hier beschriebenen Methoden immer auch spielerische Elemente auf (vgl. auch: Baer 1990). Das führt gelegentlich zu Widerständen: erwachsene, "ernsthafte" Menschen sind es nicht gewohnt, Problemlösungen "spielend" anzugehen. (Insbesondere beim Rollenspiel wird hierauf hingewiesen. Es gilt dies aber in unterschiedlichem Maße für alle Methoden.) Hier ist Überzeugungsarbeit der Moderation und unter Umständen ein schrittweises Gewöhnen an solche Arbeitsformen notwendig.
Wie in allen anderen Kapiteln ist auch die Aufzählung der Methoden nicht vollständig. Insbesondere fehlen solche, die, da sie nur für mehrtägige Veranstaltungen oder Veranstaltungsfolgen geeignet sind, viel Zeit benötigen, wie "Collage" und "Phantasiereise" (vgl. Knoll 1991, S. 145 und S. 151).

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4.1  Brainstorming

Beim "Brainstorming" geht es darum, den Gedanken, Ideen, Vorschlägen freien Lauf zu lassen, möglichst viele spontane Einfälle zu erzeugen und zu erfassen. Worin liegt der Nutzen einer solchen "wilden" Ideensammlung? Zunächst ist es immer wieder erstaunlich, wie groß und reichhaltig das ldeenpotential in einer Gruppe sein kann, wenn es denn Gelegenheit hat, sich zu entfalten. Insbesondere Beteiligte, die verschiedene Voraussetzungen und Erfahrungen mit einbringen (Fachleute unterschiedlicher Richtungen, Bürgerinnen und Bürger aus verschiedenen Lebenszusammenhängen etc.), vermögen gemeinsam ein sehr viel breiteres Spektrum zu erzeugen, als dies jeweils einzelne oder eine eng umrissene Gruppe für sich allein könnten. Zweitens wirken solche Ideensammlungen motivierend: Sie vermitteln den Beteiligten den Eindruck, dass auch ihre Ideen und Vorstellungen gefragt sind. Und drittens kann das Brainstorming ein guter Einstieg sein, um die Beteiligten an ein Thema heranzuführen und ihr Interesse zu wecken.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung:

  • Zum Beispiel geeignet für: ... nahezu alle Arbeitsformen, die ein Weiterverfolgen der entwickelten Ideen zulassen. Insbesondere: Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Forum, Planungszelle, kooperativer Workshop, Runder Tisch, Arbeitsgruppe, Zielgruppenbeteiligung.
  • Teilnehmerzahl: maximal 50
  • Dauer: 10-20 Minuten
  • Material/Medien: Wandzeitung und dicke Filzschreiber, oder Stellwand und Karten und Pinnägel oder Tafel und Kreide
  • Vorbereitung: Material bereithalten, Fragestellung, Thema und Verwendungszusammenhang (Weiterarbeit) für das Brainstorming festlegen.

Verlauf:
Thema, Fragestellung und Methode werden knapp erläutert. Dabei wird besonderer Wert auf die Vermittlung folgender Spielregeln gelegt:

  • alle Einfälle werden aufgeschrieben - auch noch so ausgefallene;
  • die Ideen anderer können aufgegriffen und weiterentwickelt werden;
  • Kommentare, Rückfragen und Kritik zu den Einfällen sind nicht erlaubt;
  • Mehrfachäußerungen sind möglich.

Dann werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgefordert, ihre Ideen zu äußern. Das Moderationsteam notiert in beliebiger Folge spontane Einfälle der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf einer Wandzeitung einer Tafel o.ä.

Hinweise zur Durchführung
Wenn möglich, sollten zwei Personen das Brainstorming anleiten (eine Person nimmt die Zurufe entgegen, eine Person schreibt auf). Bei der Durchführung durch eine Person besteht die Gefahr, dass Störungen auftreten, während die Zurufe notiert werden. Zudem kann das Tempo der Zurufe eine Person überfordern, alles aufzunehmen und mitzuschreiben. So entstehen Pausen, die der Aktion den Schwung nehmen.
Das Moderationsteam sollte auch auf die Einhaltung der Spielregeln achten. Wichtig ist es vor allem, Rückfragen, Kritik und dergleichen zu unterbinden, da sonst die Spontaneität verloren geht.

Weiterarbeit
Wichtig ist, dass klar wird, was mit den vielen Stichworten geschehen soll. Vielfach ist es sinnvoll, die Durcharbeitung der Ideensammlung (Strukturierung, Vertiefung) im Kreis der Beteiligten unmittelbar anzuschließen. Dazu kann man sich verschiedener Methoden bedienen:

  • Bewertungs-Brainstorming: Nachdem alle Ideen oder Vorschläge gesammelt sind, bewerten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Einfälle unter einem gemeinsam vereinbarten Gesichtspunkt (z.B.: Welche Einfälle halte ich für am leichtesten umsetzbar?). Dazu bekommen alle Beteiligte 5 Klebepunkte und sollen diese unter dem Bewertungsgesichtspunkt zu den Einfällen kleben (vgl. Rabenstein 1980, S. 21).
  • Metaplan-Technik: Mit Hilfe von  Zettelwänden werden weitere Stichworte zu den Vorschlägen gesammelt und Strukturierungen versucht.

Beispiel
Vor Beginn eines Vortrags zum Thema Grünordnungsplanung führen die Referentin und der Referent ein Brainstorming durch. Auf einer Wandzeitung steht die Frage "Welche Themen sollten aus meiner Sicht in Grünordnungsplänen bearbeitet werden?". Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer rufen der Referentin ihre Einfälle zu, die der Referent gleichzeitig an die Wandzeitung schreibt. Die Referierenden beziehen danach die genannten Aspekte in ihren Vortrag ein.

  Tipps

  • Es empfiehlt sich, dass die Moderation nach Möglichkeit zwei Personen übernehmen.
  • Kommentare, Rückfragen und Kritik zu den Ein. fällen sollte die Moderation abbrechen.
  • Es ist wesentlich, alle Einfälle aufzuschreiben.
  • Die zahlreichen Stichworte dürfen nicht im Raum stehen bleiben, sondern müssen im weiteren Arbeitsprozess Verwendung finden.

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4.2  6-3-5-Methode

Bei der 6-3-5-Methode handelt es sich um eine Variante des Brainstormings. Hier werden die Stichworte, nach einem bestimmten Schema, von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern selbst notiert. Dadurch wird die Einbindung intensiviert und zugleich Teamarbeit gefördert

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: ... nahezu alle Arbeitsformen, die, wie beim Brainstorming, ein Weiterverfolgen der so entwickelten Ideen zulassen und länger als einen halben Tag dauern bzw. mehrmals tagen, wie z.B. Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Forum, Planungszelle, Runder Tisch, kooperativer Workshop, Arbeitsgruppe.
  • Teilnehmerzahl: maximal 20
  • Dauer: ca. 30 Minuten (bei den Varianten entsprechend kürzer)
  • Material/Medien: einen dicken Filzschreiber für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer, DIN-A4- bzw. DIN-A3-Papierbögen
  • Vorbereitung: Papierbögen mit entsprechenden Kästen anfertigen (siehe Abbildung), Fragestellung bzw. Problem festlegen, zu dem Ideen gesammelt werden.

Verlauf
"6-3-5" meint, dass sechs Personen mehrmals drei Ideen in je fünf Minuten sammeln.
Zunächst werden Gruppen (à 6 Personen) gebildet. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer bekommt einen Papierbogen und einen Stift. Dann notieren alle zu einer bestimmten Fragestellung je drei Lösungsvorschläge in die Kästen der ersten Zeile des Papierbogens. Nach fünf Minuten werden die Bögen - gegen den Uhrzeigersinn - an die Nächstsitzenden weitergereicht. Diese fügen wiederum möglichst drei Vorschläge in der nächsten Zeile hinzu und lassen sich dabei von den bereits vorhandenen Vorschlägen und Ideen anregen. Schließlich sind auf jedem Papierbogen 18 Ideen notiert. Nimmt man die (sechs) Bögen aller (sechs) Mitglieder dieser Gruppe zusammen, so wären bei vollständigem Ausfüllen - 108 Ideen zur Lösung des Problems bzw. der Fragestellung entstanden.
Die Bögen werden auf Stellwänden aufgehängt und die Gruppen stellen jeweils ihre Ergebnisse im Überblick vor.
Wichtig ist, dass folgende Spielregeln gelten:

  • Kritik an den Ideen anderer ist grundsätzlich verboten;
  • jede Idee ist erlaubt - auch noch so ausgefallene;
  • jeder und jede darf Ideen der anderen aufgreifen und weiterentwickeln, ähnliche Ideen sind erlaubt; alle gesammelten Ideen sind als Ideen der Gruppe und nicht einer bzw. eines Einzelnen anzusehen.

Varianten: Die Moderation sollte die Methode je nach Gruppengröße und Art des Problems oder der Fragestellung variieren. In kleineren Gruppen ist die Methode z.B. mit 5 Personen, 3 Ideen und 4 Minuten (5-3-4) oder mit 4 Personen, 2 Ideen und 3 Minuten (4-2-3) möglich.
Auch kann die Zahl der "Stationen" reduziert werden (die Bögen werden innerhalb der Gruppe nur zwei- oder dreimal weitergereicht).

Hinweise zur Durchführung
Es besteht die Gefahr vor allem in großen Gruppen, dass zu viele Ideen entstehen, die nicht mehr zu überschauen sind. Die erste Eingrenzungsmöglichkeit besteht darin, die Zahl der je Person zu notierenden Ideen zu begrenzen. Zudem können die Kleingruppen aufgefordert werden, eine Vorstrukturierung vorzunehmen (ähnliche Nennungen  zusammenfassen, Gruppen bilden ... ) und ggf. eine Auswahl zu treffen.
Sofern nicht bereits in den Kleingruppen geschehen, können im Plenum die Vorschläge sortiert und weiter durchgearbeitet werden (vgl. dazu die Hinweise zum  "Brainstorming").

Beispiel
Das Stadtteilforum in X-Stadt hat in Zusammenarbeit mit dem Umweltamt und einer Stadtteilinitiative zum Thema Umweltschutz eingeladen. Nachdem die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausführlich über die Umweltsituation diskutiert haben, regen die Veranstalter an, Ideen zu der Frage zu sammeln "Was kann ich zum Thema Umweltschutz in meinem Stadtteil beitragen?". Dazu setzen sie die Methode 5-3-4 ein. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer bekommt einen Papierbogen mit drei Spalten. Es werden Fünfer-Gruppen gebildet. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer notiert zunächst in der ersten Zeile drei Ideen und reicht den Papierbogen nach vier Minuten weiter. In den einzelnen Gruppen entstehen auf diese Weise bis zu 75 Ideen. z.B. Abfall sortieren, weniger Auto fahren, nur Mehrwegverpackungen einkaufen, im Vorgarten heimische Gehölze verwenden und viele andere.

Die Papiere werden auseinandergeschnitten und jede Gruppe sortiert die Ideen nach eigenen Kriterien auf einer Wandzeitung; z.B. nach den Kriterien Umweltschutz in der Wohnung, im Garten, im öffentlichen Raum. Danach stellen die vier Gruppen ihre Ideen vor.

Überrascht über die sich ergebene Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten, die es im Stadtteil gibt, entsteht die Anregung, mit Hilfe der Wandzeitungen eine Ausstellung zu erarbeiten. Drei Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind spontan dazu bereit diese Anregung weiterzuverfolgen, indem sie sich um die Finanzierung und weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern wollen.

  Tipps

  • Es bietet sich an, die Methode je nach Gruppengröße und Art des Problems oder der Fragestellung zu variieren.
  • Auf die Einhaltung der "Spielregeln" ist zu achten.
  • Die Moderation muss auf die Flut von Ideen vorbereitet sein.

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4.3  Rollenspiel

Bürgerbeteiligung findet in komplexen Zusammenhängen statt. Akteursvielfalt, Rollen und Interessen der Beteiligten sind für die einzelnen Bürgerinnen und Bürger oft ebenso schwer zu durchschauen, wie die Planungsprozesse und Entscheidungsverläufe.
Anknüpfend an die Methode der Pro- und Contra-Diskussion ermöglicht das Rollenspiel die spielerische Auseinandersetzung mit komplexeren Situationen und Prozessen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nehmen in einer vorgegebenen Situation verschiedene Rollen ein und gestalten sie. Sie sollen sich mit der ihnen fremden Rolle identifizieren, die damit verbundenen Interessen und Standpunkte vertreten und so die Position der gespielten Person (bzw. der durch sie vertretenen Gruppe) verstehen lernen. Dies macht Auseinandersetzungen transparenter, hilft, Argumentationen anderer Beteiligter vorherzusehen und somit Strategien für die eigene Interessensdurchsetzung zu finden. Mit einem Rollenspiel kann also in ein Thema eingeführt werden oder das Handeln für eine spätere reale Situation (Gespräch mit der Verwaltung oder dem Rat) geübt werden.
Elemente des Rollenspiels können auch als Darstellungsform innerhalb eines Vortrags Verwendung finden.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: die Vorbereitung einer Bürgerversammlung, einer Einwohnerfragestunde, einer Anhörung oder Ausschusssitzung sowie als aktivierende Arbeitsform innerhalb der Anwaltsplanung, Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Forum Planungszelle, kooperativer Workshop, Runder Tisch, Arbeitsgruppe, Zielgruppenbeteiligung.
  • Teilnehmerzahl: maximal 20
  • Dauer: ca. 30 Minuten zur Vorbereitung, maximal 15 Minuten für das eigentliche Rollenspiel
  • Materia1/Medien: "Requisiten" je nach der zu spielenden Situation
  • Vorbereitung: Die Moderation muss Fallbeispiele, die Rollenverteilung und eine klare Aufgabenstellung festlegen. Je nach Ziel, Schwerpunkt und nach den Veranstaltungsbedingungen muss die Moderation entscheiden, mit welchen Vorgaben und welcher Aufgabenstellung die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Thema am sinnvollsten bearbeiten können.

