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Wenn alle anpacken...

Geschrieben von Carola Schaaf-Derichs am .

Der Berliner-Freiwilligen-Tag zeigt, was in Berlin freiwillig geht!

Kontakt:

Carola Schaaf-Derichs, Treffpunkt Hilfsbereitschaft – Landesfreiwilligenagentur Berlin, Torstrasse 231, 10115 Berlin, FON: 030 – 20 45 06 36, FAX: 030 – 20 45 05 69, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Internet: www.freiwillig.info, http://www.berliner-freiwilligen-tag.de/

Berlin lernte von New York

Im Mai 2000 hatten wir Besuch aus New York. Ein Kollegin von der dortigen Freiwilligenagentur "New York Cares" hatte noch einen Tag an eine Konferenz dran gehängt, um mit mir durch Berlin zu streifen und zu erfahren, was wir hier alles auf die Beine stellen in Sachen Freiwilliges Engagement. Sie war recht erstaunt, dass wir Deutschen noch eher zum "Dauerengagement" neigen und nicht solche Eintages-Aktionen anbieten, wie sie es in den USA mittlerweile in allen großen Städten unter dem Motto "City Cares Movement" tun. Sogenannte "Days of Caring" rufen die dortigen Freiwilligenagenturen bis zu viermal jährlich aus und erreichen eine große Zahl interessierter Freiwilliger, die dann verschiedenste Gemeinschaftsaufgaben zur Verbesserung des Zusammenlebens in New York, Ohio, Los Angeles etc. an diesen Tagen durchführen. Da werden Parks nach dem Winter aufgeräumt oder für denselben vorbereitet, da werden Brachflächen bepflanzt und Brandwände farbenfroh gestrichen, da versorgen Freiwillige verarmte Familien mit Lebensmitteln, lesen vor oder gehen mit Hunden aus dem Tierheim spazieren und vieles mehr.
Das Ganze geschieht mit minutiöser Vorbereitung Seitens der beteiligten Projekte und Behörden, so dass an einem Tag dank gemeinsamem Anpacken ein sinnvolles Stück Arbeit und jede Menge Hilfsleistungen für Menschen, Tiere und Umwelt in Not vollbracht werden. Vor allem passiert das nach dem "Tom Sawyer Prinzip": Für den Einzelnen scheinbar wenig einladende Arbeiten und Aufgaben werden durch die prima Vorbereitung und vor allem durch die fröhliche Zusammenarbeit aller so spannend, dass der Tag launig und spaßvoll vergeht und am Abend alle staunen, was ihnen gemeinsam gelungen ist. Das überschaubare Maß an Arbeitseinsatz für die einzelnen Freiwilligen, die Freude an der "Arbeits-Gemeinschaft" und der effektive Nutzen, wenn alle anpacken, das ist der Stoff, aus dem ein "Day of Caring" besteht.

Der Berliner-Freiwilligen-Tag entstand 2001

"You are going to do that in Berlin too!" sagte die Kollegin aus New York schulterklopfend zu mir. Und so kam es.
Ab dem Winter 2000/2001 dachten wir in einer kleinen Gruppe von Fachleuten aus dem Freiwilligen-Management auf der amerikanischen Idee so lange herum, bis wir eine vorstellbare deutsche "Übersetzung" davon hatten. Das war die Geburtsstunde des "Berliner-Freiwilligen-Tages". Das Geburtsjahr legten wir – ganz überzeugt von unserem Erfolg – in das Internationale Jahr der Freiwilligen, das die Vereinten Nationen 2001 ausgerufen hatten. Es kam dann wesentlich geschichtsträchtiger als wir es uns je hätten ausmalen können, denn unser 1. Berliner-Freiwilligen-Tag lag am 16. September 2001, nur 5 Tage nach den grauenhaften Attentaten des 11. September 2001. Nur die innere Überzeugung, dass unser Prinzip der Hilfe und der gesellschaftlichen Solidarität gerade jetzt eine wichtige Aussage darstellt, hat uns ermutigt, zusammen mit der damaligen Schirmherrin, der Senatorin für Soziales, Frau Gabriele Schöttler, den Tag wie geplant durch zu führen. Und so gut wie alle beteiligten Projektpartner haben mitgezogen.

