Kulturelle Veranstaltungen

Die Barnetts, aus besitzbürgerlichen Verhältnissen kommend, führten immer ein großes und offenes Haus - in ihrer Dienstwohnung. Allwöchentlich luden sie Leute zum Abendessen ein oder zur Gartenparty im Freien, mal acht, mal vierundsechzig, mal eintausendachthundert - quer durch die sozialen Schichten der Bevölkerung. Und sie suchten ihre Gäste prinzipiell als Gleichwertige und Gleichgestellte zu behandeln - bis hin zu der uns vielleicht komisch anmutenden Praxis, die Sozialhilfeempfänger auf eigens gedruckten Einladungskarten zum Abendessen zu bitten. Henrietta Barnett widmet der Kunst, die armen Nachbarn zu unterhalten, ein ganzes Kapitel in ihren zweibändigen Lebenserinnerungen. Das Thema ist ihr sehr wichtig. Nach dem Essen gibt es Vorträge, Musik, Gesang. Die Barnetts bringen bekannte zeitgenössische Künstler dazu, aufzutreten und ihre Bilder auszustellen. Später trommelt Samuel Barnett Geld für eine eigene Gemäldegalerie in der Nachbarschaft von Toynbee Hall zusammen. Die Leihbibliothek der Universitäts-Niederlassung ist berühmt: 1888 enthielt sie 3.878 Bücher, 1900 hatte sich der Bestand verdoppelt.
Quelle: Müller, C. W. (1991, 3. unveränderte Auflage) Wie Helfen zum Beruf wurde. Weinheim und Basel: Beltz. S. 41f.


Sonntagsbesucher in der Gemäldegalerie. Oben im Kreis Samuel Barnett, der einem offensichtlich gepflegten Publikum die Bilder erläutert.
Quelle: Müller, C. W. (1991, 3. unveränderte Auflage) Wie Helfen zum Beruf wurde. Weinheim und Basel: Beltz. S. 46