Verlauf
Nach Müller (1982) und Knoll (1991) bieten sich drei Möglichkeiten an, ein Rollenspiel durchzuführen. Die Varianten unterscheiden sich vor allem hinsichtlich der Vorgaben: sie werden schrittweise (von a. bis c.) offener und verlagern Aufgaben- und Rollendefinition stärker auf die Gruppenarbeit:

a.) Klare Rollenvorgabe und Problemdarstellung: Die Moderation gibt eine kurze Einführung in das Thema und beschreibt dann recht genau ein Fallbeispiel bzw. ein Problem. Auch die einzelnen Rollen werden recht detailliert dargestellt. Danach ist es Aufgabe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, diese Rollen darzustellen. Für diese Umsetzung gibt es wiederum drei Varianten:

  • Die Moderation kann die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bitten, direkt in das Spiel einzutreten. Dieses "Spiel aus dem Stand" setzt eine große Offenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegenüber dieser Methode und eine gewisse Vertrautheit innerhalb der Gruppe voraus.
  • Die Rollenvorgabe und die Problemdarstellung kann schriftlich ausgegeben werden, so dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst einzeln oder in Kleingruppen mit der Aufgabe befassen und anschließend das Rollenspiel wagen.
  • Die Moderation kann das Fallbeispiel allen Beteiligten bekanntgeben, dann Kleingruppen zu einzelnen Rollen bilden und innerhalb der einzelnen Gruppen dann weitere Informationen zu den Rollen geben. Aus jeder Kleingruppe wird eine Person gebeten das Rollenspiel durchzuführen.

Nach dem Rollenspiel findet ein Auswertungsgespräch statt. Die Spielerinnen und Spieler berichten zunächst von ihren Erfahrungen während des Rollenspiels. Dann werden gemeinsam Beobachtungen und Einschätzungen ausgetauscht und alternative Lösungs- und Spielmöglichkeiten erörtert.

b.) Halboffene Rollenvergabe und Lösungsmöglichkeiten spielen: Die Moderation gibt eine kurze Einführung in das Thema und stellt dann das Fallbeispiel oder das Problem dar, ohne den Verlauf der Handlung schon präzise zu beschreiben: der Ausgang ist offen. Für die weitere Ausgestaltung des Rollenspiels besteht alternativ folgende Aufgabenstellung:

  • Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer besprechen in Kleingruppen den Fall und erarbeiten Lösungsmöglichkeiten. Danach wählt der gesamte Teilnehmerkreis eine Lösungsmöglichkeit aus, bereitet das Rollenspiel weiter vor und führt es im Plenum auf.
  • Die Kleingruppen besprechen Fall und Rollen für sich und erarbeiten jeweils eine Lösungsmöglichkeit bzw. einen Handlungsverlauf. Im Plenum spielt anschließend jede Kleingruppe ihr Rollenspiel mit der gefundenen Lösung vor.

Nach dem Rollenspiel findet wieder ein Auswertungsgespräch, wie oben beschrieben, statt. Im zweiten Fall kann die Auswertung auch wieder zunächst in die Kleingruppen verlagert werden.

c.) Offene Rollenvorgabe und Problemdarstellung: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten ein grob umrissenes Thema, das auch keine festen Rollenvorgaben beinhaltet. Gemeinsam werden Ideen zu Aspekten des Problems, zu den Rollen und möglichen Handlungsverläufen erörtert. Dies kann entweder in der gesamten Gruppe oder in Kleingruppen geschehen. Je offener die Vorgaben sind desto eher bieten sich Kleingruppen an. Anschließend spielen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein oder mehrere Rollenspiele (wie b.). Am Schluss steht auch hier ein Auswertungsgespräch.

Es sind Kombinationen und Varianten dieser Formen möglich. Auch können Rollenspiele komplex und zeitlich länger angelegt werden, indem z.B. mehrere "Akte", jeweils unterbrochen durch Auswertungen gespielt werden. Hier entstehen fließende Übergänge zum  Planspiel.

Hinweise zur Durchführung
Das Rollenspiel lebt von einer guten Vorbereitung. Die Moderation sollte deshalb viel Wert auf die Festlegung des Fallbeispiels, der Aufgabenstellung und der Rollenverteilung legen. Je nach Offenheit gegenüber der Methode und in Abhängigkeit von dem bereits aufgebauten Vertrauen in der Gruppe sollte die Moderation zwischen den oben beschriebenen Varianten auswählen. Je strukturierter das Rollenspiel ist, desto leichter können es auch Ungeübte spielen. Viele Erwachsene zeigen Widerstände gegenüber dem Rollenspiel. Es erscheint ihnen zu "unernst". Manche haben Bedenken, dass Verhalten und Einstellungen sichtbar werden könnten, die sonst hinter ihrer alltäglichen "Rollen-Maske" verborgen sind (andere genießen gerade diese Möglichkeit der Maskerade, was zu Rollenkarikaturen führen kann). Mit diesen Abwehrreaktionen muss die Moderation rechnen und, falls sie auftreten, frühzeitig darauf reagieren. In jedem Fall ist es wichtig, noch einmal den Sinn eines solchen spielerischen Umgangs mit durchaus ernsthaften Problemen zu erläutern. Zurückhaltende Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten durchaus noch einmal ermutigt werden, mitzuspielen, ohne aber Druck auszuüben. Ablehnung muss jederzeit - "ohne Gesichtsverlust" - möglich sein. Unter Umständen kann eine erste Runde des Rollenspiels im kleineren Kreis stattfinden. Oft ist der Verlauf so mitreißend, dass bislang Zögernde sich doch motivieren lassen, bei der nächsten Runde mitzumachen.

Die Moderation sollte beim Auswertungsgespräch darauf hinwirken, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Ergebnisse, z.B. in Form von verschiedenen Handlungs- oder Lösungsmöglichkeiten, für alle sichtbar festhalten ("Drehbücher" an Wandzeitung, Stellwand o.ä.). Das Auswertungsgespräch sollte zum Erfahrungsaustausch genutzt werden, wie sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Rollenspiel gefühlt haben.

Weiterarbeit
Je nach Verlauf des Auswertungsgesprächs kann sich ein weiteres Rollenspiel anschließen oder die gefundenen Handlungs- oder Lösungsmöglichkeiten können vertieft diskutiert und umgesetzt werden.

Beispiel
Aufgrund einer Änderung des Bebauungsplans in der Gemeinde Y findet eine Anhörung statt. Eine Bürgergruppe mit 16 Anwohnerinnen und Anwohnern die dort ihre Bedenken einbringen möchte, trifft sich vorher mit einer Planerin, um diese Anhörung vorzubereiten. Dazu führen sie ein Rollenspiel durch. Die Gruppe teilt sich in zwei Kleingruppen auf. Die eine Gruppe überlegt, wie die Anhörung ablaufen und wie die Verwaltung auftreten wird. Die andere Gruppe überlegt sich die Fragen und Einwendungen, die sie als Bürgergruppe vorbringen möchten. Die anwesende Planerin gibt den Kleingruppen einige Tipps, was sie aus ihrer Erfahrung heraus beachten sollten.

Nach 15-minütiger Vorbereitungszeit beginnen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Rollenspiel. Ein Teilnehmer spielt mit der Planerin gemeinsam die Vertretung der Verwaltung, die kurz die Änderung des Bebauungsplans erläutert. Danach stellen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der zweiten Kleingruppe ihre Fragen und äußern ihre Bedenken. Sie äußern z.B. die Gefahr, dass durch eine neu entstehende Straße spielende Kinder zu stark gefährdet sind, da sich in der Nähe ein Spielplatz befindet. Auf diese Bedenken reagiert der Vertreter der Verwaltung. In dieser Form geht das Rollenspiel 15 Minuten weiter.

Anschließend besprechen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Erfahrungen mit der gespielten Anhörung. Sie tauschen sich sowohl über die Inhalte der Argumente als auch über die Art der Argumentation aus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer machen sich gegenseitig Vorschläge zur Verbesserung. Die Planerin bezieht dazu ebenfalls Stellung, kann einige wichtige rechtliche Hinweise geben und auf mögliche Verhaltens- und Argumentationsweisen der Verwaltung hinweisen. Nach dieser Auswertung führen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch einmal das Rollenspiel mit veränderter Rollenverteilung durch.

  Tipps

  • Eine gute Vorbereitung ist wesentlich für das Gelingen des Rollenspiels: Situationsbeschreibung (kurz, knapp, einleuchtend) und Rollencharakterisierung (nicht überzeichnen) haben wesentlichen Einfluss auf die Motivation der Beteiligten mitzuspielen.
  • Die Moderation muss mit Widerständen gegenüber dem Rollenspiel rechnen und darauf eingehen können.
  • Die Ergebnisse des Auswertungsgesprächs sollten für alle sichtbar festgehalten werden.

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4.4  Planspiel

Das Planspiel knüpft an das Rollenspiel an - unterscheidet sich aber in drei wesentlichen Punkten. Das Planspiel:

  • bildet immer eine reale Situation nach,
  • ist lösungsorientiert, versucht also Voraussetzungen und Wirkungen verschiedener Problemlösungen im realen Fall durchzuspielen,
  • dauert wesentlich länger als ein Rollenspiel.

Auch beim Planspiel geht es um das Verständnis komplexer Planungs- und Entwicklungsvorhaben und um die Transparenz von Entscheidungs- und Diskussionsprozessen. In der Auseinandersetzung mit solchen (realen) Situationen sollen die Beteiligten eigene Diskussions- und Entscheidungsstrategien sowie Problemlösungen entwickeln.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: die Vorbereitung einer Bürgerversammlung, einer Einwohnerfragestunde, einer Anhörung oder Ausschusssitzung sowie als aktivierende Arbeitsform für die Anwaltsplanung, Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Forum, Planungszelle, kooperativer Workshop, Arbeitsgruppe, Runder Tisch.
  • Teilnehmerzahl: maximal 24
  • Dauer: 2 bis 8 Stunden
  • Material/Medien: Papier, Stifte, ggf. Schreibmaschine oder Computer, Informationsunterlagen (Texte, Statistiken, Bilder, Presseartikel o.ä.)
  • Vorbereitung: Wenn der Spielrahmen von der Moderation festgelegt wird, muss diese im Vorfeld die Ausgangssituation präzise aufbereiten und das entscheidungsrelevante Material (z.B. Bestandsaufnahmen, vorhandene Untersuchungen, Pläne, Literatur, gesetzliche Grundlagen) bereitstellen. Wird der Spielrahmen in der Gruppe festgelegt, muss ein Moderationskonzept für diesen Veranstaltungsteil entwickelt werden (auch hierzu gehört die Bereitstellung von Material). Hilfreich für die Durchführung des Planspiels ist es, einige Informationsunterlagen vorzubereiten bzw. von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mitbringen zu lassen.

Verlauf
Spielrahmen:
Zu Beginn beschreibt entweder die Moderation den Spielrahmen oder die Gruppe legt ihn gemeinsam fest. Der Spielrahmen lehnt sich an der Wirklichkeit an, jedoch in vereinfachter Form. Bestimmte Faktoren (wie z.B. die Rollen der Mitspielerinnen und Mitspieler, Ziel des Spiels, Zeitrahmen, einzelne Schritte des Spielverlaufs) und Spielregeln (z.B.: alle versuchen das Beste aus ihrer Situation zu machen, alle sollen so realistisch wie möglich ihre Rolle vertreten) werden als Ausgangssituation festgelegt. Welche Faktoren und Spielregeln festgelegt bzw. offengelassen werden, ist der Moderation und dem Teilnehmerkreis überlassen. Bei einem relativ offenen Spielverlauf kann die Rolle eines "Abgesandten" o.ä. vorgesehen werden, der im Verlauf des Planspiels die Kommunikation zwischen den Beteiligten über den Spielverlauf ermöglicht.
Spielverlauf:
Mit Beginn des Spiels erkennen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den festgelegten Spielrahmen als ihre Wirklichkeit an. Alle sind aufgefordert, die angenommenen Rollen zu spielen. Sie bringen sich mit Wortbeiträgen ein und treffen Entscheidungen. Der Verlauf hängt von den einzelnen Beiträgen, Reaktionen und Entscheidungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab. Das unten aufgeführte Beispiel verdeutlicht einen möglichen Spielverlauf.

Hinweise zur Durchführung
Die Moderation sollte bereits zuvor Erfahrungen mit der Vorbereitung und Durchführung eines Planspiels gesammelt haben. Für ein erstmaliges Anwenden der Methode empfiehlt es sich, eine Person, die bereits Erfahrungen gemacht hat, hinzuzuziehen. Erforderlich ist dass Personen mit Sachkenntnis zu dem ausgewählten Thema anwesend oder verfügbar sind.
Auf die Vorbereitung des Planspiels empfiehlt es sich besonderen Wert zu legen, da der einmal festgelegte Spielrahmen stark den Ablauf und das Gelingen des Planspiels bestimmt. Da das Planspiel konkreten Realitätsbezug hat, sollte die Moderation von Beginn an klären, dass es um Folgerungen für das eigene Handeln geht.

Weiterarbeit
Die Moderation sollte das Planspiel nach Möglichkeit immer mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auswerten. Die Auswertung kann z.B. als Gespräch über die Fragen "Welche Erfahrungen habe ich gemacht und welche Konsequenzen kann ich daraus ziehen?" stattfinden. Die Methoden     Metaplan-Technik  Brainstorming und    Bilanzfrage können für die Auswertung hilfreich sein.

