Die drei ersten Studenten

Von Anfang an war die Soziale Arbeitsgemeinschaft darauf eingestellt, mit Studenten zu arbeiten. Tatsächlich waren sie die ersten, die zum Einsatz in Berlin-Ost bereit waren. Aber es erwies sich auch, dass Studenten einen guten Anfang für solche Arbeit darstellen: sie sind aufgeschlossen, begeisterungsfähig, gern mit Pionierarbeit beschäftigt, tragen auch die Sache, der sie dienen, durch Austausch weiter. Die drei ersten Studenten, die sich für Berlin-Ost meldeten, waren Theologen und Mitglieder der Christlichen Studentenvereinigung. Sie waren indessen nicht die üblichen, theologisch abgestempelten, gleichgeschalteten Typen. Oskar von Unruh stellte als Sohn des Kommandeurs der Liegnitzer Königsgrenadiere ohnehin einen gewissen Fremdtypus unter den Theologen dar. Arnim Kühn war als Thüringer Landwirtssohn und Naturfreund ein ganz eigenartiger Gast des Berliner Ostens. Eduard Bruhn, Schleswig-Holsteiner Pfarrerssohn, wurde von seinem starken Wissenstrieb und seinem Herzen getrieben. Alle drei wurden sofort in der Berliner Christlichen Studentenvereinigung ausgefragt und auf ihren Arbeitswegen in Berlin-Ost begleitet. Die Berliner CSV beschäftigte sich mit Problemen der SAG; so auch die DCVSF, die Deutsche Christliche Vereinigung Studierender Frauen. Die Studentinnen freilich erwiesen sich stärker auf ihr Studium gerichtet, d.h. weniger bereit, einige Semester dem sozialen Dienst zu widmen.

Friedrich Siegmund-Schultze. EZA 6267 II 29,19. 

Quelle: Lindner, R. (Hrsg.) (1997) Wer in den Osten geht, geht in ein anderes Land. Berlin: Akademie Verlag. S. 86