Themen und Inhalte

Im Mittelpunkt des Vereinslebens standen die Vorträge „Eintritt frei! Auch Frauen haben Zutritt!", jeweils donnerstags abends 8 1/2 Uhr - die gewöhnliche Arbeitszeit ging damals bis 6 Uhr oder später! Es galt der Grundsatz: „Nur wirklich Gutes in objektiver Darstellung zu bringen." Vertreter ausgesprochener Interessen sollten nicht zu Wort kommen. Sachlich und unparteiisch sollte referiert werden, sachverständig und neutral. Referenten waren die Mitarbeiter des Volksheimes. Die Themen freilich waren derart, dass vor Arbeitern darüber kaum neutral geredet werden konnte: „Luft und Licht in unseren Wohnungen", „Kinderkrankheiten", „Arbeitsschutzbestimmungen", „Fabrikarbeit und Eheleben", „Heer und Volk". Die Diskussion ergab bei den „Fragen, die dem Arbeiter praktisch am nächsten stehen [... ] abweichendste Beurteilungen"12. Andererseits wurden Themen angeboten wie „Goethe", „Schiller", „Sonne und Planeten", „Pflanzenkunde", „die christliche Sittenlehre", „Standesehre", - Themen dieser Art bekamen im Laufe der Zeit deutliches Übergewicht.
Sonntags gab es am Nachmittag die Sonntagsunterhaltungen. Das Motto lautete: „Es werden nur Werke unserer ersten Dichter und Musiker zum Vortrag gebracht!"14 Die Arbeiter sollten an der Kultur teilhaben, die das Bürgertum selber am höchsten schätzte. Das Programm sah dann eher recht volkstümlich aus: Z.B. „Soldatenleben in Scherz und Ernst", „Geister- und Gespensterballaden", auch Konzerte, Aufführungen, Wanderungen

Quelle: von Kietzell in Krahulec, P. (1993) Der große Frieden und die kleinen Kriege – Band 4 der Schriften des Arbeitskreises Frieden in Forschung und Lehre an Fachhochschulen. Münster: Agenda-Verlag S. 74