Beispiel
Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt mit Jugendlichen zur Stadterneuerung in X-Stadt äußerten die Jugendlichen den Wunsch, einen eigenen Jugendraum zu bekommen, in dem sie sich jeden Tag treffen können. Die Planerinnen und Planer, die diese Werkstatt durchführen, setzen sich daraufhin mit dem Jugendpfleger in Verbindung. Sie bitten ihn, mit ihnen und den Jugendlichen gemeinsam ein Planspiel durchzuführen, um damit die stadtpolitischen Strukturen kennenzulernen, sich auf mögliche Widerstände und Probleme vorzubereiten, sowie mögliche Durchsetzungsstrategien zu erarbeiten. Thema des Planspiels ist also die politische Durchsetzung eines Jugendraums in X-Stadt. Das Planspiel findet an einem Samstagnachmittag (14 bis 20 Uhr) statt. Die 20 teilnehmenden Jugendlichen überlegen sich zunächst gemeinsam mit den Fachleuten einen Spielrahmen:

  • Vier der Jugendlichen spielen sich selbst, also die Gruppe, die einen Jugendraum haben möchte und schriftlich oder mündlich ihr Anliegen bei verschiedenen Personen, Institutionen und Gremien vorbringen.
  • Sechs Jugendliche spielen Mitglieder des Stadtrates, die aus unterschiedlichen Fraktionen stammen und dem Anliegen der jugendlichen mehr oder weniger offen gegenüberstehen.
  • Ein Jugendlicher spielt den zuständigen Verwaltungsmitarbeiter des Jugendamtes, von denen die Jugendlichen Informationen über rechtliche, finanzielle und organisatorische Fragen bekommen können.
  • Fünf Jugendliche "stammen" aus karitativen Verbänden, die die Möglichkeit haben, das Vorhaben finanziell und/oder räumlich zu unterstützen.
  • Drei Jugendliche übernehmen die Rolle von Eltern, von denen sich zwei gegen den Jugendraum aussprechen und einer die Jugendlichen mit ihrem Vorhaben unterstützt.
  • Ein Jugendlicher spielt den Bürgermeister, der versucht, seinen Einfluss geltend zu machen.
  • Die Planerinnen und Planer sowie der Jugendpfleger spielen Berater und Abgesandte, um den jugendlichen Hilfestellungen und neue Impulse zu geben, falls das Planspiel ins Stocken gerät.

Nachdem sie die Rollen verteilt haben, einigen sich alle Beteiligten auf einen groben Rahmen für die nächsten Schritte. Als erstes überlegt sich die Jugendgruppe, an wen sie sich wenden wollen und wie sie das machen. Danach führen sie dies Schritt für Schritt durch. Dabei sind einzelne Gruppen, z.B. die Mitglieder der Ratsfraktionen zwischenzeitlich damit beschäftigt, auf einen Brief der Jugendgruppe zu antworten. Währenddessen sprechen die Jugendlichen mit dem Bürgermeister, und es folgt ein heftiges Gespräch mit dem Vater eines der Jugendlichen, der sich mit der Idee nicht anfreunden kann und nicht will, dass seine Tochter sich an dieser Sache beteiligt. Danach werden den Jugendlichen von dem Verwaltungsmitarbeiter einige Fragen erklärt und viel Informationsmaterial mit nach Hause gegeben, das sie nach Brauchbarem sichten.
In dieser Form spielt die Gruppe das Planspiel insgesamt drei Stunden durch.
Danach bespricht die gesamte Gruppe die bis dahin gesammelten Erfahrungen und erörtert, was sie für ihr Anliegen daraus gelernt haben. Da die Zeit nicht ausreicht, um nun auf diesen Erfahrungen aufbauend eine Strategie für die Realität zu entwickeln, wird ein weiteres Treffen zu diesem Zweck vereinbart.

  Tipps

  • Die Moderation sollte bereits Erfahrungen mit Planspielen haben oder eine erfahrene Begleitung hinzuziehen.
  • Der Spielrahmen muss gut vorbereitet sein.
  • Eine gemeinsame Auswertung des Planspiels ist unerlässlich. Auch sollte bereits vorab geklärt sein, dass aus der Planspiel-Arbeit Folgerungen für reales Handeln gezogen werden sollen.

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5.  Einzelne Gruppen aktivieren - zum Beispiel: Kinder und Jugendliche

Die Arbeit mit besonderen Bevölkerungsgruppen, wie z.B. mit Frauen, Kindern, Jugendlichen, alten Menschen, ausländischen Bewohnerinnen und Bewohnern etc. bedarf besonderer pädagogischer Kenntnisse und Fähigkeiten, um angemessen auf die Gruppen eingehen zu können. Auf die Bedeutung der Zielgruppenarbeit wurde bereits aufmerksam gemacht.
Die Auswahl der Techniken für die unterschiedlichen Gruppen sollen sich an deren spezifischen Voraussetzungen (Lebenssituation, inhaltliche Vorkenntnisse, Lernbereitschaft etc.) orientieren. Im folgenden werden für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche drei ausgewählte Methoden vorgestellt.

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5.1 Kinder interviewen Kinder

Kinder nehmen Wohnungsumfeld und Stadtteil auf eigene Weise wahr und eignen sie sich auf ihre Weise an. Eine Planung, die auf diese Verhaltensweisen und Interessen Rücksicht nehmen will, wird bemüht sein, von den Kindern Anregungen und Hinweise zu erhalten. Aber das ist so einfach nicht: denn Kinder denken nicht in ..Plänen". Planerdenkweise und Kinderleben müssen also zueinander finden.
Ein erster Schritt besteht darin, dass die Kinder sich ihre Wünsche bewusst machen und sie gegenüber anderen äußern. Mit der Methode "Kinder interviewen Kinder" erhalten sie die Gelegenheit, auf spielerische Art von ihren Erfahrungen zu berichten und diese zu dokumentieren. Sie entdecken so ihren Spiel- und Lebensraum neu, stärken als Reporterinnen und Interviewer ihr Selbstvertrauen und fühlen sich zugleich ernst genommen (vgl. Steinmaier 1989).
Die Ergebnisse der Methode "Kinder interviewen Kinder" sind oft reichhaltig und anregend. Allerdings lassen sie sich nicht umstandslos in Planungen "übersetzen". Voraussetzung ist es vielmehr, die Ergebnisse vorsichtig und behutsam zu interpretieren und die durch das Alter und das soziale Milieu bedingten Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: Exkursion, Ortsbegehung, Aktion "Ortsidee", Zielgruppenbeteiligung.
  • Teilnehmerzahl: pro Interviewgruppe 5 bis maximal 10 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 8 bis 12 Jahren, insgesamt maximal 20
  • Dauer: 2 bis 3 Stunden, eine Wiederholung der Methode an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ist vorteilhaft
  • Material/Medien: Tonbandgerät und Notizblock
  • Vorbereitung: Die Moderation sollte sich im Vorfeld überlegen, ob sie es für sinnvoll hält, dass Jungen und Mädchen sowie jüngere und ältere Kinder in einer Gruppe das Interview durchführen oder eher in getrennten Gruppen ihre spezifischen Anliegen zur Geltung kommen können.

Verlauf

  • Vorbereitung der Interviews (ca. 30 Minuten): Zu Beginn teilt die Moderation die Kinder in Gruppen von 5 bis maximal 10 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein. jede Interviewgruppe erhält eine Moderation als Begleitung. Dann bekommen alle Kinder einen Aufkleber, der sie als Interviewer bzw. Reporterinnen oder Reporter ausweist und ihnen damit besondere Wichtigkeit verleiht. Die Moderation erläutert ihrer Gruppe kurz das Vorgehen und den Umgang mit dem Mikrofon.
  • Durchführung des Interviews (1 bis 2 Stunden, je nach Ausdauer der Kinder): Ziel ist es, dass die Kinder sich jeweils an selbst gewählten Orten untereinander Fragen stellen und in wechselnden Rollen (Interviewer, Befragte) eine Interviewsituation nachspielen. Im folgenden bestimmen also die Kinder die Wanderroute und die Fragen an die Interviewpartnerinnen bzw. -partner. Die Moderation begleitet die Kinder, notiert sich die von den Kindern ausgewählten Orte der Interviews und achtet darauf, nicht inhaltlich in die Interviews einzugreifen. Gleichzeitig bemüht sich die Moderation dafür zu sorgen, dass alle Kinder die Gelegenheit erhalten, Fragen zu stellen und das Mikrofon zu halten. Wenn der Wunsch besteht, hören die Kinder sich die kurzen Tonbandaufnahmen jeweils nach der Aufzeichnung an. Nach ca. ein bis zwei Stunden, wenn die Kinder beginnen, die Lust am Spiel zu verlieren, beendet die Moderation das Interview.
  • Nachbereitung (ca. 30 Minuten): Nachdem die Gruppe an den Ausgangsort zurückgekehrt ist, lässt die Moderation die Kinder, falls erwünscht, das Interview noch einmal anhören.

Hinweise zur Durchführung
Die Gruppen sollten weitgehend altershomogen sein, um zu große Unterschiede innerhalb der Gruppen zu vermeiden. Bestehen bei den Kindern Wünsche zur Gruppeneinteilung sollte die Moderation darauf eingehen. Um die Kinder nicht in ihrem Spiel zu stören, sollte die Moderation soweit möglich die Kinder als "stille Beobachtung" begleiten.
Die Moderation sollte sich darauf einstellen, dass nach der ersten Neugier unter Umständen Rivalitäten, Feindseligkeiten und Unlust unter den Kindern auftreten können. Dies gilt es dann aufzufangen und gegebenenfalls rivalisierende Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu trennen.
Um Rückschlüsse auf das Spielverhalten, die Bedürfnisse und die Raumaneignung der Kindergruppen zu ziehen, ist es wichtig diese Methode (eventuell mit wechselnden Gruppen) mehrmals durchzuführen oder aber darauf aufbauend weitere Spielaktionen und Methoden zur Beteiligung durchzuführen. Dies ist ebenso vorteilhaft, um die Kinder zu motivieren und ihre Interessen zu stärken (vgl. Steinmaier 1989).

Weiterarbeit
Die Moderation kann eine Planerin bzw. einen Planer oder sonstigen Handlungs- und Entscheidungsträger einladen, den die Kinder zu bestimmten Spiel- und Freiflächen interviewen können.
Wenn eine mehrtägige Aktion vorgesehen ist, bietet sich folgende Weiterarbeit an:

  • alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Interviewgruppe fotografieren sich selbst auf den tags zuvor erkundeten Spielflächen;
  • die Moderation tippt die Interviewtexte, entwickelt die Photos und erstellt dann mit der Gruppe eine Zeitung.

Auch ein auf den Interviews aufbauendes  Rollenspiel bietet sich als Weiterarbeit an.

Beispiel
Im Rahmen einer Wohnumfeldverbesserung der Zechensiedlung in X-Stadt hat sich die beauftragte Planerin, auf Wunsch einer örtlichen Initiative "Eltern mit Kindern", zum Ziel gesetzt besonders die Bedürfnisse und Wünsche der vielen Kinder in der Siedlung bei der Planung zu berücksichtigen. Nach einer ersten Situationsanalyse erhält die Planerin vom örtlichen Jugendleiter den Tipp, die Kinder auf Streifzügen durch die Siedlung zu begleiten, während sich diese untereinander interviewen. Nach ausreichender Werbung in der Siedlung und im Jugendzentrum beteiligen sich 18 Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren an der Aktion "Kinder interviewen Kinder", die die Planerin gemeinsam mit dem Jugendleiter und einem weiteren Mitarbeiter anleitet. Die drei Moderationen bilden zwei Jungengruppen mit jeweils 5 Teilnehmern und eine Mädchengruppe mit 8 Teilnehmerinnen. Alle sind aufgeregt und stecken sich die ausgeteilten Interviewer-Ausweise an. Nach einer kurzen Erklärung und Einweisung marschieren die Gruppen mit Begleitung einer Moderatorin bzw. eines Moderators los. Die Planerin folgt der Mädchengruppe, die zunächst länger diskutiert, welchen Weg sie einschlagen soll. Die Mädchen wählen dann einen Hinterhof und das erste Interview beginnt.

Interviewausschnitt:

"Wie alt bist Du?"
"Zehn"
"Wie heißt Du?"
"Marion"
"Wo wohnst Du?"
"Da oben in dem Haus."
"Spielst Du hier im Hof?"
"Ja manchmal!"
"Und was?"
"Was wir hier spielen? Ach, wir sitzen rum und erzählen uns Geschichten oder wir langweilen uns."
"Wieso geht ihr nicht woanders hin?"
"Hier haben wir unsere Ruhe."
"Und was macht ihr noch?"
 und so weiter. 

Auf diese Weise besucht die Gruppe einen weiteren Hof, eine wilde Freifläche und einen Spielplatz. Zwischendurch hört die Gruppe die Interviews ab. Die Moderatorin achtet darauf, das alle Mädchen zum Zug kommen und nach 1 1/2 Stunden geht's wieder zum Ausgangspunkt zurück.
Bei den anderen Gruppen verläuft der Nachmittag ähnlich. Am nächsten Tag treffen sich die einzelnen Gruppen nochmals und die Kinder fotografieren sich an ihren Spielorten, was zu vielen Scherzereien führt.
Die Planerin wertet die Ergebnisse mit dem Jugendleiter aus, der weitere Erfahrungen zu Spielräumen und -gewohnheiten zu berichten weiß. Darauf aufbauend planen sie, im nächsten Monat mit einigen Kindern "Videostreifzüge" zu unternehmen, um das Bild weiter zu vervollständigen.

  Tipps

  • Bei der Einteilung der Gruppen sollten das Alter und die Vorlieben der Kinder berücksichtigt werden.
  • Die Anwendung dieser Methode setzt Übung im Umgang mit Kindern voraus.
  • Die Moderation soll zurückhaltend sein (stille Beobachtung). Aufkommende Rivalitäten, Feindseligkeiten und Unlust unter den Kindern sollten jedoch aufgefangen werden.
  • Eine Wiederholung der Methode - auch mit einer anderen Gruppe - ist für die Rückschlüsse auf die Bedürfnisse und die Raumaneignung von Kindern hilfreich.

