Wirtschaftskrise

Ab 24. Oktober 1929 begann ein dramatischer Verfall der Aktienkurse an der New Yorker Börse („Schwarzer Freitag"). Ursache waren jahrelange Überinvestitionen in der Industrie und damit ein Überangebot an Waren, mit dem die Nachfrage nicht Schritt gehalten hatte. Binnen kurzem weitete sich die amerikanische Krise aufgrund der internationalen Finanz- und Wirtschaftsverflechtungen zur größten Krise der Weltwirtschaft im 20. Jahrhundert aus. Um liquide zu bleiben, mußten die US-Banken Gelder zurückfordern, die sie kurzfristig in Europa angelegt hatten. In den Industrieländern sanken Produktion und Beschäftigung, Löhne und Preise stark ab. Da die sogenannten Selbstheilungskräfte des Marktes ebenso versagten wie die Instrumente der Wirtschaftspolitik, ging die konjunkturelle Krise der internationalen kapitalistischen Wettbewerbswirtschaft Mitte 1931 in eine tiefgreifende strukturelle Krise über. Erst Mitte der dreißiger Jahre wurde sie international mit unterschiedlichen Mitteln überwunden. In Deutschland geschah dies im Rahmen der nationalsozialistischen Aufrüstungspolitik, die mit einer gigantischen Staatsverschuldung einherging. Die Weltwirtschaftskrise hat die Errichtung der NS-Diktatur keineswegs verursacht, aber sie hat diesen Prozeß ermöglicht und beschleunigt.

Quelle: Sturm in Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) Weimarer Republik. Nr. 261/1998. München: Franzis` print & media Verlag. S. 48