Community

Der Begriff Community findet im Amerikanischen auf vielerlei Ebenen mit unterschiedlichen Inhalten Anwendung. Das Wort wird im amerikanischen Sprachgebrauch sehr häufig benutzt. Übersetzungen in's Deutsche werden versucht mit "Gemeinschaft, Gemeinde, Gemeinwesen". Ebenso kann 'Community' aus soziologischer Sicht auch 'Gesellschaft' meinen.
Gesprochen wird also z.B. von der Schul-Community, der polnischen Community (was alle in einer US-amerikanischen Stadt lebenden Polen meint) von der Community als Stadtteil oder auch der 'national community', d.h. den gesamten USA.
Mit 'Community' können zwei unterschiedliche Dimensionen gemeint sein, eine geographische und eine durch soziale Beziehungen bestimmte:
Eine geographische Community kann sowohl die gesamte Nation der USA, ein Bundesstaat, eine Stadt, ein Stadtteil, eine Nachbarschaft oder gar ein einzelnes Haus sein. Warren bietet eine vielbeachtete Definition von geographisch verstandener Community:
"Wir wollen die Gemeinde als jene Kombination sozialer Einheiten ...[und] Systeme ansehen, welche die wichtigsten sozialen Funktionen von lokaler Bedeutung wahrnehmen."
Stadtteile in Großstädten der heutigen USA haben bis zu 100.000 Einwohnerinnen, bisweilen auch mehr. Entsprechend komplex, vielschichtig und unüberschaubar sind die in ihnen vorhandenen Strukturen. Daher erlangen kleinere Einheiten, die Nachbarschaften, als überschaubare räumliche Einheiten bereits seit den 60er Jahren zunehmende Bedeutung für Community-Programme und -Aktivitäten.
Geographisch ist mit Community also in unserem Zusammenhang die Stadtteil- und Nachbarschaftsebene gemeint.
Übereinstimmend wird aber in der Literatur festgestellt, daß in der modernen Gesellschaft die auf räumlicher Nähe basierenden Beziehungen der Menschen zurückgedrängt werden durch solche, die auf einer Vielzahl spezieller Interessen beruhen und sich auf die lokale Community übergreifende Systeme beziehen. Damit verliert die lokale Community viele ihrer ursprünglichen Funktionen, die auf verschiedene örtliche und überörtliche Institutionen und Organisationen übergehen. Die durch sie erzeugte Verbundenheit von Menschen über spezielle Interessen und Funktionen läßt eine neue Form von Community entstehen, die neben die geographische tritt, jedoch auch immer einen lokalen Bezug hat.
Einer lokalen Community, also einem Stadtteil oder einer Nachbarschaft, kommt in den USA eine sehr große Bedeutung zu. Dies liegt vor allem darin begründet, daß Kommunalverwaltungen viel weniger Aktivitäten hinsichtlich Planung, Gestaltung und auch Ordnung in diesen Communities von sich aus entwickeln, im Gegensatz zu denen z.B. in der BRD. Von der Selbstorganisation und Eigeninitiative der Bevölkerung hängt es daher in entscheidendem Maße ab, wie viel und was in ihrer Community geschieht. Selbstverständlich ist dies nicht der allein bestimmende Faktor, diese Eigeninitiative wird jedoch vorausgesetzt bzw. erwartet.
Für die Menschen bietet diese Tatsache natürlich Chancen der aktiven Beteiligung an der Gestaltung ihres Stadtteils. Fehlt diese Teilnahme, so besteht andererseits die große Gefahr, daß der Stadtteil vernachlässigt wird.
Welche Art von Community nun gemeint ist, ist abhängig von der im Einzelfall vorzunehmenden Definition der "relevant community", d.h. der Community, auf die sich die Intervention von CO bezieht.

Quelle: Mohrlok, M.; Neubauer, M.; Neubauer, R.; Schönfelder, W. (1993) Let`s Organize! Gemeinwesenarbeit und Community Organizing im Vergleich. München: AG SPAK. S. 63f.