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5.2  Modellbauaktion

Modellbauaktionen sind handlungsbetont, besitzen einen hohen spielerischen Wert und schaffen Möglichkeiten zum non-verbalen Ausdruck. Sie kommen damit den kindlichen Ausdrucksformen entgegen (vgl. Breier/Seibert 1993) und vermitteln eine Gesamtsicht des gewünschten Wohnungsumfeldes. Zugleich werden die Kinder angeregt, sich mit ihrem Wohnumfeld zu beschäftigen, eigene Wünsche wahrzunehmen und darzustellen.
Bei vorsichtiger und bedachter Interpretation der Ergebnisse ermöglichen Modellbauaktionen Erkenntnisse über Bedürfnisse, Wünsche und Ideen der Kinder für anstehende Planungs- und Entwicklungsprozesse.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: Zielgruppenbeteiligung
  • Teilnehmerzahl: 5 bis 80 (entsprechende Betreuung vorausgesetzt)
  • Dauer: zwei Tage bis eine Woche (je nach Größe und Umfang der Aktion)
  • Material/Medien: Gips, Holz, Draht, Ton, Knetgummi, Pappe, Papier, Steine, Erde (eine Vielfalt an Materialien ist wichtig, die Materialien sollten formbar, veränderbar sein); Werkzeuge (z.B. Nägel, Hammer, Scheren), Kleber und Farben (z.B. Wandfarbe, Stifte, Sprühdosen)
  • Vorbereitung: Die Moderation muss das Thema der Modellbauaktion klar formulieren (z.B.: Soll die Modellbauaktion Anregungen für eine konkrete Freifläche liefern oder eher allgemein die Wünsche der Kinder für ihren Stadtteil ermitteln?). Entsprechend den Zielvorstellungen entscheidet sie dann, in welcher Größe die Kinder das Modell bauen (z.B. entweder als Tischmodelle oder als großes, "naturgetreues" Abbild im größeren Maßstab 1:50 o.ä.), ob die Kinder alle an einem Modell arbeiten oder in Einzel- bzw. Kleingruppen und welche Materialien am besten geeignet und zu besorgen sind. Je nach geplantem Zeitraum für die Modellbauaktion sollte die Moderation eine ausreichende Vorbereitungszeit mit den Kindern planen, das heißt vor Beginn des Modellbaus einführende Aktionen durchführen, wie z.B. Foto- oder Videostreifzüge, Besichtigungs- und Spielaktionen etc. Findet der Modellbau im Freien statt, muss die Moderation die Anwohnerinnen und Anwohner informieren und sich mit den zuständigen Ämtern in Verbindung setzen. Es bietet sich an, eine Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen, Schulen, Jugendzentren zu suchen, um die Aktion in einen größeren organisatorischen Rahmen zu stellen und pädagogische Unterstützung zu erhalten (vgl. Breier/Siebert 1993).

Verlauf
Je nachdem ob die Modellbauaktion für einen kurzen (ein bis zwei Tage) oder längeren (mehrere Tage bis eine Woche) Zeitraum geplant ist und ob kleine Modelle oder ein großes Modell als Endergebnis vorgesehen sind, ergibt sich ein unterschiedlicher Ablauf der Aktion. Im folgenden sollen zwei mögliche Varianten näher erläutert werden.

a.) Bau von kleinen Modellen auf Holzplatten im Zeitraum von zwei Tagen

  • Vorbereitung (4 bis 5 Stunden): Die Moderation beginnt mit einer kurzen Einführung und Spielen zum Kennenlernen. Damit die Kinder nicht nur ihre aktuellen Erfahrungen der alltäglichen Lebenswelt widerspiegeln, sondern, soweit möglich, einige Anregungen über Gestaltungsmöglichkeiten erhalten, führt die Moderation mit den Kindern eine Rallye (Dauer 1 bis 2 Stunden) durch. Diese führt die Kinder an verschiedene, ausgewählte Stationen im Stadtteil, wo kleinere Spielaktionen stattfinden (z.B. Spiel mit Wasser, Spiel auf einer verwilderten Freifläche, Ballspiel auf einem Schulhof) oder Aufgaben zu erledigen sind. Damit erforschen die Kinder ihren Stadtteil und erleben ihn neu, was die Kreativität fördert. Anstelle der Rallye können die Kinder auch mit dem Fotoapparat durch den Stadtteil ziehen, sich selbst interviewen etc. Nach dieser spielerischen Aktion kann die Moderation die Kinder ihren Stadtteil selbst bewerten lassen. Sie bildet Gruppen, die mit verschiedenfarbigen Fähnchen (Rot: da kann ich nicht spielen; Grün: hier spiele ich gerne) ausgestattet sind und unterschiedliche Orte im Stadtteil damit bewerten (vgl. ebd.).
  • Durchführung (4 bis 5 Stunden): Nach der Vorbereitungsphase, am günstigsten am nachfolgenden Tag, kann der Modellbau beginnen. Es bietet sich an, zu Beginn Fotos des ersten Tages zu zeigen oder die Kinder das Erlebte nochmals erzählen zu lassen, um die Erlebnisse des vorherigen Tages ins Gedächtnis zu rufen. Dann bauen die Kinder allein oder in kleinen Gruppen Modelle. Auch hier ist eine zurückhaltende Moderation sinnvoll: sie begleitet, hilft, aber steuert nicht.
  • Nachbereitung der Modellbauaktion: Die Kinder stellen ihr Modell den anderen vor und erläutern ihre Ideen. Die Modelle können ausgestellt werden oder die Kinder nehmen sie mit nach Hause.

b.) Große Modelle über längere Zeit (5 Tage) bauen

  • Vorbereitung der Modellbauaktion (2 Tage): Am ersten Tag finden Spielaktionen mit den Kindern statt (z.B. Bewegungsspiele, Türme zum Klettern, Geschicklichkeitsspiele, Geländespiele). Am folgenden Tag ziehen die Kinder durch ihr Wohnumfeld oder den Stadtteil und halten für sie wichtige Eindrücke in Ton und Bild fest.
  • Durchführung (3 Tage): Am ersten Tag übertragen die Kinder das, was sie in der realen Welt vorfinden, in ihr Modell (z.B. der zu gestaltende Platz mit umgebenden Häusern). Das heißt sie vermessen den Freiraum und übertragen dies in ein z.B. 20m. x 20m großes Modell. Am zweiten und dritten Tag beginnen die Kinder das Modell nach ihren Wünschen und Ideen umzubauen (vgl. Apel/Pach 1993). Je nach Größe der Teilnehmergruppe bietet es sich an, die Kinder in verschiedene Werkstätten (Arbeitsgruppen) mit einer speziellen Aufgabenverteilung (z.B. Grün, Wohnen, Wege und Verkehr) einzuteilen.
  • Nachbereitung: Die Kinder veranstalten eine Führung durch ihr Modell und erläutern ihre Ideen.

Hinweise zur Durchführung
Das Alter, der Entwicklungsstand der Kinder und die Genauigkeit der Vorgaben (freie Ideensammlung oder Ideen zu einer konkreten Planung einer Fläche) beeinflussen erheblich den Verlauf der Modellbauaktion. Die Ergebnisse derartiger Aktionen verbleiben oft im Gewohnten (z.B. konventionelle Spielgeräte), da es den Kindern an Alternativen fehlt. Die Kinder sind andererseits sehr offen für Anregungen und äußere Einflüsse, die sich dann in den Modellen widerspiegeln. Dies verweist auf Probleme der späteren Interpretation, die - soll sie nicht zu verzerrenden Bildern führen - solche Einflussfaktoren berücksichtigen muss (vgl. Breier/Siebert 1993).

Weiterarbeit
Wenn die Umgestaltung der Fläche, die die Kinder im Modell veränderten, tatsächlich stattfindet, können sie in einzelnen Aktionen bei dem Umbau mithelfen. Damit der Zeitraum zwischen Modellbau und Umgestaltung nicht zu lang ist, können vorübergehend auf anderen Flächen kleinere Spielaktionen oder Umbauten stattfinden.

Beispiel
In einem Sanierungsgebiet in B-Stadt entsteht durch den Abriss zweier baufälliger Häuser eine Baulücke. Nach langen Verhandlungen einigt man sich darauf, die in dem verdichteten Wohngebiet entstandene Freifläche als Spielraum für Kinder zu nutzen. Eine Lehrerin, der naheliegenden Grundschule macht sich dafür stark, die Ideen von Kindern mit in den Planungsprozess einzubeziehen und einmal einen "etwas anderen" Spielplatz zu gestalten. Die Sanierungskommission stimmt zu und beauftragt zwei Planer, die bereits Erfahrungen mit Kinderbeteiligung aus anderen Stadtteilen besitzen. Sie schlagen eine 4-tägige Modellbauaktion in den Herbstferien vor, nehmen Kontakt mit der Grundschule auf und werben bei Schülerinnen und Schülern für ihre Aktion.
Am ersten Tag der Modellbauaktion erscheinen 25 Kinder im Alter von 8 bis 10, die größtenteils aus den umliegenden Quartieren kommen und sich teilweise recht gut kennen. Nach einigen Kennenlern-Spielen starten die Kinder in fünf Gruppen zu Fotostreifzügen durch ihren Stadtteil mit der Aufgabe, im Bild festzuhalten, wo sie gerne spielen und was sie gerne spielen. So entstehen z.B. Bilder von Garagenhöfen, dem kleinen Stadtpark, der wilden Müllkippe, skateboardfahrenden Mädchen und ballspielenden Jungen. Am Nachmittag findet dann eine Rallye statt, die die Kinder quer durch den Stadtteil führt, vorbei an Spielplätzen, einer Brachfläche etc. Die Planer, unterstützt von einigen hinzugezogenen Eltern, bemühen sich, an den Stationen durch die jeweiligen Spielaktionen interessante Erlebnisse zu vermitteln. Am nächsten Tag steht ein von der Stadt angemietetes Spielmobil auf dem Schulhof und die Kinder probieren begeistert die vielen verschiedenen Spiele aus. Besonders begehrt ist ein aufblasbares Schiff, das die Kinder sofort in Beschlag nehmen. Am dritten Tag bauen die Kinder mit den vorhandenen Materialien (Holz, Pappe, Karton, Wandfarbe und Werkzeug) ein Modell, das die vorhandene Situation (Freifläche umschlossen von Straßen und Häusern) auf einer 15m x 15m großen Fläche darstellt. Die Kinder arbeiten dazu in Gruppen und basteln an verschiedenen Stellen des Modells. Am Nachmittag des dritten Tages und am letzten Tag bauen sie ihre Ideen und Wünsche in das Modell ein. Ein Junge errichtet eine Rutsche, zwei Mädchen pflastern eine große Fläche zum Rollschuh- und Skateboardfahren, eine andere Gruppe baut begeistert an einem Holzschiff. So entstehen einige konventionelle, aber auch ungewöhnlichere Spielmöglichkeiten. Am Nachmittag des letzten Tages trommeln die Planer alle Kinder zusammen, um sich durch den "Traum"-Spielplatz" führen zu lassen. Sie haben die Eltern, die Sanierungskommission und andere Interessierte eingeladen, um ihnen die Ergebnisse zu präsentieren. Die Kinder erklären ihre Spielgeräte und "löchern" die Planer, "ob denn nun alles genauso gebaut wird und wann". Die Planer und die Vertreterinnen sowie Vertreter der Sanierungskommission erklären den Kindern daraufhin, dass die eigentliche Umgestaltung sicher noch einige Zeit dauert, sie aber versuchen, einige Ideen in die Planung einzubringen und - damit sie nicht zu lange warten müssen - bis zum eigentlichen Baubeginn provisorische Spielgeräte aufzustellen.

  Tipps

  • Eine gute Vorbereitung ist entscheidend.
  • Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern sind wichtige Voraussetzung.
  • Die Moderation sollte zurückhaltend sein.
  • Es empfiehlt sich, Lösungswege zu suchen, wie zumindest einige Ideen der Kinder möglichst schnell verwirklicht werden können (z.B. provisorische Einrichtung von Spielgeräten).

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5.3  Spurensicherung

Die Spurensicherung dient (nach Lecke/Praml 1992) der Auseinandersetzung von Jugendlichen mit ihrem eigenen Lebensort, das heißt mit ihrer räumlichen und materiellen Alltagssituation und ihren sozialen und biographischen Rahmenbedingungen. Dabei ist die Sicherung von Spuren nicht die Methode, sondern der Inhalt, den die Jugendlichen mit Hilfe von unterschiedlichsten methodischen Ansätzen in Wochenendkursen, Veranstaltungsreihen und Gruppenprojekten erarbeiten. Es gibt keine feste, immer gleich benutzbare Palette an Methoden, die gezielt angewandt zu bestimmten Ergebnissen führt, sondern eine Vielfalt an Möglichkeiten den Handlungs- und Lernprozess einzuleiten. Die Spurensicherung ist dennoch hier im methodischen Teil der Handreichung genannt, da sie eine spezifische Arbeits- und Vorgehensweise beinhaltet, deren Verlauf im folgenden exemplarisch skizziert wird.
Die Jugendlichen sollen sich mit ihrer Umwelt und deren Geschichte sowie mit sich selbst auseinandersetzen und die vielen kleinen Prozesse in einen größeren politisch, ökonomisch und soziokulturellen Gesamtzusammenhang stellen (vgl. Lecke/Praml 1992). Die Spurensicherung versteht sich damit als Teil der politischen Bildung für Jugendliche. Sie kann den Jugendlichen helfen, sich ihre eigene Lebens- und Arbeitswelt bewusst zu machen, ihre Eigenarten schätzen zu lernen und so ihr Selbstwertgefühl stärken (vgl. Hill 1986). Das wiederum kann Voraussetzung dafür sein, dass die Jugendlichen sich auch intensiver mit Planungs- und Entwicklungsvorhaben, die ihre Lebenswelt betreffen, auseinandersetzen.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: Zielgruppenbeteiligung.
  • Teilnehmerzahl: maximal 20
  • Dauer: ungefährer Zeitbedarf: mindestens sieben volle Tage (die Dauer kann sehr unterschiedlich sein, je nachdem, ob die Spurensicherung als Kompaktprojekt oder als regelmäßige, wöchentliche Veranstaltung geplant ist)
  • Material/Medien: Schreib- und Zeichenutensilien, Fotoapparate, Interviewzettel, Tonbandgeräte mit Mikrofon, Stellwände, Schreibmaschinen
  • Vorbereitung: Vor Beginn der eigentlichen Arbeit mit den Jugendlichen muss die Moderation eine breite Kenntnis des Ortes erwerben, die sie sich durch Ortsbegehungen und historische, sowie aktuelle Informationen erschließen kann. Die Moderation, die "die Spurensicherung mit den Jugendlichen betreiben will, muss selber lernen, Spuren zu sehen - jene des Alltags, der Arbeit der Vergangenheit und des aufgezwungenen Fortschritts" (Lecke 1983, S. 132). Eine Befragung informierter Bewohnerinnen und Bewohner und Kontakt zu Behörden kann hilfreich sein.