Mit-Mach-Aktionen: für jede und jeden etwas dabei

Seither ist der Berliner-Freiwilligen-Tag auf einem Erfolgszug – vor allem in Berlin mit den steigenden Zahlen der beteiligten Projekte in jedem Jahr: 2001 waren es 22, 2002 dann 33, 2003 wurden es 44 und letztes Jahr schließlich 53 Projekt-Partner aus allen Bereichen der freiwilligen, gemeinnützigen Arbeit. Mit ihnen zusammen schaffen wir eigens für den Berliner-Freiwilligen-Tag ein Netzwerk von Mit-Mach-Aktionen, das überall in der Stadt zum Anpacken in verschiedensten Aufgabenfeldern einlädt und reichlich Zuspruch erfährt.
So können "Fingerfertige und Feinschmecker" an diesem Tag ihre Fähigkeiten im Basteln, Kuchen backen oder als Kreative für den guten Zweck einbringen und damit Bazarausstattungen oder Feste für Kinder, Ältere oder z.B. für Behinderte beitragen.
Diejenigen, die sich eher zur Rubrik "Für grüne Daumen und starke Arme" hingezogen fühlen, machen am Berliner-Freiwilligen-Tag u.U. völlig neue Erfahrungen bei einer "Orchideenwiesenmahd" mit den Rangern des Europark im Barnim oder sie wurden zu "Heckenfrisören" bei einer Aktion der Lebenshilfe e.V. von und mit geistig behinderten Menschen in einem Berliner Park.
Natürlich gab es auch die Rubrik "Für das hilfreiche Miteinander", unter der Hilfsaktionen für einsame Ältere, für kranke Kinder und ihre Eltern, für Sterbende im Hospiz und vieles mehr auf der Basis von Gesprächen, Spaziergängen, gemeinsamen Essen, Erzählen oder z.B. Fenster putzen im Hospiz ermöglicht wurde. Hierbei geht es vor allem um die Anteilnahme, das Teilen von Erfahrungen und Erlebnissen, und um ein Stück Lebensfreude, das dadurch ermöglicht wird, dass ein Freiwilliger an meinem persönlichen Leben Interesse zeigt.
Für die "Stadtentwickler" unter den Freiwilligen gab es in allen Jahren vielfältige Aktionen im Kiez. Hier wurden z.B. Straßenzüge aufgeräumt, Seitenstreifen, Vorgärten oder Spielplätze gepflegt oder angelegt, das Quartier entmüllt oder Kiezreporter freiwillig auf den Weg geschickt. Eine gute Chance, hässliche oder verwahrloste Anblicke im ureigenen Umfeld gemeinschaftlich zu beseitigen und zur Augenweide werden zu lassen. Unser Stichwort: "Für den sauberen Anblick".
Last but not least haben wir unter dem Motto "Für alle Nationalitäten" zum freiwilligen Austausch, Zusammenkommen und gemeinsamen Engagement in unserer multikulturellen Stadt eingeladen. Ob es der Community Channel war, der freiwillige Unterstützung für seine transeuropäischen Kontakte brauchte oder ob es um Märchenerzähler aus aller Welt am Wassertorplatz-Kiez ging, hier wurde das tolerante und interessierte Zusammenleben der Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern freiwillig untermauert.

Der Berliner-Freiwilligen-Tag wird 5 Jahre!

Für das Jahr 2005 kündigt sich nun ein erstes Jubiläum an: der Berliner-Freiwilligen-Tag feiert seinen fünften Geburtstag! Er hat ja auch schon viele "Ableger" in Deutschland, indem sich Freiwilligenagenturen in Hamburg, Kassel, Köln, Augsburg, Halle, Karlsruhe und rund 30 deutschen Städten seines Beispiels angenommen haben und ihrerseits Freiwilligen-Tage seit 2002 veranstalten.
Das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement hat sich von unseren Erfahrungen zu einer "Woche des Bürgerschaftlichen Engagements 2004" und zu "Bundesweiten Aktionstagen im Bürgerschaftlichen Engagement 2005" inspirieren lassen. Dadurch wird der Berliner-Freiwilligen-Tag als Aktionstag der Bundeshauptstadt im Rahmen einer bundesweiten Auftaktveranstaltung am 09.09.2005 prominent rangieren.

