Ellen Gates Starr (1859-1940)

Addams' Freundin aus Rockford und eine der ersten zwei "residents" war Starr, vom Beruf her Kunstlehrerin, die auch vom renommierten CHICAGO ART INSTITUTE Lehraufträge erhielt. Obwohl tief religiös und sich sehr für Ästhetik interessierend, war sie nicht die jenseitige Erscheinung, als die sie oft beschrieben wurde [siehe z.B. LAGEMANN: 24]. Sie setzte die Ruskinsche Idee der Schönheit einer Werkkunst, die entsteht, wenn der Handarbeiter sie für seine Interessen herstellt, in die Tat um. Zu diesem Zweck fuhr sie nach London, wo sie Buchbinderei lernte. Nach Hull-House zurückgekehrt, gründete sie eine Buchbinderei, in der Lehrlinge ausgebildet wurden [Twenty Years: 261]. Starrs Kunstverständnis prägte sicher die vielen Kunstkurse, Ausstellungen und Veranstaltungen des frühen Hull-House. Sie war keine große Publizistin, es blieb Addams überlassen, Starrs Vorstellungen von künstlerischem Schaffen, Werkkunst und Kunstpädagogik zu verbreiten. Sie gründete und leitete die chicago public school art society, die den Kunstunterricht an den öffentlichen Schulen einführte [SKLAR: 112]. Starr war auch sozial engagiert. Bezeichnend ist dafür eine ihrer wenigen Veröffentlichungen, ein Beitrag in Hull-House Maps and Paper s zu dem Thema «Kunst und Arbeit». Sklar, die Biographin von Florence Kelley (siehe unten), sieht in Starr eine der politisch radikalsten Mitglieder des Kollegiums von Hull-House [SKLAR: 112].

Quelle: Eberhart, C. (1995) Jane Addams. Rheinfelden und Berlin: Schäuble. S. 74f.