Die Moderation muss die Form der Spurensicherung (Kompaktprojekt oder als Veranstaltungsreihe) und die Methoden für die verschiedenen Phasen genau auswählen und auf den Gruppenprozess abstimmen. Sie sollte sich vorab bereits überlegen, was mit den Ergebnissen der Spurensicherung geschieht (z.B. Veröffentlichung), aber gleichzeitig darauf achten, dass der Prozess und nicht das Ergebnis im Mittelpunkt der Interessen steht.

Verlauf
Die Spurensicherung wurde bisher überwiegend in Dörfern durchgeführt, dies hat den Vorteil der Überschaubarkeit der sozialen und räumlichen Verhältnisse und gewährleistet eher als in der Stadt einen ganzheitlichen Bezug zum Lebens- und Arbeitsort. Wichtig für das Gelingen einer Spurensicherung ist, dass die Jugendlichen Zugänge und persönliche Bezüge zu ihrem Ort entwickeln können. Unüberschaubarkeit erschwert dies. In der Stadt wäre das Quartier der geeignete Bezugsrahmen und die Spurensicherung sollte dort mit einer relativ stabilen Gruppe stattfinden (vgl. ebd.). Wenn im folgenden, der Einfachheit halber, von Ort oder Dorf die Rede ist schließt dies eine Übertragbarkeit auf die städtische Ebene nicht aus.

Nach Lecke 1983 beinhaltet die Spurensicherung in groben Umrissen folgende sechs Phasen.

  • 1. Phase: Zu Beginn machen die Jugendlichen sich spielerisch mit den Methoden der Spurensicherung vertraut indem sie durch eine ungewohnte, gemeinsame Aktivität langsam in die Rolle der "Spurensicherinnen oder -sicherer" schlüpfen und sich gleichzeitig intensiver kennenlernen können. Dies kann z.B. in Form einer Wanderung mit unterschiedlichen Stationen (z.B. alte Schule, Landgüter, Dorfbrunnen, Häuserblock, Kleingewerbe im Hinterhof) geschehen. Hier können sie etwas zeichnen, fotografieren, filmen, Leute befragen etc. und dies anschließend kurz schriftlich zusammenfassen.
  • 2. Phase: Um das Interesse der Jugendlichen für ihren Ort zu wecken und die Auseinandersetzung mit einzelnen "Spuren" ihrer Lebens- und Arbeitswelt anzuregen, findet ein Dorfspiel (bzw. gegebenenfalls Stadtspiel) statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkunden in Kleingruppen bis zu fünf Personen anhand von Aufgaben und konkreten Fragestellungen die Situation des Dorfes. Die Moderation kann hier beliebige Methoden anwenden. Wichtig ist, den Jugendlichen durch die Fragen zu den Themenbereichen (Politik, Soziales, Kultur, Geschichte) möglichst ein breites Spektrum an Spurensicherungsansätzen zu bieten. Als mögliche Aufgaben bieten sich z.B. eine Befragung eines alten Landwirts an, ein Bild des örtlichen Geschäfts und der Inhaberin, eine Collage der ehemaligen Mühle etc. Am Ende präsentieren alle Gruppen den anderen ihre Ergebnisse (z.B. als Zeichnung, als Rollenspiel, als Sketch oder Lied).
  • 3. Phase: Die Moderation wertet nun mit den Jugendlichen die spielerisch gewonnenen Eindrücke aus. Die Jugendlichen berichten von ihren Recherchen, die sie in dieser Phase mit eigenen Lebenserfahrungen am Ort verbinden sollen. Ziel ist es, die Jugendlichen durch den Austausch und das Erzählen von eigenen Erinnerungen (Spiele in der Kindheit, geheimnisvolle Begebenheiten, lustige Erlebnisse) anzuregen, über sich selbst und eigene Entscheidungen und Lebensperspektiven nachzudenken. Es bieten sich viele kreative Methoden zur Förderung dieser Phase an. Wenn sich nicht bereits in der 2. Phase bestimmte Interessen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer herauskristallisiert haben, versucht die Moderation Untersuchungsinteressen bzw. -schwerpunkte festzustellen.
  • 4. Phase: Die Jugendlichen knüpfen an für sie interessante Spuren an. Als "Forscherinnen und Forscher" verfolgen sie diese Fährte, um durch gezielte Fragen an Bewohnerinnen und Bewohner, Streifzüge durch den Ort etc. detailliertere Eindrücke zu gewinnen. Erfolg hat das Forschen dann, wenn die Jugendlichen bisher unbeachtete Situationen, Strukturen, Prozesse wahrnehmen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Die Beschreibungen und die Fotos einer älteren Dorfbewohnerin über den Ort und die sozialen Treffpunkte können sie z.B. dazu nutzen, um über die Lebensqualität des Ortes, den Dorfladen, die vorhandenen Freiräume und Straßen nachzudenken.
  • 5. Phase: Die Jugendlichen schreiben als " Forscherinnen und Forscher" ihre Ergebnisse und Erkenntnisse nieder. Dabei sind alle Formen der literarischen Darstellung (Märchen, Komik, Sachbericht etc.) erlaubt. Die Moderation unterstützt dies durch Methoden, die ein lebendiges und freies Schreiben fördern, z.B. durch die Methode "Diktieren lassen", bei der die Jugendlichen ihre Ergebnisse diktieren und die Moderation als Sekretärin oder Sekretär hinter der Schreibmaschine auftritt. Wichtig ist, den Jugendlichen Ängste zu nehmen und Hilfestellungen zu geben. Vorteilhaft ist die Errichtung eines Redaktionsbüros, wo sich alle notwendigen Materialien und Maschinen sowie Sitzecken für die Gruppen befinden. Am Ende dieses Prozesses steht ein gemeinsam erarbeitetes Skript für ein Buch.
  • 6. Phase: Wann die Redaktion abgeschlossen ist, entscheiden die Jugendlichen. Wenn alle Texte vorliegen, schreiben einige von ihnen das Vor- und Nachwort, was die einzelnen Beiträge der Spurensicherung zu einem Gesamten verknüpfen soll. Beim Layout, eine häufig harte Kleinarbeit, erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer intensive Unterstützung von Fachleuten.

Hinweise zur Durchführung
Die Intensität und Qualität des Prozesses der Spurensicherung ist stark geprägt von Harmonie oder Spannung innerhalb der Gruppe und dem Alter der Jugendlichen, den noch vorhandenen Bezügen zum Ort usw. Dies erfordert von der Moderation besonderes pädagogisches Gespür und Erfahrung bei der Vorbereitung und Durchführung. Sie müssen die Neugier und die vorbehaltlose Offenheit als wichtigste Impulse der Spurensicherung fördern, damit nicht mitgebrachtes Halbwissen und vorgefertigte Urteile den Verlauf stören und neue Erfahrungen blockieren. Die Jugendlichen können durch die entdeckten "Spuren" und aufgeworfenen Fragen Probleme des Ortes offen legen. Dies kann öffentliche Diskussionen oder Konflikte auslösen, in die der Jugendliche hineingezogen wird, ohne in der Lage zu sein, diese durchzustehen. In solchen Fällen sollte die Moderation die Jugendlichen auf den möglichen Ärger hinweisen, den sie auslösen können (vgl. Lecke 1983, S. 142-144). Andererseits sollte die Moderation sich in der Öffentlichkeit für die "ungeschönte" Seh- und Schreibweise der Jugendlichen stark machen. Es ist vorteilhaft, wenn Bezugspersonen aus dem Ort eingebunden werden, die den Gruppenprozess (bei entstehendem Interesse der Jugendlichen) weiterführen können.

Weiterarbeit
Die Spurensicherung dient dazu, Jugendliche langfristig zu politischem Handeln anzuregen und sich für eigene Interessen stark zu machen. Sie dient nicht vorrangig dazu, kurzfristig Ergebnisse für spezielle laufende Planungen zu liefern. Dennoch kann diese Aktivierungsphase genutzt werden, um die Jugendlichen im Anschluss an konkreten Planungsprozessen zu beteiligen.
Kristallisieren sich während der Spurensicherung bestimmte Interessen heraus (z.B. Darstellung der Lebenssituation als Theaterstück oder Hörspiel) kann darauf aufbauend z.B. ein Workshop stattfinden. Wichtig ist es, die mit der Spurensicherung entfaltete Aktivität und Motivation fortzuführen.

Beispiel
In A-Dorf diskutiert man seit langem, an einer Dorferneuerung teilzunehmen, wartet aber auf den Bescheid. Die Volkshochschule der Samtgemeinde entwickelt anlässlich dieser Situation die Idee, mit den Jugendlichen eine Spurensicherung durchzuführen. Die Jugendlichen sollen die Gelegenheit erhalten vor der Planung ihre "Spuren" zu finden und zu sichern, um darauf aufbauend ihre Interessen in die Planung einbringen zu können. Zwei Pädagoginnen der Volkshochschule entwickeln mit einem aufgeschlossenen Mitarbeiter des Planungsamtes der Gemeinde das Konzept.
Sie planen die Spurensicherung als achttägiges Intensivprojekt in den Osterferien und laden alle Jugendlichen des Dorfes dazu ein. Elf Jugendliche aus A-Dorf und fünf Jugendliche aus dem Nachbardorf melden sich daraufhin an.
Am ersten Tag der Spurensicherung erklärt die Moderationen kurz den Ablauf des Projekts. Danach beginnen die Jugendlichen mit einer Sternwanderung, die sie in vier Gruppen aufgeteilt von vier Punkten des Dorfes auf den zentral gelegenen Dorfladen führt. Dabei haben sie die Aufgabe, alle für sie bemerkenswerten Dinge fotografisch festzuhalten. Jede Gruppe soll zusätzlich zu einem selbstgewählten Ort ein kleines Rollenspiel entwickeln. Im Bild festgehalten wird z.B. der Fischteich am Dorfrand, das alte Backsteinhaus mit der Linde, Blick in die kleine Gasse, spielende Kinder im Baumhaus, die stark befahrene Hauptstraße, die Obstwiese. Im Rollenspiel stellen die Jugendlichen mit viel Spaß Szenen aus ihrem Alltag dar: abendliches Treffen in der Kneipe, Streit mit dem dicken Nachbarn etc. Am nächsten Tag findet ein Dorferkundungsspiel statt. Ausgerüstet mit Interviewzetteln, Tonband und Fotoapparat ziehen die Gruppen durch den Ort und befragen die Bewohnerinnen und Bewohner z.B. zu folgenden Themen: Aussehen des früheren Ortes, Nutzung des Dorfplatzes, frühere Arbeitssituation der Landfrauen, Nebenerwerbslandwirtschaft im Ort, Arbeit außerhalb des Dorfes. Am Ende des Tages wissen die Jugendlichen viele interessante Neuigkeiten zu berichten und sind über manche Bewohnerin und Bewohner des Dorfes positiv überrascht. Jede Gruppe berichtet ausführlich und verfasst auf Drängen der Moderation einen kurzen Text.

Am dritten Tag spielt die Moderation die Tonbandaufnahmen des Vortages noch einmal vor. Dazu werden die über Nacht entwickelten Fotos gezeigt. Daran anknüpfend lassen sie die Jugendlichen (aufgeteilt in zwei Gruppen) nochmals berichten, fordern sie zugleich auf, das Erfahrene mit eigenen Erinnerungen zu verknüpfen. Einige Jugendliche sind eher zurückhaltend, bei anderen sprudeln die Erinnerungen über Banden- und Liebesgeschichten, Neckereien des Nachbarn und andere Begebenheiten. Nach einiger Zeit fordert die Moderation die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, weitere Erlebnisse als Collage darzustellen, die später vorgestellt werden sollen. Am Ende des Tages suchen alle Beteiligten nach Inhalten und Gewichtungen für weitere Unternehmungen und bilden dazu erneut Gruppen. An den nächsten beiden Tagen sammeln die Jugendlichen zu ihren ausgewählten Schwerpunkten (z.B. die Kinder im Ort, der Dorfteich und seine Geschichte, der Niedergang der Landwirtschaft, Oma Liesel und ihre Kindheit) weitere Informationen und arbeiten intensiv an der Thematik. Einige ältere Dorfbewohner suchen in alten Kisten nach vergrabenen Fotos und der Küster öffnet das Dorfarchiv.
An den restlichen drei Tagen heißt es dann, alle "Forschungsergebnisse" und eigenen Erfahrungen im dafür eingerichteten Redaktionsbüro auf Papier zu bringen, was zunächst erhebliche Schwierigkeiten verursacht. Durch kreative Schreibspiele und durch Tipps und viel Geduld der Moderation entstehen nach und nach Erzählungen, Comics und Sachtexte (z.B. unter dem Titel: "Die Forelle erzählt ihr Leben ... .. Der Wandel der Straßen", "Die weite Fahrt zur Arbeit des Herrn X"). Einige der Jugendlichen kümmern sich um Zeichnungen und Fotos. Insgesamt arbeiten alle mit einigen Ausnahmen intensiv an dem Buch, das mit Unterstützung einer Grafikerin am Ende des Projektes fertig ist.
Ein halbes Jahr später beginnt die Dorferneuerung, Angeregt durch die Jugendlichen bemühen sich die Planerinnen und Planer, einige Ergebnisse der Spurensicherung in der Planung zu berücksichtigen und organisieren zu diesem Zweck einen Gesprächsabend mit der Gruppe, an dem sie ihre Belange besprechen.