Der Berliner-Freiwilligen-Tag und seine Unterstützer

Von Anfang an brauchte der Berliner-Freiwilligen-Tag Unterstützer aus allen Bereichen der Berliner Gesellschaft: nicht nur Freiwillige und gemeinnützige Vereine, Verbände und Initiativen waren unsere Ansprechpartner. Wir benötigten auch alles, was für die Vorbereitung und Organisation des Berliner-Freiwilligen-Tages anfiel. Ein entscheidender Vorteil war dafür die Gründung eines Organisations-Teams, das seither die Planung und die verantwortliche Übernahme vielfältiger Aufgaben zur Umsetzung mitträgt. Außerdem haben wir Unternehmen mit Sitz in Berlin angesprochen, die Sach-, Personal- und Geldspenden für die Ermöglichung des Berliner-Freiwilligen-Tages beitragen. Nicht zuletzt, vielmehr sehr früh hat sich der Berliner Senat zur Unterstützung für den Berliner-Freiwilligen-Tag eingesetzt. So kann unser kleines Treffpunkt Hilfsbereitschaft-Büro die Koordination und Werbung fachgerecht umsetzen, wie es für eine Millionenstadt und für den Vorreiter einer neuen Engagement-Kampagne in Deutschland sein muss.

Der Berliner-Freiwilligen-Tag

Die innovative Engagement-Kampagne aus Berlin - ihre Entwicklungs- und Handlungsebenen für Bürgerschaftliches Engagement –

  • Die Bewusstseinsebene:
    vermittelt die Werte des Bürgerschaftlichen Engagements sowie den Zusammenhalt in dieser Stadt, Kommune etc.
  • Die Netzwerk-Ebene:
    Ausgangspunkt ist das Netzwerk der rd. 250 Kooperationspartner der Freiwilligenagentur, in Berlin die Landes-Freiwilligenagentur Treffpunkt Hilfsbereitschaft. Sie ist Initiator, Motor, Manager und Netzwerker für die Idee der eintägigen Mit-Mach-Aktionen des Berliner-Freiwilligen-Tages.
  • Kampagnen-Ebene:
    Der Berliner-Freiwilligen-Tag ist ein Berlin-weites Engagement-Event, das an einem wiederkehrenden Tag im Jahreskalender der Stadt bzw. des Landes Berlin das Bürgerschaftliches Engagement besonders in den Vordergrund stellt und erlebbar macht.
  • Lokale Ebene:
    Aus Sicht der beteiligten Initiativen, Projekte und Vereine kann die "lokale Bürgergesellschaft" im Standortumfeld konkret angesprochen und aktiviert werden. Hier geht es um bürgerschaftliche Beteiligung und Identifikation und das Einwerben neuer Kooperationen, z.B. auch von Unternehmen im Umfeld.
  • Die Unterstützer-Ebene:
    Der Berliner-Freiwilligen-Tag finanziert und generiert sich aus Ideen, Arbeit und Ressourcen aus allen drei Sektoren der Gesellschaft: Bürgergesellschaft & Verbände, Verwaltung & Politik und Markt, d.h. engagierte Unternehmen. Gerade dieses Zusammenspiel macht den Berliner Freiwilligen-Tag zu einem besonders innovativen Netzwerk, das nachhaltig neue Verbindungen und gemeinsame Unterstützungspartnerschaften anregt.
  • Die bürgergesellschaftliche Lernebene:
    die beteiligten Projektpartner erwerben Kenntnisse im Bereich Kampagnen-Management, PR sowie Freiwilligen-Management im Rahmen vorausgehender Workshops sowie der begleitenden Diskussion und anschließenden Auswertung. Die Aktiven des Tages lernen intensiv Einrichtungen, lokale Brennpunkte und Einsatzfelder des Bürgerschaftlichen Engagements in ihrer Stadt kennen – und vielleicht lieben.
  • Die Organisations-Entwicklungs-Ebene:
    Die beteiligten Projekte stellen neue Umfeldbezüge her, erfahren neue Perspektiven und Bezüge auf ihre Arbeit.
    Die beteiligten Unternehmen, insbesondere wenn sie Corporate Volunteering Partner sind, erfahren neue Möglichkeiten des gemeinnützigen Mitarbeiter-/Unternehmensengagements.
  • Die Ebene des Community-Building:
    Der Berliner-Freiwilligen-Tag ist daher insgesamt ein Engagement-Ereignis, das die Engagierten der Stadt, der Bezirke und lokalen Standorte etc. in vielfältiger Weise konstruktiv als win-win-win-Situation zusammen bringt und ihr Zusammenwirken nachhaltig stärkt.