Die Industriearbeiterschaft 

Die Industriearbeiterschaft war um die Jahrhundertmitte noch eine kleine erst im Entstehen begriffene Gruppe. Nur 7% der preußischen Erwerbstätigen arbeiteten im Jahre 1860 in Fabriken oder im Bergbau (Rürup 1984, 96). Im Zuge der Hochindustrialisierung schwoll diese Schicht stark an. Sie bildete im Jahre 1907 mit 22% der deutschen Erwerbstätigen (Conze 1976, 618) nicht nur den Kern der Arbeiterklasse, sondern war auch die quantitativ wichtigsten Gruppe im Berufssystem. Die Industriearbeiterschaft hatte - zusammen mit den anderen Unterschichten - relativ einseitig die Kosten der Industrialisierung und der damit zusammenhängenden Steigerung des Wohlstands zu tragen. Harte Arbeitsbedingungen in lärmigen Fabrikhallen mit kasernenmäßiger Disziplin, niedrige Löhne, Arbeitszeiten von täglich 13 und mehr Stunden, schlecht bezahlte Frauen- und Kinderarbeit, enge und total überbelegte Wohnungen in schmutzigen Mietskasernen - das sind einige Stichworte zu ihrer Lebenslage (vgl. z. B. Langewiesche/Schönhoven 1981), die von den Sozialkritikern mit Recht als „Verelendung", „Entfremdung" oder „Ausbeutung" des Proletariats gebrandmarkt wurde. Andererseits brachte die Durchsetzung des Industriekapitalismus eine allgemeine Verbesserung der Lebensbedingungen mit sich, die auch der Arbeiterschaft zugute kam. Auch dazu einige Stichworte:

Quelle: Geißler, R. (2. neubearbeitete und erweiterte Auflage 1996) Die Sozialstruktur Deutschlands. Opladen: Westdeutscher Verlag. S.24