  Tipps

  • Die Moderation von Spurensicherungen erfordert pädagogische Fähigkeiten. Für Planerinnen und Planer kann es hilfreich sein, mit einer pädagogisch geschulten Fachkraft (Jugendpfleger, Lehrerin etc.) zusammenzuarbeiten.
  • Der Prozess sollte bei dieser Methode im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig sollten jedoch auch die Ergebnisse in einer geeigneten Weise festgehalten werden.

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6.  Arbeitsklima fördern

Eine gute Arbeitsatmosphäre ist wesentliche Grundlage für das Gelingen einer Veranstaltung. Wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich wohlfühlen und ihren Bedürfnissen entsprechend aufgehoben sind, können sie wesentlich motivierter arbeiten und verbinden diese Stimmung auch mit dem Inhalt der Veranstaltung.
Auf ein positives Grundgefühl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollte die Methode deshalb bei jeder Veranstaltung hinwirken. Dies bedeutet, dass der Arbeitsatmosphäre verstärkt Stellenwert beigemessen werden muss. Die Moderation sollte Störungen im Teilnehmerkreis ernst nehmen und die Bedürfnisse, Stimmungen und Meinungen der Teilnehmerinnen stärker in den Mittelpunkt rücken. Nur die gleichberechtigte Berücksichtigung von Form und Inhalt kann eine gelungene Veranstaltung bewirken.

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6.1 Blitzlicht

Während einer Veranstaltung (z.B. einer Arbeitsgruppe oder eines Werkstattgesprächs) können immer Störungen auftreten, die die Moderation zum Thema machen sollte. Ebenso kann es sein, dass während einer Veranstaltung die Stimmungs- und Meinungslage in der Gruppe nicht eindeutig ist. Diese zu klären kann aber für den weiteren Arbeitsprozess von Bedeutung sein.
Mit Hilfe eines ..Blitzlichts" erhalten alle Beteiligten einen Einblick in die augenblickliche Stimmung oder die bestehenden Meinungen in der Gruppe. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer (auch die eher zurückhaltenden und nicht nur die dominanten) können Stellungnahmen, Vorschläge, Ideen, Wünsche oder vorhandene Gefühle in einer bestimmten Situation der Veranstaltung äußern und von den anderen erfahren.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, Exkursion, Ortsbegehung, Ausschuss und Beirat, Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Planungszelle, kooperativer Workshop, Runder Tisch, Arbeitsgruppe, Zielgruppenbeteiligung.
  • Teilnehmerzahl: maximal 30
  • Dauer: zwischen 30 und 60 Sekunden pro Teilnehmerin und Teilnehmer
  • Material/Medien: keine
  • Vorbereitung: Kenntnisse bei der Anwendung der Methode; situationsabhängiges Benennen der Fragestellung.

Verlauf
Alle Beteiligten (auch das Moderationsteam) nehmen reihum mit einem oder zwei Sätzen zu einer bestimmten Frage Stellung. Die Äußerungen der Einzelnen sollen die persönliche Sicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wiedergeben. Das Blitzlicht kann zu Beginn, während und/oder am Ende einer Veranstaltung eingesetzt werden. Mögliche Fragestellungen für ein Blitzlicht sind:

  • Was erwarte ich von der heutigen Sitzung?
  • Welche Meinung vertrete ich nach der bisherigen Diskussion?
  • Was würde ich zu diesem Problem vorschlagen?
  • Was gefiel mir in der heutigen Sitzung gut, was gefiel mir nicht?

Folgende Regeln sind zu beachten:

  • jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer sollte nur in einem bis zwei Sätzen möglichst konkret antworten.
  • Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen keine der Antworten während der Runde positiv oder negativ kommentieren (Diskussionen können nach der Runde stattfinden).
  • Sie sollen sich nicht auf ihre Vorrednerinnen und -redner berufen oder sich ihnen gar lediglich anschließen.
  • Wer keine Rückmeldung geben will, darf das Wort weiterreichen.

Hinweise zur Durchführung
Damit das Blitzlicht in der vorgesehenen kurzen Form abläuft, ist es wichtig, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die Regeln zu erinnern. Die Moderation sollte dazu die Runde straff und konzentriert leiten. Gerade redegewandte Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterbrechen ansonsten schnell das beabsichtigte "Blitzlicht'.
Neben den Informationen bietet das Blitzlicht Ansatzpunkte, um kritische Phasen im Arbeitsprozess zu überwinden. Die Moderation sollte das Blitzlicht dann dazu nutzen, herauszufinden, warum in einer bestimmten Phase z.B. Unmut oder Unlust aufkommt.

Weiterarbeit
Häufig kann ein Blitzlicht für sich stehen. Zum Teil ergeben sich über die Beiträge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wichtige Aspekte oder Fragestellungen, an denen sie weiterarbeiten sollten. Das weitere Vorgehen nach einem Blitzlicht kann die Gruppe gemeinsam diskutieren.

Beispiel
In A-Stadt veranstaltet das Stadtplanungsamt zusammen mit der örtlichen Volkshochschule eine Zukunftswerkstatt zu dem Thema "A-Stadt im Jahre 2010". 25 interessierte Bürgerinnen und Bürger haben sich dazu an einem Wochenende zusammengefunden.
Nach der Kritikphase leitet die Moderation mit einem Spiel zur Phantasiephase über. Dann sammeln sie Ideen, wie A-Stadt im Jahre 2010 aus Sicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aussehen soll. Obwohl die Moderation immer wieder darauf hinweist, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Ideen noch nicht kritisieren oder kommentieren sollen, halten sich einige nicht daran. Diese Störung nimmt die Moderation zum Anlass, ein Blitzlicht durchzuführen, bei dem jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer in ein bis zwei Sätzen die Frage beantworten soll: "Was gefällt mir bzw. gefällt mir nicht an der Phantasiephase?". Es kommen Äußerungen wie z.B. "Ich habe keine Lust mich auf solch einen Kinderkram einzulassen", "Ich fühle mich ständig kritisiert ... .. Ich habe jetzt schon mehrmals geäußert, dass noch keine Kritik kommen soll und einige halten sich trotzdem nicht daran".
Dieses Stimmungsbild nimmt die Moderatorin zum Anlass, an Hand einer bereits durchgeführten Zukunftswerkstatt noch einmal den Sinn der Phantasiephase zu erläutern. Durch die Thematisierung der Störung ist das Arbeitsklima nachher weniger gereizt und die Phantasierunde nimmt doch noch einen befriedigenden Verlauf.

  Tipps

  • Ein Blitzlicht ist besonders dann hilfreich, wenn die Stimmungs- oder Meinungslage in der Gruppe nicht klar ist und die Arbeit dadurch gestört wird .
  • Die Blitzlicht-Runde soll straff und konzentriert geleitet werden.
  • Eine Antwort aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist erwünscht die Weitergabe ohne eigenen Beitrag jedoch ausdrücklich erlaubt.

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6.2  Stimmungsbarometer

Gruppenarbeit ist stimmungsabhängig: Das "Klima" im Teilnehmerkreis beeinflusst wesentlich den Erfolg gemeinsamen Arbeit. Das Stimmungsbarometer kann dabei helfen, auf "Klimaveränderungen" frühzeitig zu reagieren: Veranstaltungsbegleitend bringen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Situationsbeurteilung durch einfache Symbole auf einer Wandzeitung zum Ausdruck. So wird für alle Beteiligten die Stimmung in einzelnen Veranstaltungsphasen sichtbar und es besteht jederzeit die Möglichkeit, Konsequenzen zu ziehen. Das Stimmungsbarometer ist damit sowohl Motivationsstütze (bei positiven Entwicklungen des Klimas) wie Frühwarninstrument, das Störungen deutlich macht und Korrekturen ermöglicht.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung:

  • Zum Beispiel geeignet für: . .. zahlreiche, über längere Zeit angelegte Gruppenarbeiten z.B. Zukunftswerkstätten, Aktion "Ortsidee", Planungszelle, Arbeitsgruppe.
  • Teilnehmerzahl: maximal 40
  • Dauer: 10 Minuten für die Erläuterung der Methode. Da die Stimmungslage während der Veranstaltung oder in den Pausen auf der Wandzeitung markiert wird, ist hierfür keine gesonderte Zeit einzuplanen. Der Gesamtzeitrahmen sollte aber ausreichend flexibel sein, um auf Entwicklungen in der Gruppe reagieren zu können.
  • Material/Medien: Wandzeitung, Klebepunkte bzw. "Smilies" (= auf große Papierpunkte aufgezeichnete Gesichter mit unterschiedlichen Ausdrücken), Stifte
  • Vorbereitung: Die Wandzeitung für das Stimmungsbarometer sollte vor der Veranstaltung angefertigt werden.

Verlauf:
Zu Beginn der Veranstaltung werden Verfahren und Sinn der Methode erläutert. Dabei verdeutlicht die Moderation, wie eine "Stimmung" auf der Wandzeitung zum Ausdruck gebracht werden kann. Während der Veranstaltung oder in den Pausen markieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Hilfe der Klebepunkte oder Smilies ihre Stimmungslage an der Wandzeitung. Dies sollte geschehen ohne die Veranstaltung zu stören. Die Moderation sollte die sichtbar werdenden Stimmungsentwicklungen in geeigneter Weise aufgreifen. Bei Stimmungseinbrüchen kann z.B. die inhaltliche Erörterung an geeigneter Stelle unterbrochen werden, um gemeinsam die Situation einzuschätzen, Ursachen zu benennen und ggf. Veranstaltungsprogramm oder Bearbeitungsweise zu ändern. Auch positive Rückmeldungen können aufgegriffen und zur Verstärkung der Motivation eingesetzt werden.

Varianten:
Für die Darstellung eines Stimmungsbarometers bzw. -diagramms gibt es verschiedene Möglichkeiten (vgl. die Abbildungen). Auch kann die Auseinandersetzung mit den (Zwischen-) Ergebnissen unterschiedlich gestaltet werden (siehe Weiterarbeit).

 Hinweise zur Durchführung:
Entscheidend ist auch hier der Beginn: viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zunächst einer solchen Methode skeptisch gegenüberstehen. Es kommt darauf an, das "Eis zu brechen". Die praktische Vorführung der Methode durch die Moderation kann dazu beitragen. Gegebenenfalls ist vor einer ersten Pause noch einmal auf das Barometer hinzuweisen.
Andererseits sollte diese Methode nicht zu sehr in den Mittelpunkt rücken. Weder ist es sinnvoll, dass das Barometer ständig im Blickfeld aller ist, noch sollte zu oft auf Markierungen Bezug genommen werden. Nur wenn es zu einer selbstverständlichen, veranstaltungsbegleitenden Anwendung kommt, wird diese Form der laufenden Rückmeldung sinnvoll einsetzbar sein.
Das Stimmungsbarometer sollte graphisch so gestaltet sein, dass die Stimmungslage unmittelbar ablesbar ist, also nicht z.B. eines Auszählens bedarf.
Deutliche Stimmungsumschwünge sollten möglichst bald aufgegriffen werden. Dies setzt eine flexible Veranstaltungsführung voraus, die Raum für Unterbrechungen lässt und auch Änderungen im Programm oder in der Arbeitsform möglich macht.

Weiterarbeit
Die Ergebnisse des Stimmungsdiagramms bzw. -barometers können in einer Abschlussrunde am Ende der Veranstaltung oder mit einem  "Blitzlicht", in dem z.B. nach Ursachen gefragt wird bzw. in einer    "Is' was Runde" während der Veranstaltung aufgegriffen und ausgewertet werden.
Langfristig kann die Moderation aus den Rückmeldungen Schlüsse auf ihre Veranstaltungsplanung ziehen und sie entsprechend verbessern.

Beispiel:
Im Rahmen eines Workshops "Die zukünftige Entwicklung der Kulturlandschaft in der Region X" ist es der Moderation wichtig, möglichst genau auf die Einstellungen und Stimmungen in der Gruppe reagieren zu können, da der Teilnehmerkreis sehr heterogen und auch die Arbeitsform vielen noch ungewohnt ist. Daher ist eine laufende Rückmeldung vorgesehen und zu diesem Zweck ein Stimmungsbarometer auf eine Wandzeitung aufgezeichnet worden. Zu Beginn des Workshops wird - neben den inhaltlichen und sonstigen organisatorischen Hinweisen - auch die Methode "Stimmungsbarometer" erläutert.
Die Wandzeitung wird allerdings zunächst nur sehr zögerlich angenommen. Als jedoch die ersten Klebepunkte hängen und die Moderation noch einmal auf das Stimmungsbarometer hingewiesen hat, kleben fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der gemeinsamen Arbeit Punkte auf. In der zweiten Hälfte des Workshops wird am "Barometer" ablesbar, dass die Stimmung deutlich sinkt. Als die Moderation dies merkt, unterbricht sie den inhaltlichen Ablauf und fragt die Gruppe, worauf diese Entwicklung zurückzuführen sei. Es stellt sich heraus, dass einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erschöpft sind oder sich überfordert fühlen und eine Pause wünschen. Andere können mit dem derzeitigen Arbeitsschwerpunkt "Tausend Ideen für die nächsten 20 Jahre" nur wenig anfangen. Ihnen ist der Sinn dieser Ideensammlung nicht klar. Die Moderation schlägt daraufhin vor, eine Pause einzuschieben. Mit Wiederbeginn der inhaltlichen Arbeit geht sie noch einmal auf die geäußerte Skepsis gegenüber der offenen Ideensammlung ein, erläutert deren Bedeutung anhand anderer Beispiele und bespricht zudem die weitere Vorgehensweise gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

  Tipps

  • Die Anwendung der Methode sollte von der Moderation praktisch vorgeführt werden. Bei zögernder Akzeptanz ist im Laufe der Veranstaltung erneut auf das Barometer zu verweisen.
  • Der Veranstaltungsrahmen muss ausreichend flexibel sein, um Reaktionen auf Stimmungsumschwünge zu ermöglichen.

