Gewinner der Inflation

Wer damals zu den Gewinnern oder Verlierern der Inflation zählte, zeigte in jedem Einzelfall erst die Gesamtbilanz. Gewinner waren die Schuldner, die ihre Verpflichtungen schlagartig mit wertlosem Geld zurückzahlen konnten - vor allem Bauern, die ihre Schulden aus der Vorkriegszeit abschüttelten, und der Staat, der seine Kriegsanleihen bei den Bürgern ablöste. Ferner profitierten Mieter, Pächter und besonders Exportunternehmer, deren Kosten sich nicht nur mit fortschreitender Geldentwertung verringerten, sondern die auch für ihre Produkte im Ausland harte Dollars erhielten. So war es dem devisenstarken Großunternehmer und DVP-Reichstagsabgeordneten Hugo Stinnes schon 1920 bis 1922 gelungen, mit Krediten Eigentumsanteile an mehr als 1600 Betrieben zusammenzukaufen (Siemens-Rhein-Elbe-Schuckert-Union). Sein Geschäftspartner Friedrich Flick, ebenfalls DVP-Mitglied, erwarb durch geschickte Börsenspekulationen Industrieanteile im Werte von 100 Millionen GM.

Quelle: Sturm in Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) Weimarer Republik. Nr. 261/1998. München: Franzis` print & media Verlag. S. 28