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6.3  Is' was-Runde

Ähnlich wie ein Blitzlicht (oder die Reaktion auf " Klimaveränderungen" beim Stimmungsbarometer) wird auch bei der Is' was-Runde" die inhaltliche Arbeit für eine kurze Phase unterbrochen, damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit erhalten, sich zu Gruppenklima, Arbeitsweise oder Arbeitsinhalten zu äußern. Der bisherige Veranstaltungsverlauf oder aktuelle Problemsituationen in der Gruppenarbeit werden reflektiert und damit Möglichkeiten eröffnet, gemeinsam notwendige Klärungen vorzunehmen bzw. Änderungen in Arbeitsweise und Programm zu vereinbaren.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstätten, Planungszelle, kooperativer Workshop, Runder Tisch, Arbeitsgruppe.
  • Teilnehmerzahl: maximal 30
  • Dauer: ca. 30 Minuten. Die Dauer ist von der Teilnehmerzahl und der Anzahl der Aspekte, die vom Teilnehmerkreis oder der Moderation angesprochen werden abhängig.
  • Material/Medien: keine
  • Vorbereitung: Vor Beginn der Veranstaltung sollte geklärt werden, ob der Zeitrahmen ausreichend Möglichkeiten bietet, auf Fehlentwicklungen z.B. mit einer Is' was-Runde einzugehen.

Verlauf
Mit der Is' was-Runde wird auf Entwicklungen im Arbeitsprozess reagiert. Lethargie, gereizte Stimmung, häufige Störungen, Abschweifen von den vorgesehenen Inhalten können z.B. Zeichen dafür sein, dass Klärungen notwendig sind. Es ist Aufgabe der Moderation, hier den richtigen Zeitpunkt zu erkennen. Hält sie eine Intervention für notwendig, wird dies der Gruppe angezeigt: Unter Verweis auf die Zeichen der Missstimmung schlägt sie eine Unterbrechung der inhaltlichen Arbeit und eine kurze Reflexion des Arbeitsprozesses vor. Sinn und Verlauf einer Is' was-Runde werden erläutert. Beispielhaft werden einige Aspekte genannt, die Anlass zu Missbehagen geben können und in der Runde mitgeteilt werden sollten:

  • Persönliche Gründe: z.B. dass jemand früher gehen muss, sich unwohl fühlt und sich z.B. deshalb in der Gruppe zurückhält;
  • Kritik an dem bisherigen Veranstaltungsverlauf (methodisch bzw. inhaltlich) verbunden mit
  • Ideen und Anregungen für die Veranstaltung;
  • Kritik an der Arbeitsatmosphäre etc.

Danach bekommen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Reihe nach die Möglichkeit, auf diese oder andere Aspekte kurz einzugehen.
Nach Abschluss der Runde werden durch die Moderation zentrale Aspekte zusammengefasst und solche, die einer sofortigen Klärung bedürfen, näher behandelt. Sofern Änderungen in Arbeitsform und Inhalten erforderlich erscheinen, werden sie ebenfalls kurz - gemeinsam erörtert.

Varianten
Die Is' was-Runde kann sehr verschiedene Namen haben: ob man sie nun "kurze Reflexionsphase", "Metakommunikation" oder "Nachdenken über den Arbeitsprozess" nennt, wird vom Sprachgebrauch im Teilnehmerkreis und der jeweiligen Situation abhängen. Gemeint ist damit jedoch immer ein Klärungsprozess, der die Fortsetzung der inhaltlichen Arbeit erleichtern soll. Ebenso vielfältig wie die Bezeichnungen sind Einleitung und Durchführung dieser Methode.

Hinweise zur Durchführung
Die Is' was-Runde wird zumeist als reaktive Methode eingesetzt. Daher sollte bei ihrer Einführung der Anlass, auf den jeweils reagiert wird, deutlich gemacht werden (Störungen, Passivität etc.) - allerdings sollte dies in Frage- oder Vermutungsform geschehen ("Wir haben den Eindruck...", "Könnte es sein ... ?"), um Suggestionen zu vermeiden. Auch ist es sinnvoll zu erläutern, warum eine Klärung der Frage "ls' was?" für den weiteren Verlauf der Veranstaltung notwendig ist.
Wichtig ist, dass die Runde zügig durchgeführt wird. Es ist also darauf zu achten, dass die Beiträge nicht zu lang und ausschweifend werden. Kurze Rückmeldungen werden erbeten und vielleicht seitens der Moderation zu Beginn der Runde beispielhaft genannt ("Ich finde unsere Diskussion zur Zeit unergiebig", "wir sollten mal eine Pause machen" o.ä.). Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten sich auf bereits erwähnte Aspekte beziehen, statt sie noch einmal zu wiederholen.

Weiterarbeit
Die Moderation kann anbieten, die Is' was-Runde nach einer ersten Durchführung (in mehr oder minder regelmäßigen Abständen) zu wiederholen, um dem Teilnehmerkreis deutlich zu machen, dass Interesse an einer aktiven Rückmeldung besteht.
In jedem Fall ist es für die Moderation sinnvoll nach der Veranstaltung Auslöser und Ergebnis der Runde zu reflektieren, um für ihre weiteren Veranstaltungen Konsequenzen zu ziehen.

Beispiel
Eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern nehmen an einer Planungszelle anlässlich einer Standortauswahl für ein neues Industriegebiet teil. Die Moderation führt die Methode am zweiten Tag ein, greift Erfahrungen des ersten Tages auf und reagiert auf Veränderungen. Zunächst werden Ablauf und der Sinn der Runde erläutert und dann beginnt eine Moderatorin mit ihren Anmerkungen. Sie stellt fest, dass zwei Teilnehmerinnen nicht wiedergekommen seien und fragt die übrigen, ob sie Gründe kennen. Weiterhin betont sie das angenehme Gruppenklima, das sie am ersten Tag empfunden hat. Sie wünscht sich jedoch, dass die einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer besser ausreden können und nicht durch andere unterbrochen werden. Eine Teilnehmerin äußert das Interesse, mehr Informationen über das Planungsverfahren zu erhalten, da sie dies am gestrigen Tag vermisst hat. In weiteren Beiträgen wird auf die bereits gegebenen Hinweise zum Diskussionsstil Bezug genommen, Unzufriedenheit mit der inhaltlichen Erläuterung wichtiger Aspekte geäußert und eine straffere Gesprächsführung gewünscht. Ein Teilnehmer nutzt die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass er heute etwas früher gehen müsse und entschuldigt sich bereits, um später während der Veranstaltung nicht zu stören. In dieser Form bekommen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Reihe nach die Gelegenheit etwas zu sagen. Die Moderation fasst die wichtigen Aspekte - insbesondere Gesprächsführung, Diskussionsstil und inhaltliche Grundlagen - zusammen, erklärt sich bereit, die diesbezüglich deutlich gewordene Kritik im weiteren Verlauf zu berücksichtigen und schlägt zudem vor, die Is' was-Runde zu Beginn des nächsten Arbeitstages zu wiederholen. Danach wird die inhaltliche Arbeit fortgesetzt.

  Tipps

  • Entscheidend ist der Zeitpunkt für eine Is' was-Runde: wenn erst einmal die "Abstimmung mit den Füßen" begonnen hat, ist es zu spät, um noch nach den Ursachen zu fragen.
  • Auch diese Methode bedarf einer klaren Einführung: das gilt sowohl für den Hinweis auf Sinn und Zweck wie auch auf die Vorführung der praktischen Handhabung.
  • Die Runde muss straff moderiert werden. Ausschweifende Beiträge sollten abgebrochen werden.

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7.  Reflexion und Nacharbeit

Wenn nach einer Veranstaltung die Beteiligten auseinandergehen ist durchaus nicht immer offensichtlich, wie Verlauf und Ergebnis der gemeinsamen Arbeit von ihnen bewertet werden. Ein Meinungsaustausch findet möglicherweise zwischen einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt, aber so entsteht kein Gesamtbild. An dem aber sind durchaus nicht nur die Veranstalter interessiert:

  • Zumeist sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch neugierig darauf, wie die anderen die Veranstaltung/die Gruppenarbeit beurteilen. Ein abschließendes Gespräch, an dem alle beteiligt werden, vermittelt zudem noch einmal den Eindruck, dass jede Meinung in der Runde von Bedeutung ist. Und nicht zuletzt vermag eine gemeinsame Bilanzierung so etwas wie einen Schlusspunkt zu setzen, mit dem die Veranstaltung abgerundet und ein formloses "Auseinanderlaufen" vermieden wird. Aus der Sicht der Moderation bzw. der Veranstalter ist die zusammenfassende Be- und Auswertung als Evaluation der eigenen Bemühungen ebenso von Bedeutung wie als Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung von Arbeitsinhalten und -formen.
    Aus diesem Grunde sind hier drei Formen für die Reflexion und Nacharbeit vorgestellt:
  • Bilanzfrage und Fragebogen sind eng verwandte Methoden, mit denen eine abschließende Auswertung in der Gesamtgruppe angeregt und strukturiert werden kann.
  • Das "Tagebuch" ist eines der Hilfsmittel, mit denen die Moderation sich selbst Rechenschaft über ihre Arbeit ablegt und Grundlagen für Weiterentwicklungen schafft.

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7.1  Bilanzfrage

Mit der "Bilanzfrage" sollen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Arbeitsergebnisse in Erinnerung rufen und bilanzieren, was ihnen die Veranstaltung gebracht hat. Zugleich sind sie aufgefordert, sofern notwendig, sach- und personenbezogene Kritik zu üben.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: ... alle gruppenbezogenen Arbeitsformen, die über einen halben Tag und länger angelegt sind, wie Exkursion, Ortsbegehung, Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Forum, Planungszelle, kooperativer Workshop, Runder Tisch...
  • Teilnehmerzahl: maximal 20
  • Dauer: mindestens 45 Minuten
  • Material/Medien: keine
  • Vorbereitung: Die Fragestellung für das abschließende Gespräch sollte vorbereitet sein.

Verlauf
Die Moderation leitet die Abschlussphase einer Veranstaltung damit ein, dass deren Verlauf noch einmal grob skizziert wird, um die einzelnen Phasen allen wieder in Erinnerung zu rufen. Dann wird eine Frage formuliert, die gemeinsam beantwortet werden soll. Die Fragestellung sollte so sein, dass sie "den Rückblick in die Polarität positiv - negativ fasst und damit zugleich den Blick nach vorn verbindet" (Knoll 1991, S. 178).
Mögliche Fragen sind u.a.:

  • Was hat mir die Veranstaltung gebracht, was nehme ich konkret aus der Veranstaltung mit?
  • Was hat mir nicht gefallen, was hat mir gefehlt?
  • Was für eine Frage oder Idee ist für mich noch präsent, an der ich weiterarbeiten möchte?

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen die Möglichkeit erhalten, sich zu den Fragen zu äußern. Die Moderation geht ebenfalls auf die Fragen ein. Sie kann das Gespräch offen gestalten oder vorgeben, dass alle reihum antworten.

Hinweise zur Durchführung
Es ist wichtig, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Chance bekommen, sich zu äußern. Dominante und ausschweifende Beiträge müssen daher ggf. unterbrochen werden, um anderen Gelegenheit zur Meinungsäußerung zu geben.
Die Aufmerksamkeit des Gesprächs kann sich auf einzelne Phasen oder Themen der Veranstaltung konzentrieren. Um auch andere Aspekte zu berücksichtigen, sollte die Moderation ggf. an sie erinnern.
Häufig sind Eindrücke und Kritik heterogen oder widersprüchlich. Wenn daraus der Wunsch entsteht dies, zu diskutieren, sollte die Moderation darauf aufmerksam machen, dass es hier nicht um die Einigung auf eine Gesamtbewertung o.ä. geht sondern dass verschiedene subjektive Äußerungen durchaus kontrovers nebeneinander stehen bleiben können. Kurze Diskussionen sind zwar erwünscht, jedoch sollte in der verbleibenden Zeit für die Abschlussrunde vor allem die Möglichkeit bestehen, die Eindrücke und Kritik dar- und gegenüber zu stellen.
Falls Kritik am Veranstaltungsverlauf geäußert wird, soll die Moderation dies keinesfalls voreilig auf sich beziehen und darauf unmittelbar reagieren. Das würde nicht nur der angestrebten Vielfalt und thematischen Breite der Einschätzung zuwiderlaufen, sondern auch die Verantwortlichkeiten unzulässig verkürzen: in teilnehmerorientierten Veranstaltungen sind viele für Verlauf und Gelingen verantwortlich. Läuft das Gespräch zunächst weiter, werden erfahrungsgemäß oft auch solche Aspekte (die Bezüge zwischen Verlauf und Gesamtgruppe herstellen) genannt.
Erst wenn die Runde abgeschlossen ist oder keine Meldungen mehr zu erwarten sind, wird die Moderation (sehr kurz) einige Aspekte zusammenfassen, Folgerungen vorschlagen und sich bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bedanken.

Weiterarbeit
Es ist möglich, dass im Gespräch der Wunsch sichtbar wird, mit einer weiteren Veranstaltung oder in anderer Form die Arbeit fortzusetzen.
In jedem Fall wird die Moderation die Ergebnisse dieser Abschlussrunde bei der internen Nacharbeit besonders berücksichtigen und - sofern notwendig - Konsequenzen für die weitere Arbeit ziehen.

Beispiel
Am Ende eines Workshops zur frauengerechten Stadtplanung führt die Moderation eine Bilanzfrage durch. Zunächst werden die Arbeitsphasen noch einmal umrissen. Dann werden die zwei Bilanzfragen auf einer Wandzeitung notiert und die 20 Teilnehmerinnen gebeten, dazu reihum kurz Stellung zu beziehen. Die Fragen lauten:

  • Was hat mir der Workshop gebracht und was nehme ich konkret aus dem Workshop mit?
  • Welche Inhalte und Arbeitsweisen haben mir gefallen und welche nicht bzw. fehlten mir?

In dem Rundgespräch äußerten die Teilnehmerinnen beispielsweise mehrmals, dass sie zu wenig über rechtliche Einwirkungsmöglichkeiten gelernt haben und dass in der Mitte des Workshops zu wenig Zeit zur Diskussion war. Auch die Moderation bemängelte selbstkritisch, dass ihre Zeitplanung zu eng war. Um das Interesse an mehr Informationen zu rechtlichen Einwirkungsmöglichkeiten zu decken, wurde vereinbart, zu diesem Thema eine Vortragsveranstaltung zu organisieren.

  Tipps:

  • Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten die Möglichkeit bekommen, sich zu äußern.
  • Es ist darauf zu achten, dass sich die Auswertung auf alle Phasen der Veranstaltung bezieht.
  • Kontrovers geäußerte Meinungen können nebeneinander stehen bleiben.
  • Kritik an der Moderation sollte (nicht zu früh) konstruktiv aufgegriffen werden.

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7.2 Fragebogen

Die Methode "Fragebogen" ist geeignet, um nach einer Arbeitsphase oder am Ende einer Veranstaltung Beteiligten ein Feedback zu vermitteln. Der Arbeitsprozess wird aufgearbeitet, Kritik geäußert und Positives hervorgehoben. Diese Auswertung bezieht sich sowohl auf die Arbeitsatmosphäre als auch auf die behandelten Inhalte und die damit verbundenen Erwartungen " an die Veranstaltung. Die vorgestellte "Fragebogen" - Methode dient nicht nur der Erhebung von Einstellungen und Bewertungen, sondern auch der gemeinsamen Erörterung. Das heißt: die Antworten auf die gestellten Fragen werden nach einer Phase der Einzel- oder Gruppenarbeit ins Plenum zurückvermittelt und dort erörtert.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: ... alle gruppenbezogenen Arbeitsformen, die über einen halben Tag und länger angelegt sind, wie Exkursion, Ortsbegehung, Aktion "Ortsidee", Zukunftswerkstatt, Forum, Planungszelle, kooperativer Workshop, Runder Tisch...
  • Teilnehmerzahl: maximal 30
  • Dauer: 15 bis 30 Minuten je nach Umfang des Fragebogens für die Einzelarbeit (bei Kleingruppenarbeit 20 bis 30 Minuten), ca. 30 Minuten für die Plenumsdiskussion
  • Material/Medien: DIN-A4-Papier, Stifte
  • Vorbereitung: Die Moderation muss einen für ihre Veranstaltung passenden Fragebogen auswählen bzw. erarbeiten.

Ein Beispiel für jene Aspekte des Fragebogens, die 'ich auf den Gruppenprozess beziehen, ist im folgenden (in Anlehnung an Brühwiler, 1992 und Rabenstein, 1980) aufgeführt:

1. Wie beurteilen Sie die Veranstaltungsführung?
Vorgegebene Antworten: z.B.

  • Die Diskussion ist sprunghaft.
  • Die Atmosphäre ist angenehm.
  • Die Moderation dominiert die Arbeit.
  • Alle Beteiligten gestalten den Verlauf der Diskussion gemeinsam.

2. Wie entwickelte sich die Meinungsbildung, wie kamen Entscheidungen zustande?

  • Vorschläge werden nicht aufgegriffen oder einfach überhört.
  • Man beschäftigt sich nur mit einem Vorschlag, wenn er von anderen Gruppenmitgliedern unterstützt wird.
  • Man einigt sich auf Kompromisse.
  • Ein oder mehrere Mitglieder versuchen, Entscheidungen gewaltsam durchzusetzen.
  • Entscheidungen werden unter Beteiligung aller getroffen.

3. Wie beurteilen Sie die Atmosphäre?

  • Das Gesprächsklima ist träge, die Mitglieder sind desinteressiert.
  • Die Anwesenden sind nett und höflich zueinander.
  • Das Gespräch interessiert die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und befriedigt die meisten.
  • Die Diskussion ist heftig, die Beziehungen sind gespannt.
  • Das Gespräch ist engagiert, lebhaft und fordert alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer heraus.

4. Wie wurde Ihrer Auffassung nach Kritik geäußert und auf sie reagiert?

  • Die einzelnen Beiträge werden wenig oder gar nicht kritisiert.
  • Fehler werden höflich übergangen.
  • Vorschläge werden kritisiert und mit der Aufforderung verbunden, nach besseren Lösungen/Ideen zu suchen.
  • Kritik wird von einigen Mitgliedern als Ablehnung empfunden und löst Widerstand, Rückzug oder Aggressionen aus.
  • Ideen und Vorschläge werden kritisch überprüft und wenn nötig verbessert.

Verlauf

  • Auseinandersetzung mit dein Fragebogen (15 bis 30 Minuten): In Einzelarbeit oder in ad-hoc gebildeten Kleingruppen (bis zu fünf Personen) versuchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die gestellten Fragen zu beantworten und halten ihre Antworten als Stichworten oder als Bewertung mit bestimmten Bewertungsstufen (z.B. fünf Bewertungsstufen, wobei 1 "trifft zu" und 5 "trifft in hohem Maße zu" bedeutet) fest.
  • Plenumsdiskussion (ca. 30 Minuten): Die Ergebnisse werden im Plenum vorgestellt und Folgerungen für aufgetretene Unzufriedenheiten besprochen.

Hinweise zur Durchführung
Wie immer bei Befragungen müssen Art und Verwendung der Ergebnisse zuvor erläutert werden. Es empfiehlt sich, die Fragen möglichst eng an der Veranstaltung zu orientieren, so dass der Bezug für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hergestellt wird.
Mit der Struktur des Fragebogens lässt sich die Erörterung im Plenum weitgehend vorbestimmen. Ihr ist also besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Die Fragebogen-Methode ist etwas starrer als die Bilanzfrage, da der Fragebogen bereits vor der Veranstaltung erstellt wird und insofern nur eingeschränkte Möglichkeiten bestehen, auf aktuelle Entwicklungen im Veranstaltungsverlauf einzugehen. Dennoch sollte auch eine gewisse Flexibilität möglich sein: durch ad-hoc-Ergänzung der Bögen, durch Streichen einzelner Fragen (wenn z.B. die Zeit zu knapp wird) u.ä.
Bei regelmäßigen Veranstaltungen ist es auch möglich, dass die Moderation die Fragebögen zu Hause auswertet und beim nächsten Mal die Ergebnisse vorstellt. Das setzt allerdings eine anonyme Erhebung bzw. Auswertung voraus.

Weiterarbeit
Die Moderation sollte die Auswertung der Fragebögen auch im Nachhinein nutzen, um auf den Erfahrungen aufbauend die eigenen Arbeitsformen weiterzuentwickeln.

Beispiel
Am Ende des zweiten Treffens eines Runden Tisches zum Thema " Flächensparender Wohnungsbau" verteilt die Moderation einen Fragebogen in Anlehnung an das obige Beispiel und ergänzt durch einige inhaltliche Aussagen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben ca. 20 Minuten Zeit ihn auszufüllen. Da der Zeitrahmen etwas knapp bemessen ist, findet die Auswertung zunächst nur in einem kleinen Kreis (Moderation und zwei Teilnehmer) statt. Die hierbei zusammengetragenen Ergebnisse werden zu Beginn des nächsten Treffens vorgestellt und gemeinsam erörtert. Einige Kritikpunkte, die bei den Ergebnissen im Vordergrund standen (Atmosphäre, Struktur der inhaltlichen Diskussion), werden von der Moderation aufgegriffen und Vorschläge unterbreitet, wie die zugrundeliegenden Probleme in der weiteren Arbeit vermieden werden können.

  Tipps

  • Der Fragebogen sollte einen möglichst engen Bezug zur Veranstaltung haben.
  • Der Zeitrahmen muss Spielräume lassen. Allerdings kann auch ggf. flexibel auf Zeitzwänge (z.B. durch Verkürzung des Fragebogens, durch Verlagerung des Auswertungsgesprächs in eine nächste Sitzung) reagiert werden

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7.3  Tagebuch

Jede Kommunikation in Planungsprozessen nimmt ihren eigenen Verlauf. Die Moderation ist also gefordert, ständig flexibel auf die sich verändernden Gegebenheiten zu reagieren. Diese Aufgabe bedarf viel Übung und Sensibilität für Gruppenprozesse.
Die Methode "Tagebuch" dient der Dokumentation solcher Prozesse als Grundlage für eine Selbstevaluation und die Weiterentwicklung von eigenen Arbeitsstilen und Arbeitsformen.

Stichworte zu Planung und Vorbereitung

  • Zum Beispiel geeignet für: ... alle moderierten Veranstaltungsformen
  • Teilnehmer: Moderatorenteam
  • Dauer: 10 bis 60 Minuten (je nach Länge der Veranstaltung)
  • Material/Medien: Papier und Bleistift - oder sonstige Schreibgeräte
  • Vorbereitung: Es ist sinnvoll, bereits vorab Merkmale und Kriterien festzulegen, nach denen die Veranstaltung beschrieben und beurteilt werden gilt (z.B. Zeitplanung, Sitzordnung, Einsatz von Methoden, Art und Häufigkeiten von Interventionen, Beteiligung, Motivation, Störungen, inhaltlicher Verlauf und Ergebnisse etc.).

Verlauf
Nach der Veranstaltung wird deren Verlauf noch einmal kurz schriftlich skizziert. Zu den einzelnen Phasen werden dann - entsprechend den zuvor festgelegten Merkmalen - Bemerkungen notiert. In einem dritten Schritt werden mögliche Konsequenzen aus einzelnen Beobachtungen zusammengetragen. Solche Konsequenzen können sein

  • Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind sehr diskussionsfreudig. Ich sollte deshalb mehr Zeit für die einzelnen Veranstaltungsabschnitte einplanen.
  • Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren an mehr konkreten Praxisbeispielen interessiert. Dies sollte ich beim nächsten Mal berücksichtigen.
  • Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren weitgehend passiv. Ich sollte verstärkt Methoden mit "Runden" einsetzen oder stärker Kleingruppenarbeit ermöglichen, damit auch diese Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiviert werden.

Varianten
Sinnvoll ist die Anwendung dieser Methode im Team. Alle Moderatorinnen und Moderatoren notieren zunächst getrennt ihre Wahrnehmungen, tauschen sie dann untereinander aus (allein die Erfahrung dieser verschiedenen Sichtweisen ist in vielen Fällen schon ein wichtiges Ergebnis) und bedenken Folgerungen. Bei ausreichend großen Teams können auch bereits während der Veranstaltungen Notizen angefertigt werden. Hier beginnen dann bereits Übergänge zur Supervision.
Hinweise zur Durchführung. In jedem Fall sollte der Zeitraum zwischen Veranstaltung und Aufzeichnung nicht zu groß sein. Die Führung des Tagebuchs sollte so gestaltet werden, dass nicht das Gefühl aufkommt, "nur mehr Arbeit zu haben". Entlastend kann in diesem Zusammenhang auch eine vorab gesetzte Zeit für die Nacharbeit sein.
Ist erst einmal ein leicht handhabbares Raster zur Gliederung der Bemerkungen geschaffen und mehrfach erprobt, sinkt der Zeitaufwand.

Beispiel
Im Rahmen der Aufstellung eines Grünordnungsplans moderiert ein Planer einen Arbeitskreis mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Mitgliedern eines Umweltverbandes und des Stadtplanungsamtes. Der Arbeitskreis trifft sich viermal zu den anstehenden Themen. Da für den Planer diese Arbeitsform recht neu ist, führt er jeweils nach den Sitzungen ein kurzes Protokoll mit Hilfe der Methode "Tagebuch". Auf einem DIN-A4-Papier hat er drei Spalten eingetragen: Ablauf der Veranstaltung, Eindrücke und Konsequenzen.
Zur ersten Arbeitskreissitzung notiert er z.B. zum Ablauf: Vorstellungsrunde, Bericht über mein Vorhaben und erste Ergebnisse der Bestandsaufnahme, Diskussion zu einzelnen Aspekten, die aus Sicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch berücksichtigt werden sollten und Informationen, die von mir noch zu ergänzen sind.
Seine Eindrücke waren z.B.: deutliche Zurückhaltung bei einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern; mit der eigenen Protokollführung und gleichzeitigen Moderation war ich überfordert; als eine kontroverse Diskussion sich emotional zuspitzte, habe ich zu spät eingegriffen, so dass die Stimmung gereizt wurde und über eine längere Phase die inhaltliche Arbeit belastete.
Konsequenzen, die der Planer für seine nächste Arbeitskreissitzung daraus ziehen will: die reservierten Mitglieder der Runde werden vorab angesprochen, um Gründe für ihre Zurückhaltung in Erfahrung zu bringen. Protokollführung und Moderation müssen getrennt werden. vielleicht kann das Protokoll reihum geführt werden. Über Möglichkeiten, bei kontroversen Diskussionen besser zu reagieren, erkundige ich mich bei erfahrenen Moderationskolleginnen und -kollegen.

  Tipps

  • Das Tagebuch sollte möglichst einfach und mit wenig Zeitaufwand zu handhaben sein.
  • Ein Austausch der eigenen Beobachtungen mit anderen (Mitgliedern des Moderationsteams) ist in der Regel sehr erhellend.
  • Zuvor festgelegte Merkmale und Kriterien als "Raster" für die eigenen Bemerkungen sind sinnvoll.

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